Paul Potts: "Du musst immer 100 Prozent geben"

Paul Potts: "Du musst immer 100 Prozent geben"
An Weihnachten steht Paul Potts in der Küche und kocht für seine Frau.

Potts: Deutschland ist meine zweite Heimat

Paul Potts hat es geschafft! Auch drei Jahre nach seinem legendären Sieg bei "Britain's Got Talent" verkaufen sich seine Platten wie geschnitten Brot. Warum der britische Tenor so gerne nach Deutschland kommt, was ihn mit "Shrek" verbindet und welche Tipps er für den Sieger von "Das Supertalent" hat, verriet er uns im Interview.

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Von Anja Blanuscha

In den internationalen Charts stehen Sie neben Künstlern wie Lady Gaga oder Madonna? Und manchmal stehen Sie auch auf derselben Bühne. Fühlen Sie sich als „Popstar“?

Paul Potts: Popstar ist schon irgendwie eine ungewöhnliche Bezeichnung für mich (muss lachen). Ich bin einfach sehr dankbar, dass ich das tun darf, was ich tue. Und es ist großartig, an so wundervollen Orten aufzutreten. So sehe ich zum Beispiel mehr und mehr von Deutschland. Ich liebe dieses Land, es ist wie eine zweite Heimat für mich.

Auf Ihrer neuen Platte „Cinema Paradiso“ singen Sie ja auch einen deutschen Song „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“. Wie haben Sie denn die Aussprache von Sätzen wie „Laß nicht die Tage verfließen, bald ist der Frühling dahin” geübt?

Potts: Ich hatte Deutsch als Fach in der Schule und ich habe versucht aus meinem Gedächtnis abzurufen, was ich vor 24 Jahren gelernt habe. Ich habe diesen Song ausgewählt, weil Deutschland einer meiner wichtigsten Märkte ist. Deutschland bereitet mir jedes Mal einen fantastischen Empfang, wenn ich hierher komme. Daher war es mir ein großes Anliegen, einen speziellen Song für Deutschland aufzunehmen.

Welches deutsche Wort fällt Ihnen besonders schwer auszusprechen?

Potts: Es gibt eine Menge Wörter, die schwer auszusprechen sind. Vor allem mit dem „Ü“ stehe ich auf Kriegsfuß und spreche es oft da aus, wo es gar nicht hingehört wie etwa bei „Blümen“ (meint natürlich Blumen).

Wenn Sie die Wahl hätten, in welche Filmrolle würden Sie gerne mal schlüpfen? Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages selbst in einem Film zu spielen?

Potts: Ich schätze, derjenige, dem ich wohl am ähnlichsten sehe, ist Shrek (lacht laut). Als Schauspieler sehe ich mich aber nicht.

Ob jung oder alt - jeder liebt sie und ihre Musik, auch wenn er vielleicht normalerweise nicht auf Klassik und Oper steht. Wie erklären Sie sich das „Phänomen Paul Potts“. Was glauben Sie, warum erreichen Sie mit Ihrer Musik so viele Menschen?

Potts: Ich finde, in der Musik sollte es keine streng voneinander getrennten Bereiche geben. Bei Musik geht es doch einfach darum, was sie in dir auslöst, wie du dich damit fühlst. Ich bin sehr glücklich, dass so viele verschiedene Leute meine Musik hören und mögen – das ist sehr wichtig. Keine Musikrichtung sollte als Randgruppe gelten. Es ist schade, wenn Menschen pauschal sagen: „Ich höre diese Art von Musik nicht.“ Ich stecke mich selber in keine Schublade und bin froh, dass zu meinen Konzerten sowohl Kinder, als auch Großeltern kommen.

Sie haben ja auch schon mal für die Queen gesungen. Wie war das? Konnten Sie an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, ob es ihr gefällt?

Potts: Das war wirklich ganz schön Nerven aufreibend. Nachdem ich mich beruhigt hatte, habe ich es aber genossen. Und sie hat gesagt, dass es ihr gefallen habe. Es war wirklich eine sehr große Ehre für die Queen zu singen.

"Lass dich nicht verbiegen!"

Seit Sie in England „Das Supertalent“ gewonnen haben, erkennt sie auf der Straße jeder. Wie würden Sie einen Tag verbringen, an dem Sie wieder eine ganz „normale“ Person wären?

Potts: Ich finde mich selbst eigentlich total normal. Meine Frau findet mich allerdings alles andere als „normal“, sondern bezeichnet mich manchmal als „seltsam“. Aber so ist das im Leben. Es ist einfach ein großes Glück, dass ich das machen darf, was ich liebe. Und ich freue mich, viele Menschen zu treffen. Ich würde dem gar nicht mehr entfliehen wollen.

Sie leben also Ihren Traum.

Potts: Absolut.

Haben Sie sich diesen Traum genau so vorgestellt?

Potts: Ich habe nicht damit gerechnet, über die erste Runde bei „Britain’s Got Talent“ hinauszukommen – ich hatte noch nicht einmal damit gerechnet, überhaupt vorsingen zu dürfen! Es ist wirklich unglaublich, so weit gekommen zu sein und ich bin den Menschen, die für mich gestimmt haben, unendlich dankbar. Genau wie den Menschen, die mich danach unterstützt haben auf meinem Weg, die mir anschließend zu der Karriere verholfen haben, die ich so liebe.

Bei „Das Supertalent“ kämpfen viele Kandidaten um ihren Traum. Welchen Tipp geben Sie dem Gewinner?

Potts: Man darf nicht annehmen, dass alle Dinge so passieren wie man sich das vorstellt. Man sollte nicht dem Trugschluss unterliegen, dass sich einem automatisch jede Tür öffnet, nur weil man eine Show gewonnen hat. Wer glaubt, er müsse danach nicht weiter für den Erfolg arbeiten, täuscht sich. Man muss immer 100 Prozent geben und jeder Tag birgt neue Überraschungen.

Wie kommt man mit dem plötzlichen Erfolg klar? Wie bleibt man auf dem Teppich?

Potts: Nimm es wie es kommt. Bleib wer du bist und lass dich nicht verbiegen.

Auf welche Ihrer Talente sind Sie außerdem stolz?

Potts: Ich koche sehr gern. Und ich bin ein ganz ordentlicher Fotograf. Ich fotografiere vor allem szenische Motive. Den Rhein mit dem Kölner Dom im Hintergrund habe ich schon ziemlich oft fotografiert, genau wie viele andere Plätze in Deutschland.

Welche Platte würden Sie bei einem romantischen Candle-Light-Dinner einlegen?

Potts: Hm. Schwierig. Das Dinner würde natürlich mit meiner Frau stattfinden. Daher würde ich etwas auswählen, das sie mag, wahrscheinlich etwas sanftes. Vermutlich würde ich einfach meinen MP3-Player auf zufällige Wiedergabe einstellen und schauen, was passiert (schmunzelt).

Drei Dinge, die Sie in Ihrem Leben nicht mehr missen möchten?

Potts: Meine Stimme, meine Frau und mich.

Vielen Dank für das Interview.

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