Motörhead: Das Kind im Manne ist nicht totzukriegen

Motörhead: Das Kind im Manne ist nicht totzukriegen
Auch typisch Motörhead: Das Cover von "Bad Magic" © Motörhead Music/UDR

In den vergangenen paar Jahren konnte bei Metal-Fans schon leise Endzeitstimmung aufkommen: Black-Sabbath-Gitarrist Tony Iommi und Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson kämpften mit dem Krebs, AC/DC-Gitarrist Malcolm Young musste sich wegen seiner Demenz zurückziehen, das legendäre Slayer-Gitarrenduo Jeff Hanneman und Kerry King wurde durch Hannemans Tod auseinandergerissen - die Szene sah sich so stark wie selten zuvor mit der Vergänglichkeit ihrer Helden konfrontiert. Und auch um den sonst so unverwüstlichen Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister musste man sich plötzlich Sorgen machen: Herzprobleme, Diabetes - die ansonsten wie ein Uhrwerk tourende Band musste eine Konzertreise gleich zwei Mal verschieben.

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Neues Album "Bad Magic"

Doch die metallische Götterdämmerung wurde noch einmal vertagt, und auch Motörhead stehen pünktlich zum 40-jährigen Bandjubiläum mit einem neuen Album auf der Matte. Und während sich in Lemmys Leben einiges geändert hat (die harten Drogen sind Geschichte, statt Whisky trinkt er nun Wodka, da Orangensaft zum Mischen für einen Diabetiker gesünder ist), klingt das neue Werk "Bad Magic" mal wieder einfach nur nach Motörhead - und selten war man darüber so froh wie heute. Zumal "Bad Magic" noch eine ganze Ecke frischer und inspirierter rüberkommt als seine Vorgänger. Könnte daran liegen, dass Lemmy und seine Mitstreiter Phil Campbell und Mikkey Dee erstmals ein Album zusammen live im Studio eingespielt haben. Oder daran, dass Lemmy sich nach allen gesundheitlichen Rückschlägen und mit bald 70 Jahren erst recht weigert, endlich "richtig erwachsen" zu werden.

"Wäre das Kind in mir tot, würde ich wohl keine Platten mehr machen", sagte der Frontmann dem Metal-Magazin "Deaf Forever". Da passen auch die putzigen Cartoons ins Bild, die Lemmy persönlich für das Booklet beigesteuert hat, und da darf man auch mal ungestraft eine Zeile wie "You'll get more pussy if you're in a band" in das Mikrofon krächzen. Mit dem Opener "Victory Or Die" wird gleich die unerwartet harte Grundausrichtung von "Bad Magic" festgezurrt, auf der anderen Seite erweist sich Lemmy mit "Till The End" mal wieder als heimlicher Meister der Powerballade.

Natürlich darf auch dreckiger Bluesrock wie in "Fire Storm Hotel" nicht fehlen, und zum Schluss ziehen Lemmy und Co. den Hut vor einer weiteren notorisch unkaputtbaren Truppe und covern stilecht "Sympathy For The Devil" von den Rolling Stones. Das könnte man als Hinweis auffassen, dass der "Helmut Schmidt des harten Rock'n'Roll" ("tz.de") fest entschlossen ist, auch das 50. Bandjubiläum zu knacken. Nach einem energischen Werk wie "Bad Magic" dürfte daran auch sonst keiner zweifeln.

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