Pep Guardiola: Der Vorzeige-Katalane

Pep Guardiola: Der Vorzeige-Katalane
Der Denker aus Barcelona: Pep Guardiola © ddp images

Er ist kein Spanier, sondern Katalane - diese Unterscheidung wäre ihm sicher wichtig: Pep Guardiola ist mit Barcelona, der Hauptstadt der Region Katalonien, eng verbunden. Zum Halbfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwochabend kehrt der jetzige Bayern-Trainer zum ersten Mal nach seinem Abschied 2012 für einen offiziellen Auftritt zurück in seine Heimat. Für Guardiola ist dieses Duell weit mehr als nur ein einfaches Fußballspiel.

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Die Rückkehr nach Barcelona

Der Mediendirektor der Bayern, Markus Hörwick, kündigte auf der ersten Pressekonferenz den versammelten spanischen Journalisten Guardiola als "ihren und unseren Trainer" an und zollte damit der tiefen Verbundenheit zwischen Stadt und Trainer Tribut. "Natürlich ist es speziell für mich", gab Guardiola unumwunden zu. Hier sei immer noch sein Zuhause. "Barcelona ist mein Leben", sagte der mittlerweile 44-Jährige mit viel Pathos in der Stimme, der bereits als kleines Kind im altehrwürdigen Stadion Camp Nou als Balljunge seine ersten Kontakte zum Verein knüpfte.


Einmal Katalane, immer Katalene?

Geboren wurde Josep Guardiola i Sala, so sein vollständiger Name, in Santpedor, einer Kleinstadt, knapp eine Autostunde von Barcelona entfernt im Herzen Kataloniens. Mit 13 Jahren zog er in die Hauptstadt, um dort der berühmten Jugendakademie La Masia beizutreten. Sechs Jahre später gab er sein Debüt in der 1. Mannschaft. Was folgte waren 263 Spiele im Trikot des FCBs, der zweimalige Gewinn eines Europapokals, sechs Meisterschaften und die Mitgliedschaft im legendären Barca-Dreamteam von 1992, der wahrscheinlich besten Vereins-Mannschaft aller Zeiten.


Nachdem Guardiola in Italien, Katar und Mexiko seine Karriere langsam ausklingen ließ, kehrte er 2007 zunächst als Trainer der B-Mannschaft in seine Heimat zurück. Nur ein Jahr später wurde er zum Cheftrainer befördert und startete eine unglaubliche Erfolgsserie, bei der am Ende 14 Titel in nur vier Jahren auf der Habenseite standen.


Auch in privater Hinsicht macht sich seine tiefe Heimatverbundenheit bemerkbar. Seit über 25 Jahren ist Guardiola bereits mit seiner jetzigen Frau Cristina zusammen, die er schon als 18-Jähriger kennen lernte. Die beiden haben drei Kinder: Die Erstgeborene Maria erblickte 2001 das Licht der Welt, 2003 folgte Sohn Marius, fünf Jahre später Töchterchen Valentina. Die Hochzeit feierte das katalanische Traumpaar aber erst vor knapp einem Jahr. Mit den Eltern des Paares und den drei Kindern als einzige Gäste gaben sich die Beiden bei einer heimlichen Hochzeit in Katalonien das langersehnte Ja-Wort.


Pep und Cristina lernten sich in dem Dörfchen Manresa, im Bekleidungsgeschäft von Cristinas Eltern, kennen und lieben. Daher stammt vermutlich auch die große Leidenschaft für Mode, die sie mit ihrem Mann teilt. Pep lief in jungen Jahren sogar für Antonio Miró über den Laufsteg und ist bis heute sehr an Mode interessiert.


Der etwas andere Fußball-Profi

Seine Weggefährten berichteten bereits früh von einer Andersartigkeit. Guardiola war schon immer ein Berufs-Fußballer, der so gar nicht in die Schublade Profi-Kicker passte: Pep interessierte sich nie für schnelle Autos, leichte Frauen oder teure Statussymbole und entsprach damit noch nie dem typischen Klischee neureicher Berufskicker. Pep liebt hingegen bis heute das Theater, die Poesie und anspruchsvolle Musik. Auch Politik beschäftigt den Ausnahmetrainer.


Ein Abschied für immer?

2012 folgte allerdings der Bruch mit seinen Wurzeln in Katalonien. Guardiola verlängerte aus freien Stücken seinen Vertrag in Barcelona nicht und brach alle Zelte ab. Für ein Sabbatjahr zog es ihn mit seiner gesamten Familie über den großen Teich nach New York. Er hatte genug von seiner großen Liebe Barcelona, er fühlte sich ausgebrannt und wollte neue Energiequellen anzapfen, neue Ziele ausmachen. Vom Big Apple aus bereiste Guardiola Südamerika, kümmerte sich um seine Familie und wollte vom Fußball-Trubel in Europa vorerst nichts mitbekommen.


Doch auch nach dieser Auszeit führte ihn sein Weg nicht zurück in seine Heimat. Der Denker und Perfektionist, den alle europäischen Topvereine umgarnten, unterschrieb für viele Experten überraschend einen Dreijahresvertrag bei den Münchner Bayern und knüpfte dort nahtlos an seine herausragenden Erfolge beim FC Barcelona an. Nun, auf den Tag genau drei Jahre nach seinem letzten Pflichtspiel für Barcelona, hat ihn seine alte Liebe wieder. Zumindest für wenige Stunden. Ein Jahr Vertrag hat Guardiola noch in München. Anschließend lautet die Frage nicht, ob Pep nach Barcelona zurückkehrt, sondern nur wann und in welcher Funktion.

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