‚Nymphomaniac 2‘ mit Charlotte Gainsbourg und Shia LaBeouf: Der Soft-Porno geht weiter

Nymphomaniac 2
L (Willem Dafoe) hat einen Job für Joe (Charlotte Gainsbourg)

2 von 5 Punkten

Wie weit wird Skandalregisseur Lars von Trier noch gehen, war die Frage, mit der viele Zuschauer den ersten Teil (gestartet am 20.2.2014) verließen, und es deutete sich in den letzten Minuten an, dass alles noch viel schlimmer kommen würde. Von Trier hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er auf Pornos steht. Und Arthouse-Cineasten wissen, dass bei ihm die Frauen meist leiden müssen, besonders gern, wenn sie ein erfülltes Sexualleben haben. Hier hat er nun seine Leidenschaften kombiniert und endlich seine ganz eigene Sexfantasie gedreht – unter dem Deckmäntelchen des Kunstfilms. Und er hat es geschafft, trotz Großaufnahmen von erigierten Penissen und allerhand expliziten Sexszenen eine Altersfreigabe ab 16 zu bekommen, vermutlich vor allem, weil das Ganze höchstens abtörnend wirkt und als Wichsvorlage für niemanden zu gebrauchen ist. Dabei kann man nicht nur getrost fragen, ob man das alles so im Detail sehen muss und möchte, was von Trier da zeigt, auch auf der Tonspur sind einige bedenkliche Äußerungen dabei. Vor allem aber muss man auf jeden Fall den ersten Film gesehen haben, um überhaupt zu verstehen, worum es von Trier hier geht.

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Von Mireilla Zirpins

Nach den eher harmlosen 117 Minuten, in denen die misshandelte Joe (als junge Frau gespielt von Model Stacy Martin, als reife Frau von Charlotte Gainsbourg) einem geheimnisvollen Unbekannten Seligman (Stellan Skarsgård, ein von-Trier-Veteran, der schon bei 'Breaking The Waves' und 'Melancholia' dabei war) in Rückblenden-Kapiteln erzählt, wie sie mit 'zwei ihre Möse entdeckte' und als Teenagerin zur Sexsüchtigen wurde, hat sie zu Beginn des zweiten Films jede sexuelle Empfindungsfähigkeit verloren, als sie mit einem festen Freund zusammenzieht (im Übrigen ausgerechnet mit ihrem Entjungferer – lesen Sie hierzu gern unsere unten verlinkten gehässigen Ausführungen über das 'Fibonacci-Ficken' in der Kritik zu Teil I).

Nach dem endlosen Gestöhne aus dem ersten Film wird nun auf Teufel komm raus gerammelt, und die verzweifelte Suche nach einem Orgasmus hat wirklich etwas Exorzistisches. Der Zuschauer muss sich ganz schön quälen und einige Penetrationen mitansehen, bis Joe herausfindet, dass das nichts mehr für sie ist. Stattdessen lässt sie sich nun lieber von einem Unbekannten ('Billy Elliot' Jamie Bell) auspeitschen, der immer noch schön von Hand kontrolliert, ob die Vaginalfeuchtigkeit auch stimmt. Tja, wer's mag... Dass sie währenddessen ihr Kleinkind unbeaufsichtigt daheim lässt, wundert niemanden, der von Triers 'Antichrist' gesehen hat – bei dem dänischen Enfant terrible kehren bestimmte Themen immer wieder und werfen die Frage auf, was für tiefergehende psychische Probleme der Autorenfilmer, der seine Drehbücher stets selbst verfasst, eigentlich hat.

Mehr, als man eigentlich sehen möchte

Nymphomaniac 2
Joe (Charlotte Gainsbourg) und K (Jamie Bell) bereiten sich vor

Provokation macht von Trier bekanntlich Spaß, hatte er sich doch bei der Cannes-Pressekonferenz zu seinem letzten Film 'Melancholia' selbst als Nazi bezeichnet und damit seinen Rauswurf aus dem Festival bewirkt. Nun versucht er mal wieder mit dem Thema Sexualität zu spalten. Diesmal überführt Joe einen Pädophilen, indem sie ihm eine fiese Sexfantasie mit einem Kleinkind erzählt, bis er einen Ständer bekommt – für den Zuschauer kein schöner Anblick. Doch was dann folgt, lässt einen wirklich sprachlos zurück: Joe befriedigt den Mann oral, und auch hier bekommt man mehr gezeigt als gewünscht. Als sich Moralapostel Seligman in der Gegenwartsebene darüber entrüstet, befindet sie, enthaltsame Pädophile hätten einen Orden dafür verdient, dass sie sich nicht an Kindern vergehen, sondern ihre Triebe nur in der Phantasie ausleben. Auf solche Gedanken zur Exkulpierung pädophiler Neigungen muss man auch erst mal kommen!

Und das ist nur ein Beispiel für grenzwertiges Gedankengut, das hier durchscheint. Da können einen die vielen Nahaufnahmen von Geschlechtsteilen gar nicht mehr schockieren, die langweilen nur aufgrund ihrer schieren Masse und bewirken, dass auch dieser zweite, sexuell weit explizitere Teil von 'Nymph(o)maniac' ebenfalls nicht zum Renner in der Schmuddel-Ecke von DVD-Verleihern wird. Den zum Teil noch interessanten intellektuellen Überbau aus dem ersten Teil sucht man hier vergeblich. Vieles wirkt einfach nur lächerlich, die Mischung aus prätentiös und ordinär funktioniert in den zweiten 130 Minuten einfach nicht mehr. Wenn Sie schon den ersten Film abstoßend fanden, ersparen Sie sich das hier besser. Wer auf von Trier konträr-fasziniert reagiert und auch 'Antichrist' überlebt hat, kann den Kinobesuch gern wagen. Empfehlen können wir das jedoch nicht guten Gewissens.

Kinostart: 03.04.2014

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