Morgens sehe ich nicht so aus: Rachel Weisz

Morgens sehe ich nicht so aus: Rachel Weisz
© Getty Images

Seit dem Oscar für „Der ewige Gärtner“ läuft es für die britische Beauty, die mit „Die Mumie“ berühmt wurde, richtig gut. Beim Interviewtermin futtert die Mutter eines kleinen Sohnes brav Obsalat – die beste Vorbereitung für Nacktszenen wie in ihrem neuen Film „Agora“ – und erzählt, wie lange es dauert, wenn sie sich hübsch macht.

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Rachel, du spielst in einem Kostümfilm. Ist dein Auftritt auf dem Roten Teppich auch ein bisschen wie Verkleiden?
Es ist schon was anderes, ob du im Kostüm für eine Rolle steckst oder dich für den Red Carpet hübsch machst. Bei den Premieren sind das eher so Kleinmädchenphantasien. Wir sehen ja nicht im wirklichen Leben so aus, schon gar nicht morgens beim Aufwachen. Es gehört zum Job dazu und ist nicht unangenehm, aber es ist schon Arbeit. Aber es macht Spaß, sich herauszuputzen.

Wie lange brauchst du für dein Styling vor Oscars oder einer Premiere wie der von "Agora" in Cannes?
Naja, es gibt immer eine Anprobe vorher. Dann kommen Hair- und Make-up-Artist und werkeln anderthalb Stunden an dir rum. Aber ich entscheide mich meist vorher für ein Dress, denn ich finde es blöd, darauf Stunden zu verwenden.

Du spielst in „Agora“ eine Wissenschaftlerin. Hat es dir geholfen, dass dein Vater Erfinder war?
Nein, jedenfalls nicht bewusst. Man hat mir einen Astronomen als Lehrer an die Seite gestellt. Ich habe nämlich keine Ahnung von Mathe, ich kann kaum zwei Zahlen addieren. Soviel ist über die Figur nicht überliefert. Sie war Lehrerin und inspirierte ihre Schüler. Witzigerweise nicht erfunden ist die Geschichte mit dem Menstruationsblut, das sie einem ihrer Schüler auf einem Taschentuch überreicht, damit er aufhört, sie anzuschmachten. Ziemlich krass.

Deine Filmfigur ist an Sex überhaupt nicht interessiert. Hast du dich gefreut, in dem Film keine Liebesszenen haben zu müssen?
Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert. Es hätte mir geholfen, sie zu verstehen, wenn sie einen Freund gehabt hätte. Aber der Regisseur Alejandro Amenábar sagte mir: Nein, das wäre unglaubwürdig, er hätte sie vom Arbeiten abgehalten. Da ist mir mal aufgefallen, wie sexistisch ich eigentlich denke. Niemand fragt sich ja, warum Leonardo da Vinci keine Frau und keine Kinder hatte. Er hatte halt zu tun, da akzeptieren wir das. Wir haben schon ein komisches Frauenbild.

Morgens sehe ich nicht so aus: Rachel Weisz

Hast du nach einem Vergleich zu Frauen heute gesucht?
Die einzige, die mir eingefallen ist, war Elizabeth I. Das ist aber auch schon ein paar hundert Jahre her. Sie blieb aus politischen Gründen unverheiratet und Jungfrau. Ich kenne keine Jungfrau. Du? Doch, gestern hat mir einer von einer Filmproduzentin erzählt, die mit 60 noch Jungfrau sein soll.

Deine Filmfigur hat zwar keinen Lover, aber sie ist nackt zu sehen…
Die Szene war wichtig. Davus sieht mich nackt aus dem Bad steigen, und ich nehme ihn gar nicht als Mann wahr, sondern einfach nur als Sklaven, fast nicht als Menschen.

Andere Stars hätten vielleicht ein Bodydouble gefordert.
Darüber habe ich gar nicht nachgedacht, jedenfalls im Moment.

Bereitest du dich denn mit einem besonderen Workout auf solche Szenen vor?
Auf jeden Fall. Schauspieler zu sein hat was von einem Athleten. Du kannst nicht den ganzen Tag Sahnetorte futtern. Mein Körper ist alles, was ich habe, mein Instrument. Deswegen esse ich gesund und mache Sport.

Wie schwierig ist es für dich, Job und Privatleben zu vereinen?
Ich bin nicht die erste Mutter, die arbeitet. Aber ich ziehe meinen Hut vor allen berufstätigen Muttis. Ich hab da schon Glück. Wäre ich in einer Fabrik oder einem Laden tätig, könnte mein Kind mich nicht besuchen kommen. Am Filmset geht das. Selbst beim Reisen kann ich ihn mitnehmen, weil er noch nicht zur Schule geht. Nach Cannes habe ich ihn nicht mitgebracht – es sind ja nur zwei Tage. Er ist in New York bei seinen Großeltern.

Dein Lebensgefährte Darren Aronofsky ist selbst Regisseur. Zankt ihr, wenn ihr einen Film zusammen dreht?
Jedenfalls nicht vor der Crew. Aber wir zanken uns auch so nicht viel über die Arbeit. Ich bin Schauspielerin. Ich mache am Set, was ich will.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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