Penélope Cruz mal platinblond: 'Zerrissene Umarmungen'

Penélope Cruz mal platinblond: 'Zerrissene Umarmungen'

Von Mireilla Zirpins

Penélope Cruz auf Marilyn Monroes Spuren? Ja, aber die Lieblingsschauspielerin von Pedro Almodóvar posiert in seinem neuen Film „Zerrissene Umarmungen“ nur kokett mit platinblonder Perücke für Probeaufnahmen. Denn sie spielt in dem elegant inszenierten Drama die ansonsten brünette Sekretärin Lena, die um jeden Preis aufsteigen und als Schauspielerin groß rauskommen will.

Als echte Femme Fatale schreckt sie vor nichts zurück. Sie prostituiert sich, beginnt eine Affäre mit dem ältlichen Finanztycoon Ernesto Martel (José Luis Gómez). Als dieser ihr eine Rolle verschaffen will in einem Filmprojekt, das er finanziert, wechselt Lena ins Bett des verheirateten Regisseurs Mateo (Lluís Homar). Ein rechtes Flittchen möchte man denken, aber so inszeniert Almodóvar seine Frauenfiguren nicht. Lena ist ein gebrochenes Mädchen aus einfachen Verhältnissen auf der Suche nach Geld und nach Liebe.

Doch das reißt der Film nur an. Denn Almodóvar geht es um das doppelte Spiel seiner Heldi, um Sein und Schein, um ihre Suche nach einer Identität im Glamour einer verborgenen Epoche, nach Hingabe und Liebe, die zwangsläufig daran scheitern muss, dass alle sich nur etwas vorspielen. Um das Verwirrspiel komplett zu machen lässt Almodóvar Mateo einen Film im Film inszenieren, ein schlichtes Machwerk namens „Frauen und Koffer“, das frappierende Ähnlichkeit mit Almodóvars „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ hat.

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Penélope Cruz mal platinblond: 'Zerrissene Umarmungen'

Lena inszeniert sich nicht nur im Film im Film als Diva alter Schule. Mal sieht sie aus wie Audrey Hepburn, mal wie eine Film-Noir-Heldin aus den 40ern. Alles ist Doppelung, Zitat, gespiegelte „mise en abîme“, und so nimmt auch Mateo, als nach einem Schicksalsschlag der Erfolg ausbleibt, eine zweite Identität an und nennt sich fortan Harry Caine. Immer wieder lässt der mittlerweile erblindete Regisseur den Schnitt von „Frauen und Koffer“ überarbeiten und kommt dem perfekten Film doch nicht näher.

Böse Zungen mutmaßten bei der Weltpremiere in Cannes, Almodóvar habe einen Film über die Schaffenskrise eines Filmemachers gemacht, weil er selbst gerade eine durchmache. Man kann sich darauf einigen, dass die kompliziert konstruierten „Zerrissenen Umarmungen“ nicht so viel Gefühl haben wie „Volver“, „La mala educación“ oder „Alles über meine Mutter“. Aber das macht Almodóvars neuestes Werk noch nicht zu einem schlechten oder gar uninspirierten Film.

Vielleicht ist „Zerrissene Umarmungen“ einfach intellektuell überformter als so manche andere Kreation des spanischen Ausnahmetalents, denn die zahlreichen Verweise auf Almodóvars eigenes Werk und das großer Vorbilder von Hitchcock bis Rossellini drohen selbst Filmkenner zu erschlagen. Vielleicht liegt es auch an der eher kleinen, wenngleich wunderbar komplexen Rolle, die Penélope Cruz zwischen all den wenig attraktiven Männern hier spielt, dass man zunächst nicht so recht warm wird mit „Zerrissene Umarmungen“. Doch spätestens wenn ihre Liebesgeschichte aus Mateo einen gebrochenen Mann macht und sich am Ende alle Puzzleteile wunderbar zu einem Ganzen fügen, merkt man, was Almodóvar hier geleistet hat. Ein Film eher für den Kopf als fürs Herz, aber ein Muss für Cineasten.

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