Neun skurrile Fakten über Rudi Carrell

Neun skurrile Fakten über Rudi Carrell
So kennen wir Rudi Carrell: voller Elan auf der Showbühne © Imago

Heute vor zehn Jahren verließ ein ganz Großer seiner Zunft für immer die Bühne. Rudi Carrell starb im Alter von 71 Jahren an einer Lungenkrebserkrankung. Der Holländer durchlebte zuvor eine steile Karriere und galt in den 1970er- und 1980er-Jahren als einer der bekanntesten deutschsprachigen Entertainer. Erfahren Sie hier neun skurrile Fakten über den beliebten Showmaster, Sänger, Satiriker und Schauspieler:

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10. Todestag des Showmasters

1. Carrell vs. iranisches Mullah-Regime

Lange vor Jan Böhmermann löste schon einmal ein deutscher Satire-TV-Beitrag beinahe eine Staatskrise aus. Rudi Carrell zeigte 1987 eine Bildmontage verschleierter Iranerinnen, die Unterwäsche auf den damaligen Staatschef Ayatollah Khomeini warfen. Der Iran zog daraufhin seinen Botschafter in Deutschland ab und schloss seine Konsulate - sogar das Teheraner Goethe-Institut musste schließen. Carrell entschuldigte sich später für den Beitrag. Er habe niemanden damit verletzten wollen.


2. Tochter tritt übel nach

"De mortuis nil nisi bene" heißt ein bekanntes lateinisches Sprichwort, das rät, über Tote nur Positives zu berichten. Das hat sich allerdings seine Tochter Caroline Kesselaar (53) nicht auf die Fahnen geschrieben. In einem im März erschienenen Buch ledert sie in deutlichen Worten über ihren Vater. Rudi Carrell sei privat scheinheilig, narzisstisch und gefühllos gewesen - ein echter Tyrann. Zahlreiche private Geschichten werden dort breit ausgerollt, in denen sie Carrell als bösartig beschreibt. Das Problem: Er kann sich nicht mehr rechtfertigen...


3. Vom Erntehelfer zum Showstar

Rudi Carrell kam natürlich nicht als Entertainer auf die Welt, dennoch gilt er als Autodidakt, der sich all sein Können im Prinzip selbst angeeignet hat. Eine Geschichte ist dabei äußerst bemerkenswert: Nachdem er mit 15 die Schule verließ, jobbte er als Erntehelfer. Mit dem Geld wollte er unbedingt nach Paris. Was er dort machte? Er beobachtete drei Monate lang Passanten, um sein späteres Publikum besser kennen zu lernen. Anschließend ging er nach Hause und begann eine Banklehre, die er allerdings abbrach. Am 29. September 1956 mit 22 Jahren stand Carrell dann erstmals vor einer Fernsehkamera.


4. Carrell der Eurovision-Star

Sein bekanntester Song "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" hat sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingehämmert. Was allerdings die wenigsten wussten: 1960 trat Carrell, damals schon ein viel beachteter Radiomoderator in den Niederlanden, mit dem Song "Wat een geluk (Was für ein Glück)" für sein Heimatland beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson" an. Er wurde Zweitletzter und nahm sich anschließend in seinen Radioshows selbst auf den Arm. Das alles brachte einen enormen Popularitätsschub, was ihn langsam aber sicher auch in den Fokus der deutschen TV-Macher rückte.


5. Werbestar für ungewöhnliche Firmen

Rudi Carrell war einer der ersten deutschen Entertainer und Komiker, der auch als große Werbefigur wahrgenommen wurde. Die Produkte, für die er warb, hätten unterschiedlicher nicht sein können: Strumpfhosen, VW-Käfer, Likör, Hemden oder Supermärkte. Seine bekanntesten Spots waren ab 1977 die für die Einzelhandelskette Edeka. Carrell selbst war davon äußerst überzeugt, da er selbst das Einkaufen in seiner eigenen Familie übernahm. Seine Frau besaß nämlich keinen Führerschein. Bis 1982 war Carrell das Gesicht von Edeka.


6. Ein Mann ohne Hobbys

Rudi Carrell lebte für seinen Beruf. Viele seiner Wegbegleiter erzählten, dass er im Prinzip keine anderen Interessen hatte, geschweige denn Hobbys. Erst im späten Alter interessierte er sich für das Golfspielen. Sein Kollege Jochen Busse sagte einmal: "Ich weiß nicht, was Rudi Carrell für ein Mensch ist, ich kenne Rudi nur beruflich. Ich glaube, Rudi ist auch nur beruflich." Carrell beschäftigte sich auch in seiner Freizeit nahezu rund um die Uhr mit dem Fernsehen. Er galt zudem als Fachmann für internationale Shows.


7. Der mysteriöse Schattenmann

In seiner größten Zeit wurde Rudi Carrell von seinem Jugendfreund Dick Harris gemanagt, der ihm alle finanziellen Dinge abnahm. In seiner Biografie sagte Carrell über diese Zeit: "Er bekam 10 Prozent von all meinen Einnahmen. Ich machte Shows, er machte die Geschäfte." Doch 1983 verschwand Harris von einem Tag auf den anderen. Ein Abschiedsbrief legte einen Selbstmord nahe. Doch Harris floh vor seinen Steuerschulden. Erst acht Monate später meldete sich Harris bei Carrell, der ihn wieder anstellen wollte. Doch Harris konnte wegen eines Haftbefehls nicht nach Deutschland einreisen. Er starb vier Jahre nach Carrell im Jahr 2010.


8. Rudi, ein deutscher Perfektionist

Rudi Carrell galt unter Kollegen als absoluter Perfektionist, der im TV-Studio keine Fehler duldete. Er selbst war immer perfekt vorbereitet. Dieser Charakterzug war ihm teilweise selbst sogar fremd. So fremd, dass er vermutete, deutscher Abstammung zu sein. 1979 begab sich Carrell deswegen auf die Suche nach seinen Vorfahren. Tatsächlich hat die Familie väterlicherseits ihre Wurzeln in Schlesien. Carrells Ur-Ur-Urgroßvater, Jakob Kesselaar, wurde 1805 in Neustadt, Oberschlesien geboren.


9. Lustig bis in den Tod

Im Februar 2006 kam es zu einem letzten, spektakulären Fernsehauftritt von Rudi Carrell. Er erhielt die Goldene Kamera für sein Lebenswerk und ließ es sich nicht nehmen, trotz seiner schweren Lungenkrebserkrankung, den Preis persönlich entgegen zu nehmen. Was folgte, war eine der Sternstunden deutscher TV-Geschichte: Mit Selbstironie und tollem Witz begeisterte er zum letzten Mal sein Publikum. Sein Einstieg: "Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie..."



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