Orgasmus vom Gewitter: Rachel Weisz in "Brothers Bloom"

3 von 5 Punkten

Orgasmus vom Gewitter: Rachel Weisz in "Brothers Bloom"

Von Mihaela Gladovic

Was hat man als Regisseur falsch gemacht, wenn man mit wunderbaren Schauspielern wie Mark Ruffalo (‚Zodiac‘), Rinko Kikuchi (‚Babel‘) und den Oscarpreisträgern Rachel Weisz (‚Die Mumie‘, ‚Der ewige Gärtner‘) und Adrien Brody (‚Darjeeling Limited‘, ‚Der Pianist‘), einer witzigen Story und attraktiven Bildern das Publikum doch nicht zufrieden stellt? Trotz all dieser Zutaten und eines wunderbar bizarren Humos flackert der kuriose Film leider auf halber Flamme vor sich her.

Das mag einerseits an dem teilweise lauen Drehbuch liegen, andererseits an dem nicht ganz so sauberen Timing des Films. Dass Regisseur Rian Johnson das eigentlich besser kann, hatte er doch schon 2005 mit seinem Debüt „Brick“ bewiesen. Doch bei seiner zweiten Regiearbeit bleibt der Nachwuchs-Regisseur trotz des großen Staraufgebots hinter den Erwartungen zurück. Dabei hatte es doch so schön angefangen:

Mit großartigen Bildern und Schnitten wird der Zuschauer eingeführt in das Kinderleben der beiden Waisen Stephen und Bloom, die von einer Familie zur nächsten geschickt werden, weil sie überall nur Unsinn treiben und auch nirgendwo wirkliche Freunde finden. Das ist allerdings auch kein Wunder, schließlich heckt Stephen ständig Szenarien aus, in denen die Brüder als Trickbetrüger die Hauptrolle spielen. Das allein wäre noch keine Kunst, wenn die Brüder diese Szenarien nicht tatsächlich in die Tat umsetzten. Doch schon seit dem ersten Lausebengel-Coup leidet der drei Jahre jüngere Bloom unter den Ideen seines großen Bruders. Denn er ist der Dumme, als er andere Kinder um ihr Taschengeld bringt und damit seine erste Liebe bitterlich enttäuscht.

Cut! Inzwischen sind die beiden Gauner in ihren Dreißigern und mittlerweile Vollblutprofis der Betrügerei. Bloom (nun gespielt von Adrien Brody) ist immer noch professioneller Hochstapler, obwohl er sich viel lieber irgendwo in Montenegro bis über beide Ohren verlieben und glücklich bis ans Ende seiner Tage leben würde, ohne dass sein großer Bruder ihm dafür das Drehbuch schreiben muss.

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Orgasmus vom Gewitter: Rachel Weisz in "Brothers Bloom"

Stephen (Mark Ruffalo) hingegen sieht in all dem natürlich überhaupt kein Problem und will, anders als sein Bruder, die Trickbetrügerei keineswegs an den Nagel hängen. Er schlägt Bloom also den Deal vor, sich auf das letzte große Abenteuer zu begeben. Ein betrügerisches Millionengeschäft, bei dem jeder bekommt, was er will. Das perfekt inszenierte Verbrechen also.

Und weil das die einzige Möglichkeit für Bloom ist, sich seinen Bruder vom Hals zu schaffen, tut er ihm den Gefallen und schmeißt sich nach den Regieanweisungen seines Bruders seinem neuesten Opfer Penélope (Rachel Weisz) vors Auto. Das Spiel beginnt. Weil die 30-Jährige aber wegen einer ärztlichen Fehldiagnose ihr ganzes Leben lang in ihrer protzigen Villa verbringen musste, ist sie auf charmante Weise so durchgeknallt, dass sich einer der beiden Helden Hals über Kopf in sie verliebt. Kein Wunder, denn Rachel Weisz spielt ihre Rolle so zuckersüß und herrlich verrückt, dass man fast nicht anders kann.

Wie soll Bloom der Frau klarmachen, dass alles nur eingefädelt war? Rian Johnson gewinnt der klassischen Storykonstruktion sogar ein paar witzige und intelligente Wendungen ab. „Wer führt hier eigentlich wen hinters Licht?“ ist dabei die zentrale Frage, die man sich im Verlaufe des Films häufig stellt.

Obwohl dabei sämtliche Akteure – allen voran die Hauptdarsteller –präzise und facettenreiches spielen (man verliebt sich nicht nur in Rachel Weisz, sondern in jeden einzelnen von ihnen) wird der Zuschauer vor allem im Mittelteil nicht immer ganz bei der Stange gehalten. Neben der ausgeklügelten Story, den schön schrägen Figuren und ihrer frechen Dialoge kommt die Action leider etwas zu kurz. Und manchmal wird es gar langatmig und etwas albern.

Wenigstens tritt Rian Johnson am Ende nochmal ordentlich auf die Tube, so dass die bonbonbunte, unkonventionelle Version von „Ocean‘s Eleven“ zum Schluss wieder an Fahrt gewinnt. Allerdings ist der Film wahrscheinlich nur für Fans der Hauptdarsteller ein wirklicher Genuss. Denen wird es gefallen, dass die vollkommen unerfahrene Penélope plötzlich einen Orgasmus von einem Gewitter bekommt, Mark Ruffalo das liebenswerte Arschloch heraushängen lässt, Rinko Kikuchi gar nichts sagt, aber trotzdem verdammt cool ist und Adrien Brody mit seinem Hundeblick den verletzlichen kleinen Bruder mimt, der keine Lust mehr auf Spielen hat. Alle anderen fragen sich: Was hat der Regisseur eigentlich falsch gemacht?

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