Motörhead: Lemmys Live-Vermächtnis

Motörhead: Lemmys Live-Vermächtnis
Lemmy Kilmister lebte für den Rock'n'Roll © Pep Bonet/UDR Music

"Es könnte das letzte Mal sein..." - mit diesem Gedanken im Hinterkopf pilgerten viele Rockfans im Herbst 2015 zu den Shows der letzten Motörhead-Tournee. Schließlich hatte Frontmann Lemmy Kilmister zuvor mit einigen gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen und sein 70. Geburtstag stand vor der Tür. Doch dass es so schnell passieren würde, hatte dann doch keiner geahnt: Am 28. Dezember 2015, wenige Tage nach dem runden Geburtstag, erlag Kilmister einem erst kurz zuvor entdeckten Krebsleiden - die Tour zum "Bad Magic"-Album war tatsächlich die letzte Gelegenheit, das Kult-Trio auf der Bühne zu sehen.

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Neue DVD "Clean Your Clock"

Nun können sich die trauernden Fans auf Lemmys Live-Vermächtnis stürzen: Die Konzerte am 20. und 21. November 2015 in der Münchner Konzerthalle Zenith wurden als letzte Motörhead-Shows überhaupt professionell mitgefilmt, das Ergebnis steht ab heute unter dem Titel "Clean Your Clock" auf DVD und Blu-ray - jeweils mit beiliegender CD - sowie als Einzel-CD und Vinyl-Doppel-LP in den Regalen.


Angeschlagen, aber standhaft

"Clean Your Clock" legt vor allem Zeugnis von Lemmys unbedingten Durchhaltewillen ab. Denn in den Nahaufnahmen erschrickt man doch das eine oder andere Mal darüber, wie ausgemergelt das Hardrock-Urgestein auf dem Filmmaterial wirkt. Auch die Stimme klingt einen Hauch brüchiger als früher, bei einigen Ansagen lässt Lemmy sich von Gitarrist Phil Campbell aushelfen. Doch ansonsten geben sich Lemmy und seine Mitstreiter keine Blöße und liefern knappe eineinhalb Stunden lang eine Show ab, die schon damals keinen Fan enttäuschte und die heute als würdiges Vermächtnis dastehen kann.



Das aktuelle Album "Bad Magic" wird wie üblich mit einem einzigen Song ("When The Sky Comes Looking For You") abgespeist, ansonsten ist die Setlist gespickt mit Motörhead-Standards wie "Stay Clean", "No Class" und dem unvermeidlichen "Ace of Spades". Gänsehaut ist angesagt, wenn Lemmy "Doctor Rock" (nebst ausuferndem Drum-Solo von Mikkey Dee) seinem Ex-Schlagzeuger Philip "Philthy Animal" Taylor widmet, der ihm wenige Wochen zuvor in den Rock'n'Roll-Himmel vorausgereist war. Im Zugabenteil sorgt der akustisch vorgetragene "Whorehouse Blues" für einen Farbtupfer, bevor wie üblich der Nackenbrecher "Overkill" das furiose Finale einläutet, bei dem der über der Bühne schwebende stählerne Bomber seinen großen Auftritt bekommt.


Gelungene Umsetzung

Eine aufwändige Bühnenshow war ansonsten nie die Sache der bodenständigen Rocker, und Lemmy bewegte sich bekanntlich auch in seinen besseren Tagen kaum vom Fleck. Die Lichteffekte können sich dafür sehen lassen und die Kameraarbeit fängt das Geschehen auf der Bühne und das Feeling der vollgepackten Halle gelungen ein. DVD und Blu-ray bieten als Bonus zusätzlich eine Kurz-Doku, in der neben Lemmy und seinen Bandkollegen auch die Vorbands Saxon und Girlschool sowie die langjährige Motörhead-Promoterin Ute Kromrey zu Wort kommen.


Auch wenn Motörhead vielleicht schon mal schneller und härter klangen, beweist "Clean Your Clock", dass die Band bis zum Schluss den Rock'n'Roll im Blut hatte und für die Fans wirklich alles gab. Lemmy ist hier sicher nicht mehr in Hochform zu sehen, doch das finale Live-Dokument zeigt Motörhead in einer Verfassung, in der man sie gerne in Erinnerung behält.



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