Moritz Bleibtreu im Interview: "Jürgen Vogel ist ein Granaten-Schauspieler"

Moritz Bleibtreu im 'Stereo'-Interview Für Schauspieler Moritz Bleibtreu ist Jürgen Vogel ein Vorbild.

Schauspieler Moritz Bleibtreu: "Mir geht es nicht darum, für eine Rolle gemocht zu werden"

Für den Psychothriller 'Stereo' standen Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu erstmals gemeinsam als Hauptdarsteller vor der Kamera. "Jürgen war für mich immer eine Art Wegweiser", schwärmt Bleibtreu im Interview mit Kino-Redakteurin Janina Lenz.

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In 'Stereo' ist deine Rolle Henry ziemlich finster, bedrohlich und vulgär. Wie war es, einen solchen Charakter zu spielen? Das war super! Es ist vor allem ein Buch, das man nicht so oft in die Hände bekommt. Ich bin persönlich ein großer Liebhaber von Thrillern. Und es ist eine Rolle – ohne jetzt zu viel verraten zu wollen – wo man zweifelt und sich fragt, gibt es ihn oder gibt es ihn nicht. Ist es eine existente Person oder nicht – und das hat große Konsequenzen im Spiel und hat unheimlich Spaß gemacht.

Henry redet ziemlich vulgär und flucht gerne. Wie ist das bei dir selbst? Hast du ein 'Lieblingsschimpfwort'? Nein, das nicht. Es ist ja auch immer situationsabhängig. Obwohl ich auch zu viel fluche und mir die größte Mühe gebe, das einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Aber wir haben uns für Henry überlegt, was er so sagt, denn mit Flüchen muss man im Kino sehr aufpassen. Das darf nicht zu abgedroschen sein und es muss möglichst etwas sein, wo der Zuschauer denkt: 'Oh, den habe ich noch nicht gehört, der war neu'.

Henry ist auch ganz schön aggressiv. Bist du schnell aus der Ruhe zu bringen oder nervenstark? Heute nicht mehr. Ich war früher ein sehr aufbrausender Mensch und bin sicher noch immer sehr temperamentvoll. Aber aus der Ruhe zu bringen bin ich mit zunehmendem Alter nicht mehr so schnell. Ich kann mich ganz gut unter Kontrolle halten, auch wenn ich ein sehr impulsiver und leidenschaftlicher Mensch bin. (lacht)

Das heißt, du hattest auch keine Angst, in der Rolle unsympathisch oder böse rüberzukommen? Der echte Moritz Bleibtreu wirkt ja eigentlich immer total nett und sympathisch. Das weiß ich gar nicht, ehrlich? Ich bin das schon mehrfach gefragt worden, dabei habe ich viele Dinge gemacht, die gar nicht so sympathisch waren (lacht). Aber als Schauspieler interessiert mich das sowieso nicht. Mir geht es nicht darum, für eine Rolle gemocht zu werden. Ich möchte einer Figur und deren Wahrheit auf den Grund gehen und mir versuchen zu erklären, woraus ein Verhalten resultiert. Und da geht es nicht darum, ob man nett ist oder nicht, sondern, dass man etwas über den Menschen versteht.

Moritz Bleibtreu im 'Stereo'-Interview Kino-Redakteurin Janina Lenz traf Moritz Bleibtreu zum Interview.

Moritz Bleibtreu: "Jürgen Vogel ist ein Granaten-Schauspieler"

Es gibt in 'Stereo' einige brutale Stellen und es fließt auch Blut. Gab es bei den Dreharbeiten auch Verletzungen? Jürgen hat es ein bisschen erwischt, das ist aber normal bei stark körperlichen Sachen. Die sollen in 'Stereo' realitätsnah aussehen, nicht so nach Hollywood, sondern eher echt und nach Straße. Da ist es leider nicht zu vermeiden, dass der ein oder andere blaue Fleck kommt. Wie bei einer Ohrfeige zum Beispiel: Da ist es besser, lieber dreimal richtig zuzuhauen als fünfzehn Mal nur halb. Und Jürgen hat es da eben erwischt. Aber es wird auch immer nur gesagt, der Film sei so blutig. Das ist eigentlich nur der Schlussakt, der hat es wirklich in sich.

Dein Charakter Henry verfolgt Erik, gespielt von Jürgen Vogel, wie ein Stalker. Hattest du schon einmal ähnliche Erfahrungen oder gibt es Dinge, die dir Angst machen? Die grundsätzliche Vorstellung, irgendwie nicht mehr Herr seines Verstands zu sein, ist eine sehr, sehr gespenstische Vorstellung. Das habe ich zum Glück nie erlebt. Aber nur, sich das vorzustellen, finde ich beängstigend. Es gibt sicher viele Dinge, vor denen man Angst haben kann auf der Welt. Aber der Moment, wo man merkt, dass das kleine Gehirn da oben anfängt, seine eigenen Spiele zu spielen, das finde ich eine scary Vorstellung und ich hoffe, dass mir das nicht passieren wird.

In 'Stereo' spielt auch ein Kind mit: Helena Schönfelder spielt Jürgen Vogels Ziehtochter Linda. Würdest du auch einmal gerne mit deinem Sohn (5) zusammen vor der Kamera stehen? Die Frage stellt sich für mich nicht, bis er den Wunsch artikuliert, das zu machen. Ich würde das nie pushen, denn mein Sohn soll machen, was ihn glücklich macht. Wenn er irgendwann von sich aus sagt: 'Ich möchte das mal ausprobieren', dann muss man gucken, wie man damit umgeht. Aber davon sind wir noch Lichtjahre entfernt.

Haben es Mystery-Thriller wie 'Stereo' beim immer gleichen deutschen Popcorn-Kino schwerer, sich durchzusetzen? Thriller haben es im Allgemeinen schwerer. Man darf aber nie vergessen, dass die öffentliche Wahrnehmung von Filmen oder auch Serien oft gar nichts mit dem messbaren Erfolg zu tun hat. Für mich ist ein Film erfolgreich, wenn er mich berührt und nicht, wenn er eine Million Zuschauer hatte.

Du bist seit vielen Jahren im Filmgeschäft, hast aber zum ersten Mal in einer Hauptrolle zusammen mit Jürgen Vogel vor der Kamera gestanden. Wie lief die Zusammenarbeit? Das stimmt, denn gerade bei zwei fast gleichaltrigen Schauspielern ist es oft schwer, den richtigen Stoff zu finden. Aber bei 'Stereo' war es super, dass unser Regisseur Max Erlenwein das machen wollte und als ich gehört habe, dass Jürgen den Film macht und ich mitspielen soll, da wusste ich direkt: 'Das machst du. Das wird super.' Und die Zusammenarbeit mit Jürgen hat einfach Spaß gemacht. Er ist ein Granaten-Schauspieler.

Ist Jürgen Vogel auch eine Art Vorbild für dich? Er war, als ich meine ersten zarten Schritte in Hamburg am Theater gemacht habe, für mich immer so 'der Typ'. Vorbilder sind ein schwieriges Wort, aber Jürgen war für mich eine Art Wegweiser. Und ich habe immer gedacht: So wie er es macht, ist es gut. Er war eine große Inspiration. Und wenn man dann 20 Jahre später mit so jemandem gleichberechtigt vor der Kamera stehen und Filme machen kann und ihn zudem zu seinen besten Freunden zählt, ist das ganz, ganz toll.

Bildquelle: RTL interactive / Janina Lenz

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