Neue Kollektion von Pamela Anderson: Was taugt veganes Leder?

Neue Kollektion von Pamela Anderson: Was taugt veganes Leder?
Pamela Anderson setzt in ihrer neuesten Kollektion ausschließlich auf vegane Produkte © Andy Kropa/Invision/AP

Vegan ist voll im Trend! Doch nicht nur bei der Ernährung meiden immer mehr Menschen tierische Produkte, sondern auch bei Mode und Accessoires gibt es immer mehr vegane Angebote auf dem Markt. Die Ex-"Baywatch"-Nixe Pamela Anderson (48) springt jetzt ebenfalls auf diesen Zug auf und kündigte ihre eigene vegane Kollektion von Schuhen und Taschen an. Die Nachrichtenagentur spot on news hat beim Spezialisten nachgefragt: Dominic Jones, Inhaber der Leder-Edelschmiede "Leatherworx" in München, stellt klar: In Sachen Qualität haben Naturprodukte bei weitem die Nase vorne.

Experte über Lederimitate

Herr Jones, Sie arbeiten täglich mit Lederprodukten sämtlicher Machart. Wann haben Sie das erste Mal von dem Begriff veganes Leder gehört?

Dominic Jones: Das ist schon eine kleine Ecke her: Ein Kunde kam zu uns und fragte, ob wir Taschen aus veganem Leder herstellen. Ich muss zugeben, ich habe zunächst schmunzeln müssen und konnte mit dem Begriff nichts anfangen. Anschließend haben wir uns intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt und festgestellt, dass die meisten Produkte, die sich veganes Leder schimpfen, sogar einen höheren Polyurethan- und Polyester-Anteil hatten als klassisches Kunstleder.


Ist das schlimm?

Jones: Schlimm nicht, aber wenn man das Thema Nachhaltigkeit anspricht, dann muss man das schon kritisch hinterfragen. Zwar kauft man in diesen Fällen keine tierischen Produkte, aber produziert Müll, der erst in vielen Tausend Jahren wieder verrottet - wenn überhaupt. Es gibt allerdings auch Produkte, die komplett aus Biopolymeren bestehen, meistens aus Rapsöl oder Sonnenblumenöl - das ist in meinen Augen dann schon sinnvoller, aber eben sehr selten.


Ist veganes Leder also nur ein modernes Kunstwort und wurde früher einfach Kunstleder genannt?

Jones: Im Moment würde ich sagen, ja! Die Forschung ist an diesem Thema dran, aber derzeit ist das alles noch nicht wirklich ausgereift. Gerade in der Automobil-Branche oder der Möbelindustrie braucht man Materialien, die sehr hohen Ansprüchen genügen müssen, zum Beispiel UV-Beständigkeit und hohe Abriebs- und Reißfestigkeiten. Kunstprodukte kommen da noch nicht wirklich an die Naturprodukte heran.


Also bislang ein reines Nischenprodukt?

Jones: Noch ist das ganz klar Nische. Aber ich würde mich sehr freuen, wenn es für klassisches Kunstleder irgendwann einmal einen ernstzunehmenden Ersatz gibt.


Ist die vegane Variante teurer oder billiger als echte Lederhäute?

Jones: Gutes Leder ist sehr teuer, keine Frage. Wir benutzen zum Beispiel nur Leder von zertifizierten Händlern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Italien. Aber das lohnt sich dann natürlich auch: Ich habe zum Beispiel noch nie gehört, dass eine Kunstleder-Hose vom Großvater vererbt wurde...


Kann man also unterm Strich sagen, dass veganes Leder nicht die Qualität erreicht, die herkömmliches Leder von Natur aus besitzt?

Jones: Vereinfacht gesagt, ja. Wenn jemand kein Leder möchte, was ich durchaus verstehen kann, dann sollte er für Kleidung aber eher auf Fasern zurückgreifen. Hanf zum Beispiel ist auch wesentlich strapazierfähiger als Kunstleder.


Warum kein Kunstleder?

Jones: Kunstleder enthält Weichmacher für die Geschmeidigkeit, die eigentlich nicht für den direkten Kontakt mit der Haut geeignet sind. Außerdem dampfen konstant Lösungsmittel nach. Durch die Weichmacher ist die Oberfläche zudem wesentlich anfälliger und reißt schnell. Eine Nachbehandlung mit Öl oder Balsam ist ebenso nicht möglich und wenn die Weichmacher verflogen sind, wird das Kunstleder brüchig und geht kaputt.


Gerade läuft in Ihrer Stadt München das Oktoberfest, gibt es denn eigentlich auch vegane Lederhosen?

Jones: Touristen kaufen manchmal Lederhosen aus Filz - das geht vielleicht in die Richtung. Aber eine richtige, echte Lederhose wird nie vegan sein. Sie besteht aus Hirsch, der vom Jäger im Wald geschossen wird, um den Wildbestand zu kontrollieren und kostet dann aber auch weit über 1.000 Euro. Die Leute, die sich für unter 100 Euro eine Lederhose kaufen, die sollten sich allerdings mal über ihr Konsumverhalten Gedanken machen.


Wieso?

Jones: In Bangladesch zum Beispiel werden Tiere aus Indien geklaut, dort auf übelste Art und Weise durch das Land transportiert, bestialisch getötet und die Menschen stehen anschließend barfuß in einer Chrom-Brühe, um das Leder zu gerben. Nur damit wir dann für einen Wiesn-Besuch im Jahr eine Lederhose für ein paar Euro kaufen können. Das schadet Tier, Mensch und Umwelt enorm.



spot on news

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