Pawel Kaczmarczyk: Piano-Jazz at its best

Pawel Kaczmarczyk
Pianist Pawel Kaczmarczyk und seine Mitstreiter. Foto: Label © DPA

Dass Polen schon lange eine große Jazz-Nation ist und beispielsweise viele herausragende Pianisten hervorgebracht hat, dürfte sich herumgesprochen haben. Mit einem hochspannenden neuen Album tritt nun Pawel Kaczmarczyk ins Rampenlicht.

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Der Titel seines Projekts geht noch etwas schwergängig über die Zunge: Pawel Kaczmarczyk Audiofeeling Trio & Mr. Krime. Dahinter stecken der Pianist, seine Begleiter Maciej Adamczyk (Kontrabass) und Dawid Fortuna (Schlagzeug) sowie Gast-DJ Wojciech Dlugosz, der für Turntables und Elektronik-Effekte zuständig ist. Wer nun eine krampfige Mixtur aus Tradition und Moderne befürchtet, täuscht sich. Beide Elemente greifen in den gut 70 Minuten von "Vars & Kaper deconstructiON" (Hevhetia/Edel) nämlich ganz wunderbar harmonisch ineinander.

Das liegt zunächst daran, dass Kaczmarczyk am Klavier ein Instrumentalist der polnischen Extraklasse eines Leszek Możdżer oder Marcin Wasilewski ist. Der 32-Jährige aus Krakau muss sich auch hinter offenkundigen amerikanischen und skandinavischen Vorbildern wie Brad Mehldau, Esbjörn Svensson oder Jan Lundgren nicht verstecken. Kaczmarczyk ist dabei kein selbstherrlicher "Tastenlöwe", sondern immer im Dienste des Songs, seines Spielmaterials unterwegs. Und das ist in diesem Fall ebenso brillant wie der Pianist und seine drei Mitstreiter.

Henryk Vars und Bronisław Kaper, deren Musik die Polen hier präsentieren, waren zwei Schlager- und Filmkomponisten des Nachbarlandes, die im vorigen Jahrhundert erst daheim, dann in Hollywood Karriere machten. Sie untermalten in den USA Filme wie "Lassie – Held auf vier Pfoten" und "Meuterei auf der Bounty" oder TV-Serien wie "Flipper" und "Daktari".

Kaczmarczyks "deconstructiON" ist nun eine so fantasie- wie respektvolle Hommage an die fast vergessenen Landsleute. In den oft elektronisch aufgeladenen und mit Film-Originaltönen durchsetzten Tracks erstrahlen zwölf prachtvolle Kompositionen von Vars und Kaper in ganz neuem Glanz - beispielsweise "Follow Me" ("Meuterei auf der Bounty"), "You Won’t Forget Me Now" oder "All God’s Chillun Got Rhythm" aus dem Marx-Brothers-Klassiker "A Day At The Races" von 1937.

Das Tempo wechselt zwischen rasend schnellen, virtuosen Pianoläufen, fast schon rockigen Rhythmen und ruhigen, traumhaft schönen Balladen - durchweg voller Anmut und Esprit. Spätestens mit diesem ambitionierten Album ist Pawel Kaczmarczyk in der ersten Liga des europäischen Piano-Jazz angelangt.


dpa
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