Necar Zadegan im Interview: Das denkt die Schauspielerin über die moderne Ehe

Necar Zadegan: Trump ist aus der Ferne sicher lustig, oder?
Necar Zadegan nimmt Trump mit Humor und setzt auf die Demokraten © Sonia Moskowitz/Globe Photos Inc/ImageCollect

Sie stand bereits mit 16 Jahren auf der Theaterbühne, spielte an der Seite von Robin Williams am Broadway und überzeugte in so unterschiedlichen Projekten wie der Action-Serie "24" und dem lesbischen Indie-Drama "Elena Undone": Necar Zadegan (33) ist Schauspielerin mit Leib und Seele. Zurzeit ist die charmante Frau mit der sanften Stimme in "Girlfriends' Guide to Divorce" (immer Mittwochs, 20:15 Uhr auf TNT Glitz) zu sehen, einer frechen Beziehungs-Comedyserie mit feministischem Unterton. Die Nachrichtenagentur spot on news hat sich mit Zadegan über die Ehe in der modernen Gesellschaft, die US-Präsidentschaftswahlen und gerettete Hunde unterhalten.

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Schauspielerin im Interview

 

Ihre Figur Delia stellt einen interessanten Kontrapunkt zu den anderen Charakteren dar: Obwohl sie Scheidungsanwältin ist, ist sie dabei, zu heiraten, während ihre Freundinnen nach ihren Scheidungen die Scherben zusammenkehren.

 

Necar Zadegan: Das ist richtig, sie bewegt sich in eine andere Richtung als die anderen Ladys. Die Show heißt "Girlfriends' Guide to Divorce", aber eigentlich ist es eine Studie über die Liebe und darüber, wie Beziehungen funktionieren können. Auch wenn Delia eine Scheidungsanwältin ist, bin ich froh darüber, dass wir auch erkunden können, wie sie sich auf eine Ehe zubewegt. Sie ist ein sehr moderner Charakter in einer sehr modernen Welt, und damit kann ich mich gut identifizieren. Es ist cool, dass dieser anspruchsvolle Diskurs in der Show stattfindet, auch wenn es sich um eine Comedy-Serie handelt.

 

Was haben Sie mit Delia gemeinsam?

 

Zadegan: Ich kann mich mit ihrer modernen Sicht auf das Leben gut identifizieren und ich denke, dass es vielen Frauen so geht. Es geht um die Frage, wozu die Ehe da ist. In unserer Gesellschaft ist sie für Frauen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr notwendig. Früher musste eine Frau heiraten, um zu Geld zu kommen. Aber heute können wir studieren und unser eigenes Geld verdienen. Wozu ist die Ehe also noch gut? Hier in den USA wird diese Diskussion auch unter Gender-Gesichtspunkten geführt, über die Homo-Ehe und was sie bedeutet. Ich denke, Delias Fragen zur Ehe können viele nachvollziehen, und so geht es auch mir. Ich selbst bin nicht verheiratet und ich bin mir nicht sicher, ob die Ehe im traditionellen Sinne für mich Sinn macht.

 

Und wo sehen Sie die größten Unterschiede?

 

Zadegan: Die Unterschiede überwiegen klar! (lacht) In der ersten Staffel erfahren wir, dass sie unter schwierigen Umständen aufgewachsen ist. Sie ist auch deshalb eine Selfmadefrau, weil es für sie nie leicht war. Wir erfahren, dass ihr Vater ein Trinker war, ihre Beziehung zu ihren Eltern ist wirklich schwierig. Deshalb tut sie sich auch mit der Liebe so schwer, da sie in der Hinsicht keine sehr guten Erfahrungen hat. Ich dagegen habe zum Glück eine sehr gute Beziehung zu meiner Familie. Sie hat mich immer unterstützt, Delia hat das gefehlt. Das ist eigentlich etwas zu viel Psychologie für eine Comedy-Serie, aber das ist der Hintergrund dieses Charakters und da liegt auch der größte Unterschied zu mir selbst.

 

Delia zeichnet sich auch durch ihre extrem modischen Outfits aus. Haben Sie ein Mitspracherecht bei ihrer Garderobe?

 

Zadegan: Ja, ich arbeite bei Delias Garderobe sehr eng mit unserer Kostümbildnerin Cynthia Summers zusammen. In der Serie bin ich die einzige, die tatsächlich einen Job hat, für den sie jeden Tag ins Büro gehen muss. (lacht) Das spielt auf jeden Fall eine Rolle. Sie ist Anwältin in Los Angeles, das ist ein sehr spezifischer Stil. Ich beobachte dafür sehr genau, was sich in der Mode tut. Wir bevorzugen bestimmte Designer und benötigen eine große Auswahl für sie. Sie arbeitet in einer männerdominierten Umgebung aber wir wollen, dass ihr Stil sehr feminin bleibt. Das ist uns wichtig, denn "Feminismus" kommt von "feminin" und hat nichts damit zu tun, wie ein Mann sein zu wollen. [Zadegan wird von ihrem bellenden Hund abgelenkt] Entschuldigung, darum muss ich mich kurz kümmern. Sorry!

 

Kein Problem! Ich habe gehört, dass Sie Ihre Hunde von der Straße gerettet haben?

 

Zadegan: Ja, meine beiden Hunde sind Nothunde. Meine kleine Hündin habe ich in einer Mülltonne gefunden, ich weiß nicht, wie sie da gelandet ist. Tatsächlich hat mein anderer Hund sie in der Tonne erschnüffelt. Sie war total verängstigt, aber wir haben sie mit nach Hause genommen und ich habe ihr Vertrauen gewonnen. Ich wollte für sie eigentlich ein neues Zuhause suchen, aber Sie wissen ja, wie Hunde so sind. Sie finden einen Weg in dein Herz, und man muss sie einfach behalten. Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich einmal so viele Hunde haben würde! (lacht) Ich denke, wir haben eine Verantwortung für diese Tiere, weil wir sie domestiziert haben. Und sie sind so reizend, sie lieben uns Menschen mitsamt unseren Fehlern!

 

Sie wurden in Heidelberg geboren, sind dann aber früh mit Ihren Eltern in die USA gezogen. Haben Sie noch eine Verbindung zu Deutschland?

 

Zadegan: Ja, die habe ich immer noch. In meiner Anfangszeit als Schauspielerin war ich mit einer internationalen Theatertruppe unterwegs. Wir sind durch viele Länder getourt, auch sehr lange durch Deutschland. Meine Familie hat außerdem immer noch einige sehr gute Freunde aus ihrer Zeit in Deutschland, die sie oft besucht. Im Mai reisen sie wieder nach Deutschland, da komme ich auch mit. Vielleicht bin ich etwas voreingenommen, weil ich dort geboren bin, aber es gibt so viele wunderbare Gründe, Deutschland zu besuchen, vor allem im Sommer. Es ist so schön, man kann so viel unternehmen und es gibt so viel Geschichte zu erleben. Und ich bekomme eine Gelegenheit, mein Deutsch zu üben!

 

In "Elena Undone" haben Sie zusammen mit ihrer Filmpartnerin Traci Dinwiddie mit 3 Minuten und 24 Sekunden einen neuen Rekord für den längsten Filmkuss aufgestellt. Wie war es, diese Szene zu drehen?

 

Zadegan: Ich werde Ihnen sagen wie das war: Ich war an diesem Tag krank! (lacht) Ich denke, ansonsten war das wie jeder andere Dreh. Ich habe versucht, das Atmen nicht zu vergessen und natürlich wollte ich, dass die Szene gut aussieht und funktioniert. Darum waren wir beide sehr fokussiert, wie bei jeder Szene.

 

Ich glaube, die Antwort kann ich mir schon denken, aber was halten Sie von Donald Trump als Präsidentschaftskandidaten?

 

Zadegan: Oh nein... (lacht) Ja, das können Sie sich wohl denken. Ich glaube, die Republikaner wollten das Niveau der politischen Debatte eigentlich etwas höher ansetzen. Dass es so kommt, hatten sie wohl nicht geahnt, aber jetzt wissen sie es besser. Die USA haben eine lange Geschichte dieser Zirkus-Atmosphäre in der Politik, aber so einen großen Zirkus gab es schon eine Weile nicht mehr. Für Sie ist es sicher lustig, das aus der Ferne zu beobachten, oder? (lacht) Es ist lächerlich. Ich will mir nicht vorstellen, dass wir das Land sind, das Donald Trump in dieses Amt lässt. Aber wir dürfen nicht vergessen, wir haben bereits zugelassen, dass er ernstgenommen wird, damit müssen wir also schon leben... (lacht)

 

Wen unterstützen Sie in den Vorwahlen?

 

Zadegan: Ich bin mir noch nicht sicher. Ich wähle dieses Jahr auf jeden Fall die Demokraten. Ich schwanke zwischen Bernie und Hillary, da ich beide für wunderbare Kandidaten halte. Als Frau würde ich gerne eine Frau in diesem Amt sehen, aber Bernie Sanders ist so ein fortschrittlicher Denker, das finde ich sehr ansprechend. Ich weiß also noch nicht, für wen ich mich entscheiden werde.

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