'Oblivion'-Filmkritik: Einmal bitte die Welt retten, Herr Cruise!

Tom Cruise in 'Oblivion'

Von Michaela Sabine Berg

3,5 von 5 Punkten

Das ist also der Film, der Katie Holmes die lang geplante Trennung von Tom Cruise möglicherweise erleichtert hat. Denn als sie die Scheidung einreichte, befand sich Tom weit weg auf Island bei den Dreharbeiten für 'Oblivion'. Auch wenn der Superstar sein Privatleben zu diesem Zeitpunkt mal nicht unter absoluter Kontrolle hatte - in 'Oblivion' liefert Tom Cruise wie immer in gekonnter Action-Manier ab. Und das muss er auch: Denn das Schicksal der Menschheit liegt - mal wieder - in seinen Händen.

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Joseph Kosinskis actiongelandene Endzeit-Saga ist Tom Cruise' erster Science-Fiction-Film seit 'Krieg der Welten'. Kosinski (Regisseur bei 'Tron: Legacy' sowie Produzent bei 'Planet der Affen: Prevolution') lieferte mit einer zwölfseitigen Kurzgeschichte und dem darauf basierenden Comic-Roman gleichzeitig die Vorlage für 'Oblivion'. Die Handlung spielt im Jahr 2077 - sechs Jahrzehnte, nachdem die Erde von Aliens angegriffen und im darauffolgenden Krieg fast vollkommen zerstört wurde. Die Überlebenden wurden evakuiert und leben auf dem Titan, einem Mond des Saturn. Jack Harper (Tom Cruise) ist einer der letzten Menschen, die auf der Erde stationiert sind. Als Spezial-Techniker und Drohnen-Monteur sichert er den Abbau von lebenswichtigen Ressourcen. In zwei Wochen ist seine Mission beendet und er darf zusammen mit seiner Kollegin Victoria (Andrea Riseborough) auf den Titan übersiedeln. Doch dann kommt alles anders: Bei einem seiner Kontrollflüge entdeckt Jack in einem abgestürzten Raumschiff eine wunderschöne Frau (Olga Kurylenko) und rettet ihr das Leben. Diese Begegnung verändert sein Leben schlagartig und plötzlich muss er alles in Frage stellen, was er zu wissen glaubte.

Tom Cruise und Olga Kurylenko in 'Oblivion' Olga Kurylenko verdreht Tom Cruise als schöne Julia den Kopf.

Wenige Überraschungen - aber einige offene Fragen

Joseph Kosinski zeigt dem Zuschauer eine beeindruckende Bildlandschaft. Inmitten einer schier endlosen Einöde begegnet das Publikum Resten von der zerstörten Welt: Wolkenkratzer wie das Empire State Building, zerstörte New Yorker Brücken oder die Überbleibsel eines Football-Stadions verschmelzen perfekt und gestochen scharf (dank neuer Digital-4K-Auflösung) mit den US-amerikanischen und isländischen Originalschauplätzen. Auch die visuellen Effekte fügen sich nahtlos in die Live-Action ein.

Den wenigen Figuren, die im Mittelpunkt von 'Oblivion' stehen, fehlt es dagegen leider an Vielschichtigkeit - sie wirken stellenweise etwas stereotyp: Es gibt den Rebellen-Anführer (Morgan Freeman - leider ist seine Präsenzzeit verhältnismäßig kurz), die schöne Fremde (Olga Kurylenko macht als Julia zwar eine gute Figur, wirkt aber teilweise etwas blass), die geradlinige Strategin Victoria (schön zu sehen, wie Andrea Riseborough es schafft, ihrer obrigkeitshörigen Figur Emotionalität zu verleihen) und den Helden, der nach seinem Platz im Universum sucht (Tom Cruise wie immer sicher in seiner Darstellung des Action-Helden). Das ist alles soweit schön und gut - aber nicht oscarverdächtig.

Im Prolog führt Regisseur Kosinski den Zuschauer zunächst gut in die komplexe Handlung von 'Oblivion' ein. Die folgende achronologische Erzählung gelingt zwar über weite Teile des Films, so werden die Rückblenden passend in den Verlauf integriert und erzielen meist den gewünschten 'Aha'-Effekt beim Zuschauer. Trotzdem bleiben zum Schluss aber einige Fragen offen, was manch einen Zuschauer sicher unbefriedigt zurücklässt.

Insgesamt sind die wirklich überraschenden Handlungselemente in 'Oblivion' dünn gesät - denn viele der Motive kennt man bereits aus anderen Science-Fiction-Filmen. Von einem leicht kitschigen Einschlag bleibt das Publikum stellenweise auch nicht verschont. Fazit: Man ist zwei Stunden lang gut unterhalten - aber nachhaltig im Gedächtnis bleibt 'Oblivion' nicht.

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