Nora Tschirner vertickt Drogen: 'Offroad'

Filmkritik Offroad Nora Tschirner Elyas M'Barek
Der Deutschtürke Salim (Elyas M'Barek) hilft Meike Pelzer (Nora Tschirner) aus so manchem Schlamassel.

3 von 5 Punkten

Einmal etwas tun, was niemand erwarten würde: Das macht Nora Tschirners Filmfigur in ‚Offroad‘, ein biederes Landei im Blümchenblusen-Outfit, dessen Leben durch den Zufallsfund von 50 Kilo Kokain ganz schön aus der Bahn geworfen wird. Tschirner selbst kann als Schauspielerin nicht aus ihrer Haut und gibt in dem unterhaltsamen Mix aus Roadmovie und Komödie wieder das Mädchen, das durch seine Schnoddrigkeit von einem Schlamassel ins nächste gerät. Das macht sie so, wie jeder erwarten würde: mit viel Witz und Charme.

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Das hatte sich TV-Regisseur Elmar Fischer wohl auch so gedacht, der in seinem ersten Kinofilm bei der Besetzung seiner weiblichen Hauptrolle mit Nora Tschirner als sympathisch-spießige Meike Pelzer auf Nummer sicher gehen wollte. Denn wer könnte eine frisch gebackene BWL-Absolventin, die aus der Einöde ihres langweiligen, vorprogrammierten Lebens in einem Provinzkaff ausbrechen will und dabei in zahlreiche Fettnäpfchen tritt, besser verkörpern als Tschirner? Die Rolle der erst auf den zweiten Blick einnehmenden Vorstadtschönheit hatte sie ja bereits in den Kassenhits 'Keinohrhasen' und 'Zweiohrküken' mit Til Schweiger perfektioniert. Und auch in 'Offroad' kommt sie zunächst sehr unscheinbar daher: Meike Pelzer (Nora Tschirner) hat ihr Ziel eigentlich klar vor Augen: Die Übernahme des elterlichen Betriebs und die Hochzeit mit dem angehenden Anwalt Philip (Max von Pufendorf, 'Buddenbrooks'). Doch ganz will sie sich der Spießigkeit noch nicht ergeben und ersteigert einen heruntergekommenen, peinlich-prolligen Jeep vom Zoll, da sie von einem Trip durch die Sahara träumt.

Biederes Provinzmädchen trifft machohaften Traumtänzer

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Aller Anfang ist schwer: Wer kauft dem biederen Provinzmädchen Meike (Nora Tschirner) nur die harten Drogen ab?

Doch dann lässt sich Philip dummerweise von Meike in flagranti mit ihrer besten Freundin Denise (Nora Binder) erwischen, und Meikes Lebensplan zerplatzt wie eine Seifenblase. Als sie unter der Kofferraumverkleidung ihres neuen Jeeps 50 Kilo Kokain findet, lässt sie ihr altes Leben ohne zu zögern hinter sich und begibt sich auf einen Trip ins Ungewisse, ihrer Vorstellung nach finanziert durch die ersten Drogengeschäfte ihres Lebens. Dafür reist das etwas naive Landmädchen, das auf dem Schützenfest vielleicht mal das ein oder andere Bier zu viel trinkt, nach Berlin, um dort das Kokain zu verticken. Dass das eine turbulente und abenteuerliche Reise wird, zumal die eigentlichen Besitzer ebenfalls hinter dem Koks her sind, liegt auf der Hand.

Zugegeben, für manche mag sich das nach einem Fernsehfilm mit eher mittelmäßigem Drehbuch anhören. So kann man zu Recht den Kopf darüber schütteln, dass ausgerechnet der Zoll die Ladung an Koks in dem Proll-Wagen übersehen hat. Dennoch gewinnt das Roadmovie mit seinen temporeichen Wendungen immer mehr an Fahrt. Da schadet auch ein bisschen Multikulti-Klischee nicht, denn in Berlin trifft Meike auf den vorbildlich integrierten und ziemlich machohaften Traumtänzer Salim (Elyas M'Barek, 'What A Man'). Der Deutschtürke hilft ihr aus so manchem Schlamassel, obwohl er es zuerst nicht fassen kann, was die Unschuld vom Lande in der Großstadt vorhat. Dass sich zwischen den beiden eine Romanze anbahnt, ist fast selbstredend. Doch wie werden die beiden nur die Gauner los, die um jeden Preis an das Kokain wollen? Und was wird nur aus dem ganzen Zeug?

Keine Frage, die Rolle der Meike Pelzer ist Nora Tschirner auf den Leib geschneidert, auch wenn sie in ihrer Umsetzung sehr an die brave Erzieherin in 'Keinohrhasen'/'Zweiohrküken' erinnert. Trotzdem schafft es die Schauspielerin mühelos, ihrer schablonenhaften Figur viel Witz und Charme einzuhauchen. Und auch der unverschämt gut aussehende Elyas M'Barek verleiht dem stereotypen Bild seiner Rolle zumindest so viel Tiefe, wie das Drehbuch es zulässt. Keine Frage: Von ihm wird man in Zukunft noch viel mehr hören und sehen. Aber vor allem Nora Tschirner als liebenswürdig-rebellische Spießerin macht diesen Trip ins Ungewisse sehenswert. Wie zu erwarten.

Von Norbert Dickten

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