Nicht mehr so schüchtern, aber trotzdem solo: Daniel Brühl

Nicht mehr so schüchtern, aber trotzdem solo: Daniel Brühl
© dpa, A3322 Twentieth Century Fox

Von Mireilla Zirpins

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Vielleicht liegt es daran, dass er wirklich so nett ist, dass er oft den lieben Jungen spielen muss – wie jetzt in seinem neuen Film „Krabat“. Von Starallüren keine Spur, und das, obwohl er demnächst mit Brad Pitt und Quentin Tarantino dreht. Ganz bescheiden spricht er darüber, wie es sich lebt mit einer „gewissen Bekanntheit“ und dass er früher zu schüchtern war, um die Mädchen anzusprechen und sich daher einfach eine Alibi-Freundin erfunden hat. Wie es heute steht um sein Liebesleben und was sich für Daniel Brühl geändert hat, seit er 30 geworden ist, verriet er Kino-Redakteurin Mireilla Zirpins im Interview.

Daniel, du spielst in „Krabat“ den reifesten Jungen. Warst du auch am Set der „Dienstälteste“?

Lustig ist es, nicht mehr der Benjamin zu sein, sondern langsam ein junger Mann zu sein. Ich bin jetzt 30 geworden. Und ich war auch älter als der Durchschnitt am Set. Das war eine ganz schöne Rasselbande. Wenn zwölf Jungs aufeinander treffen in einem kleinen Ort in Transsylvanien, geht das ab wie in einem Schullandheim. Robert Stadlober hat im Hotelflur einen Feuerlöscher hochgehen lassen und den asozialer Weise mir vor die Zimmertür gestellt. Am nächsten Tag kam dann der Produzent und suchte wie so ein Lehrer den Schuldigen – wie zu Schulzeiten. Aber ich hab bei all dem Quatsch mitgemacht. Auf der anderen Seite merke ich schon, dass ich nicht mehr Anfang 20 bin wie einige der anderen Jungs.

Anfang 20 war das Alter, in dem zu groß durchgestartet bist. Wie hast du es geschafft, nicht größenwahnsinnig zu werden?

Ich habe das damals schon genossen, als das zum ersten Mal mit mir passierte. Das war aufregend und spannend. Die ersten Reisen gingen los, man wurde ständig auf Festivals eingeladen und in anderen Ländern erkannt. Das ist natürlich fürs Selbstbewusstsein erst mal irre. Nach der ersten Welle beruhigt sich das wieder, aber es kann jederzeit in Amplituden wieder kommen. Ich hatte so Bammel davor, 30 zu werden, aber jetzt merke ich, dass ich ruhiger und entspannter werde und nicht mehr alles mitnehmen muss, was da kommt.

Sind das gute Vorsätze?

Das hat sich natürlich ergeben. Schon mit 29 war auf einmal irgendwas anders. Irgendwann kann man sich dann vorstellen, dass man damit prima klarkäme und sich freuen würde, wenn plötzlich ein Kind käme. Mir fehlt ja der Partner dazu. Aber mit Mitte 20 hatte ich Riesenpanik davor und hätte gar nicht gewusst, wie ich damit umgehen soll.

Nicht mehr so schüchtern, aber trotzdem solo: Daniel Brühl
© picture-alliance/ dpa, Hubert Boesl

Wie erklärst du dir, dass du Panik hattest, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, aber problemlos Filme mit hohem Budget und Erwartungen getragen hast?

Das mit dem Kind bedeutet was und ist was Echtes, und das ist mir nach wie vor viel, viel wichtiger als mein Beruf, obwohl ich den sehr liebe. Als ich jünger war, war ich immer scharf auf diesen speziellen Zauber des Drehs, dass man wie ein Nomade durch die Lande reist und mit Leuten ganz eng ist, die man vorher kaum kannte. Das hat auch immer noch eine extreme Attraktivität, aber man kann danach süchtig werden. Bei mir ist das hingegen ruhiger geworden. Ich weiß die Zeit immer mehr zu schätzen, in der ich nichts tue.

Was machst du in der Zeit, in der du nicht arbeitest?

Wenn ich noch Energie habe, verreise ich am liebsten. Aber auch das ist dann kein Urlaub, weil ich ständig unterwegs bin, Sachen entdecken will und fotografiere. Jetzt habe ich mit Schreiben angefangen, vor allem Drehbücher. Aber das kann ich so schlecht in Berlin, weil immer jemand anruft und irgendwas machen will – tagsüber und auch nachts. Der beste Rückzugsort ist das Haus meiner Eltern. Das bedeutet zwei Wochen lang nichts machen außer Schreiben, Lesen, Schwimmen und das lecker Essen von Mama genießen.

Woran schreibst du?

Ich arbeite an zwei Projekten mit Achim von Borries, mit dem ich „Was nützt die Liebe in Gedanken“ gemacht habe. Da ist die Frage, ob man selbst Regie führt. Aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich mir das schon zutraue. Ich würde eher ein paar Jahre warten. Aber es ist ein erster Schritt, eine Geschichte von mir zu erzählen.

Julie Delpy, bei der du schon in zwei Filmen mitgespielt hast, schreibt sich ihre Traumrollen selbst auf den Leib, weil sie gute Angebote vermisste….

Ja, mit Julie hab ich viel darüber gesprochen. Natürlich ist das auch bei mir der Beweggrund, obwohl ich mich über einen Mangel an Angeboten nicht beklagen kann, sogar aus verschiedenen Ländern. Aber manchmal gibt es Traumrollen, bei denen man denkt: Mann, warum kommt denn niemand auf die Idee, das mir anzubieten? Das muss man vielleicht selbst in die Hand nehmen? Mittlerweile kenne ich so viele coole Leute in der ganzen Welt, die ich gern mal zusammenbringen würde. Auch da bin ich reifer geworden. Schauspieler wird schon mein Hauptberuf bleiben, aber irgendwann wird mir das nicht mehr reichen. Da möchte ich schon gern etwas zusätzlich machen.

Was fotografierst du?

Am liebsten Menschen, sehr gern auf meinem Lieblingskontinent Südamerika. Ich bin nur leider so vorsichtig und schüchtern, dass ich mich oft nicht traue, die Leute zu fragen, ob ich sie ablichten darf. Das mache ich dann heimlich wie ein Spion mit dem Teleobjektiv, nur dass damit die Fotos nicht so gut werden.

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© dpa, C3396 Hubert Boesl

Bist du wirklich so schüchtern? Du könntest doch einfach einen coolen Fotografen spielen…

Das mache ich schon auch, aber es bringt nur was, wenn die Leute einen nicht erkennen. Ich hab früher oft vorgetäuscht, Dinge schon erlebt zu haben – aus Schüchternheit. Ich hatte Riesenangst vor den ersten ernsthaften Begegnungen mit Mädchen. Über ein Jahr lang habe ich mir eine französische Freundin erfunden. Die anderen haben mich schwer beneidet um meine Freundin in Paris, die es nie gegeben hat. Das war dann schwer peinlich, als wir mal einen Klassenausflug nach Paris gemacht haben und die Jungs sie mal sehen wollten. Da musste ich sagen: Nee, wir haben uns gerade getrennt. Total peinlich.

Wie ist es jetzt mit deiner Schüchternheit? Musst du überhaupt noch Mädels ansprechen?

Jetzt bin ich nicht mehr schüchtern. Sobald man merkt, dass es ernst ist, ist es damit natürlich vorbei. Aber wer ist dann schon cool, wenn er wirklich verknallt ist? Aber das ist ja auch ein tolles Gefühl, wenn man unsicher wird. Das darf dann nur nicht Überhand gewinnen. Durch das Alter und den Beruf, bei dem man ständig mit Menschen zu tun hat, bin ich nicht mehr so scheu wie früher.

Warum bist du denn immer noch solo? Ist das eine bewusste Entscheidung?

Na, hör mal! Eine Aufpasserin vom Verleih ist hereingekommen, um zu signalisieren, dass die Zeit bald um ist. Sie hebt entrüstet die Augenbraue und kommt näher. Das ist gut, dass die Dame vom Verleih gleich einschreitet bei so pikanten Fragen. Man kann auch Zeiten genießen, in denen man allein ist. Ich war mein Leben lang, seit ich 16 war, immer in einer Beziehung. Ich weiß es zu schätzen, dass man eine Zeit auch mal nur für sich braucht. Wenn man wieder richtig sortiert ist und sich selber richtig gerne hat, dann ist man auch wieder bereit für eine tolle Beziehung.

Wie gehst du damit um, dass die Presse großes Interesse an deinem Privatleben zeigt?

Ich habe nie wirklich etwas preisgegeben, nur scheinbar Privates, was die Leute eh wussten. Die haben mich mit meiner Freundin – oder Exfreundin – auf der Straße gesehen. Es gehört dazu, das ein wenig zu bedienen, wenn es die Leute interessiert. Im Flugzeug habe ich gesehen, dass sich immer mehr Männer die „Gala“ bestellen. Das ist in Ordnung.

Nicht mehr so schüchtern, aber trotzdem solo: Daniel Brühl

Bedrängt gefühlt hast du dich nie?

Nein, aber britische oder spanische Kollegen haben mir viel erzählt. Da ist das ganz anders anstrengend. Ich bin ganz froh, dass in Deutschland nicht Leute im Auto vor deiner Haustür warten oder dich auf Schritt und Tritt verfolgen.

Deine Kollegen regen sich zum Teil ganz schön darüber auf.

Ja, aber das sind meist die, die noch mehr Aufmerksamkeit wollen. Das ist ja der Witz.

Vielen Dank für das Gespräch.

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