Nur Bruce Willis ist cooler: 'The Mechanic' mit Jason Statham

3 von 5 Punkten

Mit einem Film von Jason Statham ist es wie mit einem Fast-Food-Menü. Man hat immer wieder mal riesige Lust darauf und wird selten enttäuscht – weil man ganz genau weiß, was man bekommt. Leider hält das Sättigungsgefühl aber auch nie allzu lange an. Mit Stathams neuestem Action-Kracher ‚The Mechanic’ verhält es sich ganz genauso. Das macht den Film sicherlich nicht schlecht – wenngleich man immer das Gefühl hat: Das macht er gut, aber irgendetwas fehlt doch? Könnte es vielleicht nicht doch mal ein Vier-Sterne-Menü sein?

Dabei haben alle Statham-Filme die klassischen Rezepte für ein gelungenes Action-Kino. Rauhbeiniger und unglaublich cooler Einzelgänger schlägt sich so richtig durch – und macht dabei stets eine blendende Figur. Und auch ‚The Mechanic’ kann als adrenalingetränkter Kracher ohne Probleme mit seinen Vorgängern wie ‚Transporter’ oder ‚Crank’ mithalten. Als Profikiller beseitigt Arthur Bishop (Jason Statham) im Auftrag verschiedener US-Behörden außer Kontrolle geratene Spione. Deren Tod lässt er immer wie einen tragischen Unfall oder einen natürlichen Tod aussehen. Um das zu erreichen, studiert der ‚Mechaniker’ gewissenhaft die Eigenschaften seiner Opfer. So gelingt es ihm, Skandale oder internationale Zwischenfälle zu vermeiden. Und in seinem Job ist Bishop einer der besten: Kühl, präzise und knallhart.

Doch Bishop hat einen Punkt in seiner Karriere erreicht, an dem er darüber nachdenkt, sich zur Ruhe zu setzen und ein normales Leben zu führen. Einen seiner letzten Aufträge erhält er von seinem langjährigen Kollegen und Freund Harry McKenna , beeindruckend gespielt von Filmlegende Donald Sutherland (‚Wenn die Gondeln Trauer tragen’, ‚Die Jury’, ‚Space Cowboys’). Dummerweise stellt Bishop bald fest, dass dieser Auftrag Harry selbst gilt. Aber Freundschaft hin oder her: Auch diesen Job erledigt er mit der für ihn so typischen Coolness und Sachlichkeit. Aber als Zuschauer denkt man sich nur: Och nö, das hätte Bruce Willis in den 90ern doch bestimmt nicht gemacht. Gab es da nicht mal einen Ehrenkodex, dass man auch als eiskalter Killer nicht seinen engsten Freund umbringt – oder doch?! Aber Zeiten ändern sich offensichtlich.

'The Mechanic' - Trailer
'The Mechanic' - Trailer Kinostart: 07.04.2011 00:01:10
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Trotzdem wird es jetzt richtig spannend, denn Harrys Sohn Steve, grandios dargestellt von Ben Foster (‚The Messenger’, ‚X-Men 3’), kommt mit dem vermeintlichen Raubüberfall auf seinen Vater überhaupt nicht klar. In seiner Wut und Verzweiflung mutiert er zu einem wahren Racheengel – und ahnt nicht, dass in Wahrheit Bishop für dessen Tod verantwortlich ist. Und ausgerechnet diesen bittet Steve, ihm bei der Suche nach den Mördern seines Vaters zu helfen…

Jason Statham ist zweifellos einer der angesagtesten Action-Helden, die Hollywood derzeit zu bieten hat. Auch in diesem mörderischen Katz-und-Maus-Spiel von Regisseur und Action-Spezialist Simon West (‚Con Air’) beweist der smarte Schauspieler, dass er sein Handwerk perfekt beherrscht – und selbst nach den wildesten Prügelszenen dennoch immer wie aus dem Ei gepellt aussieht. Gut, ein blutverschmierter Bruce Willis, der mit letzter Kraft gegen eine Armada aus Bösewichten kämpft, hatte in den 90ern seinen ganz eigenen rauhbeinigen Charme.

Kameramann Eric Schmidt sorgt in ‚The Mechanic’ in vielen Einstellungen dafür, dass Statham in seinen Designer-Outfits eher wie ein Model und nicht wie ein eiskalter Killer rüberkommt. Aber genau das macht andererseits den faszinierenden Charme des eigentlich brutalen Mörders aus, der nach seinem Job gerne erstmal in Ruhe Klassik hört. Und das dürfte zumindest die weiblichen Kinobesucher erfreuen, die nicht selten einen Blick auf Mister Stathams beeindruckenden Sixpack werfen dürfen. Diejenigen, die einfach nur Lust auf solides und unterhaltsames Action-Kino haben, kommen aber trotzdem auf jeden Fall auf ihre Kosten. Ein Meilenstein des Genres ist der Film leider dennoch nicht, dafür ist er - trotz der teilweise toll choreographierten Action-Szenen - etwas zu glatt. Da muss dann wohl doch bald mal wieder Bruce Willis ran…

Von Norbert Dickten

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