'Old Dogs': Alternde Stars und müde Lacher

Robin Williams und John Travolta lassen sich von zwei Kids an der Nase herumführen

'Old Dogs': Alternde Stars und müde Lacher
© Ron Phillips

Was kommt dabei heraus, wenn man zwei gealterte Hollywood-Ikonen der 80er und 90er Jahre mit einer gehörigen Portion Sentimentalität und jeder Menge schlechtem Humor paart? Genau: Eine Komödie, bei der man sich als Zuschauer mehr als nur einmal fremdschämen muss. Regisseur Walt Becker war da offensichtlich anderer Meinung und holte sich für „Old Dogs – Daddy or Deal“ John Travolta und Robin Williams ins Boot.

Zur Story: Dan (Robin Williams) und Charlie (John Travolta) sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Nachdem sie früher schon gemeinsam die Schulbank drückten, leiten sie heute zusammen eine florierende Sport-Marketing-Agentur. Kurz vor dem absoluten Durchbruch – einem wichtigen Deal mit einflussreichen Japanern – wird Dan jedoch durch eine Nachricht völlig aus der Bahn geworfen. Ohne Vorwarnung taucht nämlich Vicky (ganz nett: Kelly Preston) auf, mit der er vor sieben Jahren mal eine heiße Nacht in Miami verbracht hat. Mit ungeahnten Folgen: Er ist Vater der Zwillinge Emily (süß: Ella Bleu Travolta) und Zach (Conner Rayburn). Da seine Verflossene für zwei Wochen ins Gefängnis muss und er versehentlich dafür sorgt, dass Babysitterin Jenna (Rita Wilson) ins Krankenhaus eingeliefert wird, bleibt nur noch einer, der als (Ersatz-) Daddy einspringen kann: Dan höchstpersönlich.

Nachdem er sich vom ersten Schock erholt hat, nimmt er die Herausforderung an. Ein gestandener Geschäftsmann wie er wird ja wohl mit zwei Siebenjährigen fertig werden … Dumm nur, dass die Kids ihren Daddy für eine Art Superheld halten, dieser allerdings absolut keine Ahnung davon hat, wie man mit Kindern umgeht. Da kommt ‚Onkel’ Charlie ins Spiel: Der wird das Kind schon schaukeln. Oder?

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Flache Witze, schmalzige Familiengeschichte und vorhersehbare Story

Das Ende vom Lied: Die Möchtegern-Daddys stolpern mit den Kids in eine bescheuerte Situation nach der anderen und machen sich dabei mehr als nur einmal zum Affen. Als der millionenschwere Deal mit den Japanern dann endlich geglückt ist, steht Dan vor einer schweren Entscheidung: Geht er für seine Karriere nach Tokio oder bleibt er bei seiner Familie? Dreimal dürfen Sie raten, wofür er sich entscheidet ...

Flache Witze stellen offenbar das Hauptverkaufsargument des Films dar: Ob Assistent Craig (Seth Green) im Zoo von einem verliebten Gorilla in den Armen gewiegt wird oder die beiden Workaholics Dan und Charlie sich von Drill-Instructor Barry (Matt Dillon) im Pfadfinderlager wie zwei Schuljungs rund machen lassen. Auch nicht besonders originell: Beim Spielen vertauschen die Zwillinge versehentlich Dans und Charlies Medikamente. Dass die beiden Herren dann nach der Eingabe falscher Pillen völlig high durch die Gegend taumeln und Golfbälle zwischen die Beine von Geschäftskumpels schießen oder das Date mit der Traumfrau vermasseln, ist so was von vorhersehbar. Gähn!

Robin Williams erinnert als Dan stark an seine Rolle als Mrs. Doubtfire, in der er sich als Nanny verkleidet, nur um seinen Kindern nahe zu sein. Während das vielleicht noch ganz rührend war, kann man seine sentimentale Seite in „Old Dogs“ kaum ertragen. John Travolta setzt als grimassenschneidender Macho, der alles anbaggert, das nicht bei drei auf dem Baum ist, noch einen oben drauf. Geht gar nicht! Außerdem nutzt er den Film dafür, seine Familie gleich mit zu vermarkten: Ehefrau Kelly Preston spielt Vicky und Töchterchen Ella Bleu gibt in der Rolle der Emily ihr Kinodebüt. Bleibt nur die Frage, wieso John Travolta sich selber lieber als Möchtegern-Playboy in Szene setzt, als an der Seite von Gattin und Spross einen auf Familienidylle zu machen.

Fazit: Die Story des Films ist alles andere als neu. Es gibt keine Witze, die man nicht schon mal irgendwo gesehen hat, die schmalzige Familiengeschichte nervt und die beiden Hauptdarsteller zeigen hier nicht gerade eine schauspielerische Meisterleistung. Und auch wenn Regisseur Walt Becker erklärte, „noch nie so laut gelacht“ zu haben, als er ein Drehbuch gelesen habe: Falls man nicht gerade Hardcore-Fan von Travolta oder Williams ist oder aber erst zehn Jahre alt, kann man sich diese 88 Minuten getrost schenken.

Von Maike Nagelschmitz

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