Penisakrobatik und Styling-Tipps für Osama: Brüno

Penisakrobatik und Styling-Tipps für Osama: Brüno
© picture-alliance/ dpa, Hannibal Hanschke

Von Mireila Zirpins

'Wir sind ein ganz normales Paar und bleiben gern zu Hause', säuselt der überstylte Brüno mit dem Strähnchenpottschnitt tuckig, während ein Zusammenschnitt ihn mit seinem Lover Diesel bei allerhand perversen Praktiken zeigt – immerhin liebevoll verpixelt. Provokateur Sacha Baron Cohen, der zuletzt als kasachischer Oberchauvi 'Borat' begeisterte, hat die nächste seiner Figuren zu einem Kinofilm verarbeitet: den schwulen Fashionista Brüno, dessen Styling etwas flotter geraten ist als das der alten Fernsehfigur.

Die Geschichte ist noch etwas simpler als bei 'Borat' um die pikanten Real-Situationen gestrickt, in die Cohen seine exaltierte Kunstfigur und damit auch ahnungslose Passanten oder Prominente verwickelt. So verschlägt es ihn in den Mittleren Osten (für ihn: 'Mittelerde'), wo er bei einem diplomatischen Meeting Hamas und Hummus durcheinanderbringt und einem Al-Kaida-Mitglied Styling-Tipps für Osama Bin Laden gibt. Als homosexueller Modefanatiker und unbedarfter Gastgeber der 'allersuperwichtigsten' TV-Sendung 'Funkyzeit mit Brüno' will der Titelheld so berühmt werden wie vor ihm kein Österreicher außer Adolf Hitler.

Als er sich bei der European Fashion Week in einem Outfit ganz aus Klettverschlussband ins Defilee von Agatha Ruiz de la Prada schummelt, verliert er den Job bei seiner Talkshow und wandert aus ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort will er es allen zeigen und 'der größte schwule Filmstar seit Schwarzenegger' werden. Doch Brüno ist leider auch als Schauspieler völlig unbegabt.

Wie er als Statist versagt und selbst unter den zwölf Geschworenen eines TV-Films nach zwei Sekunden auffällt, ist urkomisch. Doch leider zündet nicht jeder Gag derart, und mancher ist auch schon ein bisschen abgestanden. Bedauerlicherweise verlässt sich Cohen nicht so sehr auf sein schauspielerisches Talent oder den Wortwitz, den er als Borat und Ali G bewies. In 'Brüno' setzt er vor allen Dingen auf das Überschreiten sexueller Tabus. Das bringt ihm manchen Vorwurf ein, genauso in Schwulen-Klischees zu denken wie die homophoben US-Amerikaner, über die er sich lustig machen will.

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Penisakrobatik und Styling-Tipps für Osama: Brüno
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Dass Brüno seinen gewachsten Hintern in jede Kamera hält, weiß dank einer Guerilla-Werbekampagne jedes Kind. Nicht für Kinder geeignet sind hingegen Szenen wie Brünos Dödel-Wedeln, bei dem das Publikum sich wundern darf, ob es wirklich Cohens ausgefahrenes bestes Stück ist, dass da lustig um seine zur überlangen Landebahn gestutzten Schamhaare kreist und wie man solcherlei Penisakrobatik überhaupt bewerkstelligt.

Einen kurzweiligen Abend garantiert Sacha Baron Cohen also auch diesmal, selbst wenn er enttäuscht, weil er die Klasse und Gagdichte von 'Borat' nicht erreicht. Woran es liegt, dass trotz einiger guter Ideen die Mischung diesmal einfach nicht so funktioniert? Vielleicht ist der sex- und ruhmgeile Styler Brüno einfach weniger sympathisch als der ebenso triebige Kasache mit dem Pornobalken und dem schlecht sitzenden Anzug. Und vielleicht wirkt manche absurde Szene einfach gestellt oder zu schlecht getimt.

Wer Pornographie oder Analbleachings anstößig findet und politisch Unkorrektes nicht ertragen kann, erspart sich Brünos erotische Eskapaden lieber. Wer hingegen Spaß an Scherzen deutlich unter der Gürtellinie hat und sie auch auf Englisch versteht, dem sei dringend die Originalfassung angeraten, weil die deutsche Synchro mit dem Österreichisch babbelnden Brüno wahrhaft grenzwertig ist. Und Brünos Luft-Blow-Job am imaginierten Geist des verstorbenen Rob Pilatus von 'Milli Vanilli' versteht man auch so.

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