Nadeshda Brennicke: "Ich flirte sehr gerne, aber..."

Nadeshda Brennicke: "Ich flirte sehr gerne, aber..."
Die schöne Nadeshda Brennicke zieht klare Grenzen © SWR/Olga Samuels

Nadeshda Brennicke (42, "Banklady") spielt in dem Ensemblefilm "Blütenträume" eine Teilnehmerin in einem Flirt-Kurs. Ob sie einen solchen im wahren Leben auch nötig hätte, erklärt sie im Interview mit spot on news. "Tatsächlich viel gelernt" hat sie bei diesem Dreh in jedem Fall, wie sie sagt, denn sie ist an der Seite von "fantastischen Theaterkollegen wie Falk Rockstroh und Corinna Kirchhoff vom Burgtheater in Wien" zu sehen. "Das war sehr beeindruckend."

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Schauspielerin im Interview

 

Frau Brennicke, was macht den Film "Blütenträume" für Sie so besonders?

 

Nadeshda Brennicke: Der Film hat einen besonders klugen und guten Humor. Das liegt sicher auch an dem österreichischen Regisseur Paul Harather [50, "Cappuccino Melange"]. Ich habe schon mit vielen österreichischen Regisseuren gearbeitet und die haben einen Humor, der meinem sehr nahe kommt. Mit jemandem zu drehen, der diesen Schmäh hat, ist einfach ein Fest. Der Dreh war eine unglaublich schöne Zeit mit sehr hoher Lebensqualität.

 

Apropos Humor, haben Sie den Kinoerfolg "Fack ju Göhte 2" gesehen?

 

Brennicke: Nein. Ich kenne Elyas M'Barek [33, "Paddington"] aber als Kollegen und finde, er ist wirklich ein toller Typ: ganz bescheiden, klar im Kopf und sehr gut erzogen. "Fack ju Göhte" ist aber einfach nicht meine Art von Humor. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr über den Erfolg des Films.

 

Zurück zu Ihrem Film. Ihre Rolle, Julia, besucht darin einen Flirt-Kurs. Wie wichtig und erlaubt ist Flirten?

 

Brennicke: Flirten darf man immer, sollte man auch, das hält die Seele gesund. Bei mir bleibt's dann aber meistens dabei, da ich ein ziemlicher Einzelgänger bin.

 

Bräuchte Nadeshda Brennicke auch so einen Flirt-Kurs oder können Sie flirten?

 

Brennicke: Ich flirte sehr gerne, was meine Partnerwahl angeht, bin ich dann aber sehr vorsichtig - fast übervorsichtig. Das hängt auch damit zusammen, dass mir Alleinsein nichts ausmacht und dass ich es überhaupt nicht mag, von fremden Männern angesprochen zu werden. Ich habe immer mal wieder Erlebnisse mit männlichen Fans, die versuchen, mich über das Internet zu kontaktieren oder versuchen, ungefragt meinen Hof aufzusuchen. Diese Art der Kontaktaufnahme schätze ich überhaupt nicht und gehe auch dagegen vor.

 

Wenn der Flirt geglückt ist, steht meist das erste Date an. Was ist dabei wichtig?

 

Brennicke: Ich finde, dass man sich da keinerlei Grenzen auferlegen sollte. Es geht ja darum, dass einen derjenige so mögen soll, wie man ist. Jegliche Form von Verstellung führt eigentlich nur dazu, dass man sich irgendwann doch entblößen muss. Und das ist Quatsch. Beim ersten Date sollte man genauso sein, wie man ist. Und wenn es nicht passt, passt es eben nicht.

 

Sie waren das Küken in der Runde. Wie war das für Sie?

 

Brennicke: Gerade auch die weiblichen Kolleginnen haben mich liebevoll aufgenommen. Da gab es so manche schöne und lebensweise Gespräche nach Drehschluss. Am liebsten hätte ich sie alle adoptiert und wäre mit ihnen in eine WG gezogen. Sie sind mir einfach alle wahnsinnig ans Herz gewachsen.

 

In dem Film geht es auch um ein ernstes Thema: Warum gibt es denn so viele beruflich erfolgreiche Frauen mit unerfülltem Liebesleben?

 

Brennicke: Heutzutage müssen die Frauen viel mehr leisten: Sie müssen eine Karriere hinlegen, weil sie sonst in der Gesellschaft nichts darstellen. Gleichzeitig sollen sie Kinder bekommen und diese großziehen. Nicht selten bleiben sie damit alleine. In Berlin gibt es sehr viele alleinerziehende Mütter. Ich glaube, die Zahl liegt sogar bei 80 Prozent. Das bedeutet, die meisten Frauen müssen obendrein die Vaterrolle erfüllen und das Geld verdienen. Es ist schwierig, dann auch noch ein halbwegs passables Liebesleben zu haben. Und da finde ich, wird der Frau heutzutage schon sehr, sehr viel abverlangt.

 

Welche Rolle spielen Dating-Portale in diesem Zusammenhang?

 

Brennicke: Sicherlich hat es auch damit zu tun, dass es für manche Männer durch die Online-Portale einfacher geworden ist, andere Frauen kennenzulernen und es dann bei kurzen Begegnungen zu belassen. Die Begegnungen sind viel flüchtiger und oberflächlicher. Man wird austauschbarer. Männer, die auf solchen Portalen unterwegs sind, sehen natürlich überhaupt nicht ein, dass sie Verantwortung übernehmen sollen. Das endet im Moment bei vielen Freundinnen von mir im einsamen Kindergroßziehen. Traurig!

 

Was machen Sie, wenn Ihnen mal die Decke auf den Kopf fällt?

 

Brennicke: Ich habe gute, sehr ausgesuchte Freunde, die oft ihren Weg zu mir hier hinaus finden. Mein Haus ist selten leer. Auch wenn ich nicht da bin. Es ist so eine Art Gemeinschaftshaus geworden. Darüber bin ich sehr dankbar, weil ich ein bisschen mehr reisen möchte. Ansonsten verabrede ich mich, gehe raus und unternehme etwas. Wie die meisten anderen Menschen auch.

 

Welche Entscheidung haben Sie zuletzt in Ihrem Leben getroffen, die viel Mut erforderte?

 

Brennicke: Mein Leben in der Stadt aufzugeben und auf einen Hof ans Ende der Welt zu ziehen, um dort mein Glück zu suchen. Das erforderte schon viel Mut. Aber es hat sich ausgezahlt.

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