Nervenkitzel mit Sam Worthington: 'Ein riskanter Plan'

Nervenkitzel mit Sam Worthington: Filmkritik zu 'Ein riskanter Plan'
Wie kann Ex-Polizist Nick Cassidy (Sam Worthington) nur seine Unschuld beweisen?

3 von 5 Punkten

Wie weit würden Sie gehen, um Ihre Unschuld zu beweisen? 'Avatar'-Star Sam Worthington versucht in seinem neuen Film mit allen Mitteln, seinen Namen reinzuwaschen. Dafür begibt er sich als Ex-Cop und angeblicher Diamantendieb Nick Cassidy in schwindelerregende Höhe und spielt einen potentiellen Selbstmörder - und setzt damit alles auf eine Karte: Denn sein Bruder soll in der Zwischenzeit Cassidys Unschuld beweisen. Klingt sehr waghalsig und ist vor allem für diejenigen ein echter Nervenkitzel, die unter akuter Höhenangst leiden: Schwindelanfälle sind also garantiert.

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Und das hat seinen Grund: Regisseur Asger Leth scheut sich nicht, den Blick der Kamera immer wieder vom Fenstersims eines Hotels in die Tiefe der Straßenschluchten gleiten zu lassen. Mit seinem Spielfilmdebüt hat der Dokumentarfilmer ein spannendes und solides Heist-Movie geschaffen, wenngleich der Film kein Meilenstein in der Filmgeschichte werden wird. Die TV-Vergangenheit seines Machers merkt man dem Film nur allzu deutlich an, obwohl sich die Produzenten darüber gefreut haben dürften, mit Leth einen Regisseur gefunden zu haben, der der Geschichte durch seine Doku-Erfahrung einen sehr realen Touch geben konnte. An einen ähnlich gestrickten und erfolgreichen Thriller wie 'Nicht auflegen!' (2002) von Joel Schumacher mit Colin Farrell kommt der Film leider dennoch nicht heran.

Dabei beginnt der Film durchaus sehr mysteriös: Als Nick Cassidy (Sam Worthington, 'Avatar', 'Kampf der Titanen') unter falschem Namen in das New Yorker Roosevelt Hotel eincheckt, ahnt noch niemand, was er im Schilde führt. Kurze Zeit später steigt der verzweifelte Ex-Cop auf den Sims seines Zimmerfensters und droht, in die Tiefe zu springen. Dabei ist er nicht lebensmüde, im Gegenteil: Er will mit dieser Aufsehen erregenden Aktion, die einem ausgeklügelten Plan folgt, ein Komplott gegen ihn aufdecken und seine Unschuld beweisen.

Einbruchs-Coup in bester 'Mission Impossible'-Manier

Nervenkitzel mit Sam Worthington: Filmkritik zu 'Ein riskanter Plan'
Polizeipsychologin Lydia Anderson (Elizabeth Banks) will mit allen Mitteln verhindern, dass Nick Cassidy (Sam Worthington) in die Tiefe springt.

Cassidy soll dem zwielichtigen Baulöwen David Englander, herrlich skrupellos gespielt von Ed Harris ('Die Truman Show', 'The Hours'), einen 30 Millionen Dollar teuren Diamanten gestohlen haben und wurde dafür zu 25 Jahren Knast verurteilt. Doch Cassidy nutzt die erstbeste Gelegenheit zur Flucht – und befindet sich bereits kurze Zeit später am Rande des Abgrunds, für alle Passanten scheinbar bereit, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Die attraktive Polizeipsychologin Lydia Anderson (Elizabeth Banks, '72 Stunden - The Next Three Days') soll Cassidy derweil dazu bewegen, zurück in das Hotelzimmer zu steigen, während ihre Kollegen fieberhaft versuchen herauszufinden, wer der Mann auf dem Fenstersims ist. Was sie nicht wissen: Für Nick läuft eigentlich alles wie am Schnürchen. Denn während er die Aufmerksamkeit auf sich zieht, dirigiert er über ein kleines Head-Set seinen Bruder Joey und dessen Freundin Angie (Newcomerin Genesis Rodriguez), die schräg gegenüber des Hotels in den hochgesicherten Sitz von Englander International einbrechen sollen, um den vermeintlich gestohlenen Diamanten aus dem Tresor des Immobilienhais zu entwenden.

Durfte Worthington in 'Avatar' oder 'Kampf der Titanen' sich noch ganz in seinem Action-Element austoben, ist er jetzt fast zur Bewegungslosigkeit verdammt. Aber gerade der geschickt konstruierte Kontrast zwischen der beklemmenden Enge auf dem Fenstersims einerseits, und dem spannenden Einbruchs-Coup in bester 'Mission Impossible'-Manier andererseits, sorgen für einen andauernden Spannungspegel.

Zwar liefert der knackige, aber sonst ziemlich facettenlose Worthington hier keine oscarreife Leistung ab, aber die Panik in seinem Gesicht angesichts des Abgrunds vor seinen Augen steht dem Australier glaubhaft ins Gesicht geschrieben. Auch das ist vielleicht kein Geniestreich, bedenkt man, dass der Schauspieler tatsächlich unter panischer Höhenangst leidet und die Drehbedingungen äußerst realistisch waren. Dass die Story insgesamt dennoch ziemlich geradlinig und vorhersehbar daherkommt und auf pfiffige Wendungen weitgehend verzichtet, schadet dem Filmvergnügen keineswegs. Absturz also garantiert nicht vorprogrammiert.

Von Norbert Dickten

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