Öde Schlachtplatte: 'Saw VI'

Saw 6: Nichts für schwache Nerven

Öde Schlachtplatte: 'Saw VI'
© Steve Wilkie

Dass gute Filme nicht immer viel Geld kosten müssen, zeigte ‚Saw’ den überraschten Kinozuschauern 2004: Mit gerade einmal 1,2 Millionen US-Dollar Budget spielte der zwar genretypische, aber intelligent gemachte Metzel-Thriller weltweit satte 102 Millionen ein und avancierte aus dem Nichts zum Kulthit. Wenn die Kasse klingelt, dann lassen Fortsetzungen meist nicht lange auf sich warten. So auch bei Saw.

Mittlerweile ist das jährliche Update des Splatter-Festivals in Hollywood fast schon zum Ritual geworden, und so geht die Schlachtplatte 2009 bereits in die sechste Runde. Doch während die Teile zwei bis fünf bisher in den Vereinigten Staaten an den Startwochenenden die 30-Millionen-Dollar-Marke knackten, spielte ‚Saw VI’ mit gerade einmal 14 Millionen nicht einmal halb soviel wie die Vorgänger ein. Hat sich das Konzept des Sägenmarathons langsam abgenutzt?

Auch wenn der Film finanziell nicht so erfolgreich ist wie seine Vorgänger, hat sich zumindest inhaltlich rein gar nichts geändert: Es darf munter weiter gesägt, gemordet und verstümmelt werden. Regisseur Kevin Greutert, der in Teil eins bis fünf noch für den Schnitt verantwortlich war, zeigt in ‚Saw 6’ gleich zu Beginn, dass Kinozuschauer mit schwachen Mägen hier fehl am Platze sind. In der Eröffnungssequenz müssen zwei unglückliche Kredithaie möglichst viel Fleisch aus dem eigenen Körper schneiden und auf eine Waage werfen. Wer verliert, dem schraubt eine auf dem Kopf befestigte Apparatur einen Bohrer ins Gehirn. Auch anschließend geht es nicht gerade zimperlich zu...

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Saw-Fans kommen sicherlich auf ihre Kosten

Öde Schlachtplatte: 'Saw VI'
© Steve Wilkie

Im Zentrum von ‚Saw VI’ steht diesmal William (Peter Outerbridge), skrupelloser Direktor einer Krankenversicherung. In einer Stunde muss das arme Würstchen vier äußerst menschenverachtende Aufgaben in einem verlassenen Zoo lösen, sonst zünden vier an seinen Armen und Beinen befestigte Sprengsätze. Im Vergleich zu den bisherigen Teilen ist der muntere Folter-Spießroutenlauf dieses Mal fast noch harmlos ausgefallen. Auf seinem Weg durch den teuflischen Parcours trifft William unter anderem auf ein Todeskarussell mit Selbstschussvorrichtung und ein teuflisches Labyrinth mit kochend heißem Wasserdampf. Das wirklich Makabere ist, dass in den fiesen Vorrichtungen größtenteils Williams Mitarbeiter sitzen und er zum Herr über Leben und Tod wird.

Während der Krankenkassendirektor sich noch durch den Zoo quält, ist Jigsaws Nachfolger Detective Hoffman (Costas Mandylor) immer noch nicht enttarnt und kann zunächst sein blutiges Werk fortsetzen. Das FBI kommt ihm allerdings bei der Analyse eines Tonbandes langsam auf die Schliche. In diversen Rückblenden erfährt man außerdem, dass der todkranke und bereits in Teil drei verstorbene Serienkiller Jigsaw alias John Kramer (Tobin Bell) mit seinem Antrag auf finanzielle Unterstützung bei William abblitzte. Abseits davon, ob man nun die menschenverachtenden Foltermethoden als sinnvolle Bestrafung für Williams Verhalten ansieht, erfährt man durch diese Rückblenden zumindest noch, warum gerade der Direktor der Krankenversicherung als nächstes Opfer ausgesucht wurde. Das war es dann aber auch schon mit den gut eingesetzten Rückblenden.

Wurden im ersten Teil des Horror-Franchises noch geschickt zwei Erzählstränge miteinander verknüpft, ist die Handlung im Laufe der einzelnen Teile durch Ergänzungen, Rückblenden und plötzliche Wendungen dermaßen auf den Kopf gestellt worden, dass die Jagd nach dem Killer mittlerweile nur noch hanebüchen wirkt. Zwar werden vorangegangene Geschichten und Figuren wieder in die Story integriert, dies führt aber auch dazu, dass man kaum eine Chance hat, die Handlung logisch nachzuvollziehen, wenn man die letzten beiden Teile ausgelassen hat. Fans der Reihe werden sicherlich auch dieses Mal auf ihre Kosten kommen, wer sich aber ohne konstruiert wirkendes Drumherum einfach nur gruseln möchte, der ist mit dem Low-Budget-Streifen ‚Paranormal Activity’ sicher besser bedient.

Von Timo Steinhaus

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