Natalie von 'Cascada': "Wir haben uns selbst entdeckt"

Im RTL-Interview sprach Natalie Horler über die Erfolgsgeschichte von 'Cascada'.
Im RTL-Interview sprach Natalie Horler über die Erfolgsgeschichte von 'Cascada'.

Exklusiv-Interview mit Natalie Horler

Spätestens seit dem internationalen Mega-Hit "Evacuate the Dancefloor" zählt 'Cascada' zu den erfolgreichsten Musik-Dance-Acts der Welt. Mit ihrem vierten Album "Original Me" schlägt das Erfolgs-Trio um Sängerin Natalie Horler und das Produzenten-Duo Yanou (Yann Peifer) und Manian (Manuel Reuter) nun einen neuen Weg ein: von der klassischen Club- zur modernen Popmusik. Ein Schritt, den nicht alle Fans nachvollziehen können. Im Exklusiv-Interview mit Daniel Grochow verriet Natalie Horler die Gründe für die musikalische Kehrtwende und sprach über ihre Nacktfotos, die vor Kurzem im 'Playboy' erschienen sind.

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Von Daniel Grochow

Seit eurem ersten Album seid ihr mit eurer Musik kontinuierlich in den Charts vertreten – und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. International kommen eure Lieder sogar wesentlich besser an. Wie erklärst du dir, dass euer Erfolg im Ausland größer ist als hier?

Es ist eigentlich komisch, dass das immer so dargestellt wird. Ich empfinde es gar nicht so, dass wir in Deutschland weniger wahrgenommen werden als zum Beispiel in Frankreich, Skandinavien oder vielleicht England. Es stimmt schon, dass der Erfolg in England gefühlt immer ein bisschen größer war und wir zunächst auch in Amerika richtig durchgestartet sind. Aber trotzdem sind wir auch hier in Deutschland erfolgreich: Die Kids erkennen mich auf den Straßen, hier sind wir am meisten im Fernsehen zu sehen, weil ich natürlich hauptsächlich in Deutschland bin und auch Interviews geben kann. Dass wir hier also weniger Erfolg haben, ist gefühlt jedenfalls nicht so.

Mit Blick auf die Chartplatzierungen eurer Top-Singles und auch Alben kann man aber schon sagen, dass die Euphorie in England oder den Staaten größer ist.

Ja, das stimmt. Trotzdem waren wir auch in Deutschland mit zwei Singles in den Top Five. Aber du hast recht: Gerade in England war der Erfolg – wenn man von den nackten Zahlen ausgeht – über die Jahre natürlich größer.

'Cascada' besteht eigentlich aus drei Köpfen. Dennoch wirst du als Sängerin immer allein mit dem Bandnamen in Verbindung gebracht. Macht dich das stolz oder stehst du manchmal gar nicht so gerne im Rampenlicht?

Man hat auf jeden Fall Vor- und Nachteile, wenn man das Gesicht von etwas ist und das Ganze repräsentiert. Auf der einen Seite ist man zwar im Mittelpunkt, kann die Lorbeeren des Erfolgs ernten und bekommt die ganze Aufmerksamkeit. Andererseits haben meine beiden Kollegen ein recht entspanntes Leben – wie ich prinzipiell auch, allerdings nicht immer: Wenn ich mal in der Stadt zum Shoppen bin und mir die Leute hinterherlaufen, ist es nicht immer nur schön, im Rampenlicht zu stehen. Das ist das Negative, wenn du das Gesicht von allem bist. Das bleibt Yann und Manuel natürlich erspart.

Auch wenn mich fast alle Leute 'Cascada' nennen, war es nie gedacht, dass das einmal mein Name sein soll. Es war nie ein Stagename, sondern ich bin Natalie, die Sängerin von 'Cascada'. So stelle ich mich den Leuten auch immer vor. Es hat sich – warum auch immer – so entwickelt, dass mich die Leute 'Cascada' nennen, obwohl das nicht so ist. 'Cascada' ist eigentlich der Projektname, der schon stand, bevor wir richtig angefangen haben, Musik zu machen. Dann haben die Jungs mich gefragt, ob ich der Kopf der Band sein und mich als Künstler auf der Bühne als Live-Act auch präsentieren möchte.

"Mir liegt das neue Album persönlich am Herzen"

Euer neues Album heißt "Original Me". Wie ist der Titel zu verstehen?

Wir sind nie so vorgegangen, dass wir ein Album einen Titel verpasst und das Ganze dann danach gestaltet haben. Wir haben uns überlegt, dass wir uns in den letzten Jahren musikalisch weiterentwickelt haben. Der Name "Original Me" ist einfach ein Titel, um den Leuten und unseren Fans zu sagen, dass wir uns immer mehr zu dem entwickeln, was wir für richtig halten, wie wir uns fühlen und wo wir vielleicht hinwollen.

Wenn man anfängt, muss man sich im Musikgeschäft sicherlich ein bisschen anpassen, um Erfolg zu haben. Man muss schauen, was die Leute hören wollen. In England wurden beispielsweise auch andere Lieder veröffentlicht als in anderen Ländern. Das war damals zwar furchtbar für uns, aber am Anfang muss man sich damit abfinden, was das Publikum hören möchte. Nach dem vierten Album fühlen wir uns aber immer mehr verwirklicht und begreifen, dass unsere Musik immer realer wird und auch uns widerspiegelt. Diese Musik mögen wir, das performen wir. Man achtet jetzt weniger auf das, was vielleicht ausschließlich den Erfolg bringen könnte, sondern viel mehr auf das, was wir auch machen möchten.

Wie kam es zu der Entscheidung, auf dem Album schon eine Auswahl eurer "Greatest Hits" zu veröffentlichen? Das ist ja eher ein Schritt, den man vielleicht zum Karriereende macht.

Manche Dinge sind natürlich nicht meine Entscheidungen. Das war so eine Label-Idee. Es wurde zwar "Greatest Hits" genannt, aber vielleicht sind das die falschen Worte. Vielleicht kommt ja noch unser größter Hit – wer weiß? Trotzdem ist es für unsere Fans natürlich eine schöne Sache, noch einmal so alte Schinken wie "Miracle" oder "Bad Boy" herauszupicken, die bekanntesten Lieder zusammenzuführen und auf eine CD zu packen.

Und wie ist das Feedback eurer Fans?

Super! Was Facebook und Twitter angeht, bin ich in den letzten Monaten richtig aktiv geworden. Als ich meine OP hatte und nicht auftreten konnte, war ich monatelang zuhause und konnte nichts machen. Da war das Internet meine einzige Möglichkeit, mit unseren Fans in Verbindung zu treten. Dadurch habe ich mich aber noch mehr als vorher damit beschäftigt und dementsprechend bekomme ich extrem viel mit, was sie wirklich denken und das war zum neuen Album durchweg positiv.

Mir liegt das Album persönlich auch unheimlich am Herzen, weil mir die Lieder durchweg super gefallen. Wir haben total viele neue Sachen ausprobiert, wie leichte Hip-Hop-Songs – was natürlich keiner von uns erwartet. Da war ich total gespannt darauf, was die Leute dazu sagen, aber die meisten finden es echt super.

Ich habe in ein paar Foren allerdings auch gelesen, dass euch Leute dafür kritisieren, dass eure Musik immer kommerzieller wird, weil ihr euch von der klassischen Dance-Musik abwendet. Was sagst du zu den Vorwürfen?

Ich kann das schon in einer gewissen Form nachvollziehen. Es ist allerdings einfach zu sagen, dass wir uns in die eine oder andere Richtung bewegen. Man kann jeden Song nehmen und den mit Gitarre spielen und singen – ob du jetzt eine härtere Bassline drunter hast, das ist das einzige, was beispielsweise einen Hands-Up-Song von einem Pop-Song unterscheidet. Dass wir uns weiterentwickeln, ein bisschen ruhiger werden und nicht mehr diese typische Clubmusik machen wollten, steht dabei auf einem anderen Blatt. Es gibt zu jedem Song auch immer einen Remix, der meistens total dancig ist und wieder irgendwo unserem alten Stil entspricht.

Die Sache ist, dass man ein ganzes Leben lang nicht nur das machen kann, was die anderen wollen. Man muss auch irgendwann das machen, was man selbst möchte. Als ich mit 20 Jahren angefangen habe, war das sogar recht schwierig für mich. Ich bin mit Jazz aufgewachsen. Ich liebe Soulmusik, Mariah Carey, Whitney Houston – das waren die Leute, die ich bewundert und deren Texte ich geliebt habe. Am Ende des Tages muss man einfach das durchsetzen, was einem am Herzen liegt und nicht nur das, was die Leute wollen. Wir haben uns quasi selbst entdeckt.

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