Olivia Jones hatte mit vielen Anfeindungen zu kämpfen

Olivia Jones hatte mit vielen Anfeindungen zu kämpfen
Olivia Jones ist aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. © ddp images

Auch heute noch wird der Begriff "schwul" oft als Schimpfwort verwendet - auch in Kindergärten und Grundschulen. Olivia Jones (45) will sich damit nicht abfinden und präsentiert nun ihr erstes Kinderbuch "Keine Angst in Andersrum" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 56 Seiten, 9,99 Euro), das den Kleinen anschaulich darstellt, dass es noch andere Beziehungsmodelle als Mann und Frau gibt. Wie sie auf die Idee gekommen ist und mit welchen Anfeindungen die Kiez-Größe selbst zu kämpfen hat, erzählt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

- Anzeige -

Kinderbuch der Drag Queen

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Kinderbuch über das "Anderssein" zu schreiben?

Olivia Jones: Die Gesellschaft ist auch heute noch in vielen Teilen sehr intolerant. Selbst in Großstädten gibt es immer noch Gewalt gegen Schwule. Außerdem nehmen sich immer noch mehr homosexuelle Jugendliche das Leben als heterosexuelle. Ich finde es war höchste Zeit, dieses Buch zu schreiben. Gerade bei Kindern kann man super ansetzen. Das Rollenverhalten wird ja bereits im Kindergarten durch Mutter-Vater-Kind-Spiele und ähnliches geprägt.

Wie lange hat es schließlich von der Idee bis zur Umsetzung gedauert?

Jones: Ungefähr ein Jahr. Das größte Problem war, einen Verlag zu finden. Viele hatten Angst um ihre konservative Klientel. Das hat mich doch sehr erschrocken. Ich hätte gedacht, dass es in unserer heutigen Zeit einfacher wäre. Doch es gab viele furchtbare Berührungsängste. Einige sind durchaus nachvollziehbar, da viele der Meinung waren, dass es in dem Buch um Sex gehe. Aber es geht ganz einfach um Liebe und Vielfalt.

Wann haben Sie selbst gemerkt, dass sie "andersrum" sind?

Jones: Ich habe das schon sehr früh gemerkt, wollte es aber nicht wahrhaben. Ich stand mit dem Thema Homosexualität auch ziemlich alleine da, es wurde schließlich nirgends thematisiert - weder im Kindergarten noch in der Schule. Ich dachte damals, dass es irgendetwas Negatives ist und habe versucht, dagegen anzusteuern.

Wann haben Sie aufgehört, dagegenzusteuern?

Jones: Das war ungefähr mit 17 Jahren. Da habe ich mir gedacht, dass man mit Ehrlichkeit weiterkommt und zu sich selbst stehen sollte.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?

Jones: Unterschiedlich. Erstmal gab es natürlich viele Anfeindungen, da ich auch vom Aussehen her ziemlich extrem war. Ich wurde von Nazis verfolgt, mit denen es auch zu Schlägereien gekommen ist. Meine Familie war natürlich auch nicht besonders begeistert. Sie waren ein bisschen überfordert, was natürlich schade ist, wenn man gerade als junger Mensch versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn man zu sich selber finden will und dann so viel Gegenwind bekommt, ist das schon sehr hart. Ich bin Gott sei Dank sehr stark, aber ich weiß, dass andere daran zerbrochen wären.

Werden Sie heute auch noch angefeindet?

Jones: Ja, Anfeindungen gibt es immer noch. Selbst bei meinen Kiezführungen ist immer mal wieder jemand dabei, der irgendeinen blöden Spruch reißt. Und natürlich passiert auch vieles über das Internet. Nichtsdestotrotz hat sich die Gesellschaft zum Positiven entwickelt, es ist normaler geworden. Wenn allerdings ein Outing wie von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zu einem Riesenskandal aufgebauscht wird, wundert mich das dann doch wieder. Da fühlt man sich plötzlich wieder wie im Mittelalter.

Hätten Sie jemals gedacht, dass Sie so erfolgreich werden würden?

Jones: Niemals, ich hatte ja wenig Unterstützung von außen. Ich habe mich als One-Man-Show durchbeißen müssen. Und im künstlerischen Bereich ist das alles andere als einfach. Ich musste mir alles selbst beibringen. Aber deswegen bin ich heutzutage umso stolzer. Ich finde es wichtig, den Kindern auch weiterzugeben, dass sie ihrem Herzen folgen sollen. Es hätte ja auch bei mir sein können, dass es nicht funktioniert. Aber wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte, wäre ich wahrscheinlich totunglücklich geworden.

Wie lange brauchen Sie, um sich in Olivia Jones zu verwandeln?

Jones: Eine gute Stunde ungefähr. Das ist ja schon sehr routiniert mittlerweile.

Haben Sie da jedes Mal einen Make-up-Artisten an der Hand?

Jones: Nein, ich mache das selbst. Einiges habe ich mir beibringen lassen, doch das meiste habe ich selbst erlernt.

Nachdem Sie nun ein Kinderbuch auf dem Markt bringen, hätten Sie selbst gerne auch Kinder?

Jones: Ich hätte sehr gerne Kinder. Aber erstens habe ich keinen festen Partner und zweitens bin ich durch die Olivia-Jones-Familie ziemlich beschäftigt. Ich habe aber sehr viel Kontakt mit Kindern. Kinder finden mich super, vor allem die jungen Mädels, weil ich sie ein bisschen an die "Sesamstraße" erinnere. Natürlich durchschauen mich die Kinder sofort. "Mama, Mama das ist ja überhaupt keine Frau", heißt es dann oft und dann sage ich wiederum: "Ich mache das, weil es mir Spaß macht und ich es lustig finde. Ihr verkleidet euch ja auch gerne." Und dann ist das Thema auch schon wieder gegessen.

Bei Ihrem bewegten Leben würde sich auch eine Biografie anbieten...

Jones: Das hatte ich schon überlegt, genügend Stoff wäre vorhanden. Aber mir ist dieses Kinderbuch einfach wichtiger. Weil ich so helfen kann, die Gesellschaft vielleicht ein bisschen toleranter zu machen.

— ANZEIGE —