Notting Hill für Hartgesottene: 'London Boulevard'

Colin Farrell schießt scharf
Kritik London Boulevard © dpa, CENTRAL FILM Verleih

4 von 5 Sternen

Mann aus dem Volk trifft Hollywoodsternchen auf der Suche nach Privatheit – wenn das mal nicht nach 'Notting Hill' klingt. Doch wer auf eine Neuauflage der sympathischen Komödie mit Hugh Grant und Julia Roberts hofft, sei gewarnt: 'London Boulevard' ist nichts für Weicheier. Hier wird scharf geschossen und über dreckige Witze gelacht, denn Keira Knightley als Filmstar mit Burnout-Syndrom trifft hier auf Colin Farrell. Dem würde man einen Buchhändler auch gar nicht abkaufen. Folgerichtig spielt er einen Typen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde.

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Ex-Knasti Mitchel (sympathisch und überzeugend: Colin Farrell) ist zwar ein Loser-Typ, aber einer mit Herz und Manieren. Mit gerade mal 50 Pfund in der Tasche startet er nach drei Jahren Bau in die Freiheit und gibt doch einem Obdachlosen von der Kohle ab. Dabei hat er selbst kein Dach über dem Kopf. Er ist auf die Hilfe seines einstigen Kumpanen Billy (herrlich als Asi: Ben Chaplin) angewiesen, der ihm gleich ein paar halbseidene Jobs vermittelt und eine 'beschlagnahmte' Wohnung für ihn aufgetan hat. Doch Mitchel hat im Knast Rilke gelesen und sich geschworen, vom organisierten Verbrechen in Zukunft Abstand zu halten. Als er eine junge Frau vor einem Geldautomaten vor Dieben beschützt, vermittelt sie ihm eine coole Anstellung.

Keira Knightley und Colin Farrell
London Boulevard Filmkritik © dpa, CENTRAL FILM Verleih

Hollywoodstar Charlotte (schön verletztlich: Keira Knightley) fühlt sich ausgebrannt und angewidert vom Filmbiz, ihr Celebrity-Ehemann säuft und hat sich verkrümelt. Sie braucht einen Schlägertypen, der ihr die Paparazzi vom Leib hält, die vor ihrem Grundstück lauern. Da kommt ihr einer wie Mitchel gerade recht. Denn ihr 'Mitbewohner' und Berater, der Möchtegern-Schauspieler und Junkie Jordan (mit Begeisterung durch den Wind: David Thewlis), kriegt das mit dem Beschützen allein nicht ganz auf die Reihe. Doch Mitchel kann den Posten nicht annehmen. Zu schnell ist er Charlotte näher gekommen, zu rasch holt ihn seine Vergangenheit ein: Ganovenboss Gant (Ray Winstone) hat ihn in der Hand und erpresst ihn: Mitchel soll Charlotte ausrauben. Wie soll er seine neue Liebe und seine durchgeknallte Schwester (Anna Friel) vor den skrupellosen Gangstern schützen? Ist ein Neuanfang überhaupt möglich?

Dem Sujet angemessen geht es hier ordentlich zur Sache. An roher Sprache wird nicht gespart, an Gewalttaten schon gar nicht. Aber Drehbuchautor William Monahan (Der Mann, der niemals lebte', 'Königreich der Himmel'), der sich erstmals auch als Regisseur versucht, versteht es, den Tod so zu inszenieren, dass er niemals splatterig, aber dennoch brutal wirkt. Dabei geizt er nicht mit schwarzem Humor und hat das Ganze so stylish inszeniert und mit einem so stimmigen Soundtrack unterlegt, dass es eine Wonne ist. Dass die Liebesgeschichte ein wenig am Rande stattfindet und ein paar Nebenfiguren zu viel das Drehbuch überfrachten, mag man da verzeihen. Schließlich sind wir hier nicht bei 'Notting Hill'. Allen Menschen, denen das Geturtel nicht so wichtig ist, die aber einen verspielten Thriller und einen guten Scherz zu schätzen wissen, sei 'London Boulevard' wärmstens empfohlen.

Von Mireilla Zirpins

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