Patrice meldet sich mit neuem 'Swaggae'-Sound zurück

Patrice meldet sich mit neuem 'Swaggae'-Sound zurück
Patrice kehrt zu seinen Reggae-Wurzeln zurück

"Ich war dem Tod schon oft sehr nahe"

Mit seinem sechsten Album 'Rising of the Son' (ab 30. August 2013 im Handel) kehrt Patrice musikalisch wieder zu den Anfängen seiner Karriere als Reggae-Künstler zurück. Dabei lenkt er das Ganze aber auch in eine neue Richtung und beschreibt diesen Sound als 'Swaggae'. Warum er sich eine lange Zeit gegen Reggae gewehrt hat und was nicht einmal eingefleischte Fans von ihm wussten, erzählt Patrice uns im exklusiven Interview.

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Von Mariana Jang

Dein letztes Album 'One' hast du vor drei Jahren herausgebracht. Was hast du in der Zwischenzeit so getrieben, außer an deinem neuen Album zu arbeiten?

Patrice: Ich bin viel gereist. Durch meine Tätigkeit als Musiker komme ich viel rum. Ich war auf den Azoren, in Sierra Leone, Portugal, Osteuropa, Jamaika, New York, Bali und London.

Warst du privat oder beruflich unterwegs?

Patrice: Das ist bei mir nicht richtig trennbar. Ich schreibe viel, auch wenn ich Urlaub mache. Das ist dann aber für mich nicht Arbeit, weil ich das sehr gerne mache.

Inwiefern unterscheidet sich dein neues Album 'Rising of the Son' von deinen bisherigen Platten?

Patrice: Ich habe eigentlich zu jedem Album versucht, etwas Neues zu machen. Diesmal habe ich mich nicht so stark gegen Reggae gewehrt wie sonst. Nach meinem ersten Album wurde ich in diese Reggae-Schublade gesteckt, obwohl ich mich da gar nicht so sah. Da ging gerade dieser Reggae-Hype los, aber ich habe immer versucht, jenseits des Hypes zu sein. Eigentlich hätte ich nach meinem ersten Album nur noch Reggae machen müssen, um komplett abzuräumen, aber das wollte ich nicht. Danach habe ich erstmal ein Soul-Album gemacht.

Du hast den Leuten also immer das gegeben, womit sie am wenigsten gerechnet haben.

Patrice: Ja, und aus heutiger Sicht war das echt gut so, weil ich mir dadurch eine Art Erwartungsfreiheit erkämpft habe. Es gibt kein Patrice-Klischee in dem Sinne. Da der Reggae-Hype jetzt so ein bisschen abgeklungen ist, dachte ich mir, kann ich das wieder machen. Ich wollte dabei natürlich etwas Progressives machen und zeigen, dass Reggae sich auch weiterentwickeln muss und dieser Impuls dafür auch aus Europa kommen kann, mit interessanten neuen Sounds.

Es ist also kein reines Reggae-Album.

Patrice: Nein, nicht ganz. Es hat auf jeden Fall dort seine Wurzeln, aber es gibt Stücke drauf, die nichts damit zu tun haben. Man wird mich zwar wieder in diese Reggae Schublade stecken, aber das ändert nichts daran, was es ist. Ich nenne die Musik 'Swaggae'. (Mischung aus 'Swag' und 'Reggae')

Auf deiner Platte geht es unter anderem um die Wiedergeburt. Wie bist du zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung gekommen?

Patrice: Durch meine Geburt. Ich wurde an dem Tag geboren, an dem mein Großvater gestorben ist. Das war für meine Familie schon ein Omen. Mir wurde der Name Babatunde gegeben, was die Wiedergeburt des Vaters bedeutet und dadurch war das immer ein Thema.

Bist du ein religiöser Mensch? Gehörst du einer bestimmten Religion an?

Patrice: Ja, für mich ist Kunst meine Religion. Schöpfung heißt Kreation und man muss versuchen, es dem Schöpfer gleich zu tun. Ich war zwar Messdiener und wurde sehr christlich erzogen, aber vom Papst und von der Kirche stand nichts in der Bibel. Es ist eher eine Kulturerscheinung. Aber solange es für die Menschen funktioniert und sie dadurch bessere Menschen werden, ist es mir egal, woran sie glauben. Aber bei mir geht es eher in die Richtung von Nietzsche und 'Zarathustra'.

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Patrice: "Ich habe meinen Vater tot gesehen"

Patrice meldet sich mit neuem Album zurück
Redakteurin Mariana Jang traf Patrice zum Interview

Wie stellst du dir deine eigene Wiedergeburt vor?

Patrice: Mein Album 'Rising of the Son' spielt genau darauf an. Jeder Tag ist eine Möglichkeit sich neu zu definieren. Man muss einfach versuchen, im Jetzt zu leben und sich sagen: Ich kann alles sein, was ich will. Auf diese Weise kann man sich selbst immer wieder gebären. Man muss sich immer wieder selbst herausfordern. Ich glaube, dass Routine der Tod ist. Man muss seine Verhaltensmuster durchbrechen und seine 'Comfort Zone' verlassen, weil da nichts mehr passiert. Deshalb gehen auch Leute auf eine Achterbahn. Sie wollen eine Close-to-Death-Experience, um sich wieder lebendig zu fühlen. Sowas müsste man auch im echten Leben machen. Man ist dem Tod immer sehr nahe, besonders wenn man mal in Sierra Leone war.

Hattest du schon mal ein Nahtoderlebnis?

Patrice: Ja, sogar diverse. Ich wurde schon früh mit dem Tod konfrontiert. Ich habe meinen Vater tot gesehen. Ich erinnere mich, dass ich als Elfjähriger in einem Segelboot den Bodensee überqueren wollte. Dabei bin ich in einen Sturm geraten und das Wasser war so eiskalt, dass ich nicht hätte drin schwimmen können. Ich habe geschrien, geflucht und gebetet. Ich dachte, ich überlebe das nicht. Dann kam der Wind von allen Richtungen und die Segelstange knockte mich aus, so dass ich kurz einen Blackout hatte. Irgendwann sah ich einen Punkt am Horizont und ein Motorboot hat mich an Land gezogen. Eine Sache habe ich mir danach geschworen: Wenn ich hier lebend rauskomme, werde ich jeden Tag beten!

Das Video zu deiner neuen Single 'Cry Cry Cry' hast du selbst gedreht. Dabei bist du mit der Kamera auf einem Skateboard einem kleinen Mädchen hinterhergefahren. Wie kam es zu dieser Idee?

Patrice: Das Video habe ich mit meiner Tochter Billie-Eve in Paris gedreht. Ich gucke mir Filme und Videos an und überlege, ob sie zu meinen Songs passen. Bei dem Film 'The Shining' gab es eine Szene mit einem Jungen, der auf einem Dreirad fährt. Als ich mir dazu 'Cry Cry Cry' angehört habe, dachte ich: Krass, das funktioniert!

Wusste deine Tochter denn, dass du in dem Moment ein Musikvideo drehst?

Patrice: Nein, ich bin ihr einfach gefolgt. Wir haben das in fünf Minuten gedreht. Mir war die Perspektive ganz wichtig. Das Kind sieht ja nur die Beine von den Menschen, sozusagen die Welt unterhalb der Gürtellinie. Da ist so ein großer Kontrast zwischen dem unschuldigen Kind und dieser krassen Stadt.

Haben deine Kinder dein musikalisches Talent geerbt?

Patrice: Ja, auf jeden Fall. Die Mutter ist ja auch Musikerin.

Glaubst du, sie steigen auch irgendwann in die Musikbranche ein oder haben die da noch gar keine Ambitionen?

Patrice: Doch, aber das ist ihnen selbst überlassen. Mein Sohn kann schon richtig gut Schlagzeug spielen und singen. Aber das Ding ist: Ich musste für all das kämpfen, ich musste für meine erste Gitarre kämpfen. Ich musste etwas beweisen, während mein Sohn mit den krassesten Schlagzeugern spielen kann und die Instrumente direkt vor der Nase hat. Er wird rein technisch einmal viel besser sein als ich. Aber was ich bei vielen Kindern von Sängern sehe, ist, dass sie keine Ideen haben und keine guten Songs schreiben, weil sie einfach nicht dafür kämpfen mussten.

Letzte Frage: Gibt es eine Info oder eine Geschichte über dich, wo sogar eingefleischte Fans sagen würden: Das hätt ich jetzt aber nicht von Patrice gedacht!

Patrice: Sehr viele… (überlegt) Ich habe ja ein sehr nettes Image, aber ich bin von vielen Schulen geflogen. In meiner Zeit auf dem Internat habe ich einmal ein Bett angezündet. Es war ein Schloss, wo man nicht einmal Kerzen anzünden durfte. Ich hatte zu der Zeit so einen krassen Jackass-Humor.

Das war dann wahrscheinlich auch dein letzter Tag auf dem Internat.

Patrice: Nicht der letzte, aber auf jeden Fall der Ausschlag (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch!

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