Neues Hobby, alte Tradition: Bierbrauen selbst gemacht

Bierbrau-Seminar
Diverse Bierzutaten werden in einer Pfanne gekocht. Foto: Maja Hitij © DPA

Die Zutaten liegen auf dem Küchenklotz. Im blechernen Braubottich siedet bereits Wasser. Jetzt müssen die Brüder Biernath ran: Reiner schüttet, Micha rührt.

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Staub qualmt über dem Bottich auf und weißer Schaum bildet sich, wenn Malz und Wasser aufeinandertreffen. Die beiden Bierliebhaber nehmen mit 20 anderen in Bochum an einem Braukurs teil.

Der weiße Schaum: "Das sind alles Eiweiße", erklärt Braumeister Gerd Ruhmann den Teilnehmern und stellt die Temperatur auf 56 Grad. Die Stärke des Getreides wird in Zucker umgewandelt. Das riecht man. Ruhmann holt mit einer Kelle eine Kostprobe aus dem Brautopf. Reiner und Micha tauchen ihre Finger in die Maische. "Knatschsüß wie Karamellbonbons!", sagt Reiner.

"Ich denke, dass das Bierbrauen zu einem richtigen Trend wird", sagt Tobias Kolb von der Erlebnisagentur Vivendo. Die Suche im Internet zeigt: Es gibt zig Anbieter von Kursen quer durchs Land. In Bochum kostet das die Teilnehmer 160 Euro, das Programm verteilt sich gemäß Brauprozesses auf zwei Tage: "Heute wird das Bier angesetzt und in sechs Wochen können die Teilnehmer dann ihr eigenes Bier trinken."

In Jülich ist für fünf Doktoranden aus dem Hobby Bierbrauen schnell mehr geworden: 2014 haben sie beim internationalen, studentischen Brauwettbewerb mit ihrer Bierkomposition die Hamburger "Campusperle" gewonnen. Angefangen hat alles mit Institutsfesten, berichtet Andreas Radek. Er ist wie Joachim Koepfl, Holger Morschett, Viola Pooth und Michael Limberg Biotechnologe und promoviert am Forschungszentrum Jülich, wo Brauen für interne Feste Tradition hat.

Nachdem sie den Preis gewannen, wollten sie ihr Bier auch in einer richtigen Brauerei und in größeren Dimensionen herstellen. In der Brauerei Rainer in Linnich-Welz fanden sie ihren Platz: Seit 188 Jahren wird hier das Bier aus eigener Wasserquelle und nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Auch das eigene Bierunternehmen der Doktoranden, "RheinCraft", folgt dem Gebot - 500 Jahre nach seiner Einführung.

"Wir haben mal ein Bier mit Weihnachtsgewürzen ausprobiert", erzählt Morschett. "Aber das war eigentlich kein richtiges Bier mehr." Anstelle von weiteren Zusätzen haben sich die "RheinCraftler" für spezielle Hopfensorten entschieden: Citra, Polaris und Amarillo schmecken nach Zitrone, Minze und Orange und stammen aus Kalifornien.

Ob Kölsch, Alt, Weizen oder Pils - all diese Biere werden aus Hopfen, Malz und Wasser gewonnen. Die Brauvorgabe wurde 1516 nicht nur wegen des Geschmacks eingeführt. "Es wurden oft Halluzinogene wie das Bilsenkraut in die Biere gemischt, um den Rausch zu verstärken", erklärt Frank-Jürgen Methner, Professor für Brauwesen an der TU Berlin. "Mit dem Reinheitsgebot sollten die Menschen vor Gefahren geschützt werden." Das Gebot sei noch immer zeitgemäß. "Wir wollen einfach wissen: Was nehme ich gerade zu mir?"

In Deutschland gibt es 5500 Biere. Zwar können Brauer - außer in Bayern und Baden-Württemberg - Ausnahmegenehmigungen für "Besondere Biere", die mit Gewürzen oder Früchten gebraut werden, erhalten. Doch nach Schätzungen des Geschäftsführers des Deutschen Brauer-Bundes bleiben diese Biere in der Unterzahl: "Das Reinheitsgebot ist einfach ein weltweit anerkanntes Qualitätsgut", sagt Holger Eichele.

In Bochum schließt Braumeister Ruhmann den Brauprozess mit der Zugabe von Hopfen ab. "Aus den 26 Litern werden wir bald 20 Liter Bier ziehen können", sagt er und kocht die grünen Pellets in der Biermaische ein. Sie geben dem Bier den besonderen Geschmack. Die Brüder Biernath schmieden bereits Pläne: "Wir überlegen schon, wie wir unser eigenes Bier in der Garage brauen können."


dpa
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