'Monsieur Claude und seine Töchter' - Multikulti-Komödie mit schwarzem Humor

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Monsieur Claude und seine Töchter
Bei den Hochzeiten scheinen Claude und Marie zu verzweifeln. © dpa, Neue Visionen

4 von 5 Punkten

'Monsieur Claude und seine Töchter' ist der nächste französische Film, der auch bei uns ein großer Kassenschlager werden könnte. In Frankreich war er einer der erfolgreichsten Filme seit 'Ziemlich beste Freunde' und hat mittlerweile die zehn Millionen-Marke von Kinobesuchern geknackt. Damit gehört er schon jetzt zu den zehn meist gesehenen Filmen in Frankreich. Der Film ist als Komödie angelegt, hat aber einen ernsten Hintergrund.

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Von Irena Bauer

Monsieur Claude Verneuil, gespielt von Christian Clavier ('Asterix und Obelix gegen Cäsar'), ist unumstritten die Hauptperson des Filmes. Der sympathische Notar ist kurz vor seiner Rente und liebt seine Töchter über alles. Das einzige Problem: Drei der vier Töchter haben bei der Wahl ihrer Ehepartner in den Augen der Eltern bereits versagt, denn sie haben einen Araber, einen Juden und einen Chinesen geheiratet. Zwar betont Claude stets, er sei weder ausländerfeindlich noch antisemitisch, allerdings lässt er keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihm die Männerwahl seiner Töchter nicht zusagt. Und so fallen immer mehr Vorurteile und Klischees – über die man auch als Zuschauer herzlich lachen soll. Zugegeben, nicht erst seit der Wahl der rechtspopulistischen, französischen Politikerin Marine Le Pen in das Europaparlament könnte man die Art und Weise, wie der Zuschauer in Sachen Humor über xenophobe Klischees zur 'Komplizenschaft' genötigt wird, als heikel und nicht ohne eine gewisse Brisanz empfinden.

'Asterix und Obelix'-Star Christian Clavier überzeugt voll und ganz

Monsieur Claude und seine Töchter
Und auch der Schwiegersohn in spe kann nicht überzeugen. © dpa, A Borrel

'Immerhin' versucht die Familie trotz all der Vorurteile ihre Schwiegersöhne zu akzeptieren, doch innerlich ist die Verzweiflung groß. Keine Frage, der Regisseur verpackt die Vorurteile in witzige Alltagssituationen, allerdings bleibt stets ein bitterer Beigeschmack. Der schwarze Humor mag nicht für jeden Zuschauer geeignet sein und manch einem dürfte das Lachen im Halse stecken bleiben. Das ändert aber nichts an der hervorragenden Leistung der Darsteller: Christian Clavier spielt seine Rolle herausragend, vor allem der innerliche Zwiespalt – zwischen Toleranz und Tradition - kommt deutlich hervor. Das Gute daran ist jedoch, dass keine Nation oder Rasse als perfekt oder überlegen dargestellt wird. Selbst die Franzosen werden auf die Schippe genommen und stets beweisen die Charaktere, dass die genannten Vorurteile lediglich am Ende doch nur Vorurteile sind. Charmant lösen die Hauptfiguren ihre Konflikte und schaffen es sogar noch über sich selbst zu lachen.

Als letzte Hoffnung für den Familienfrieden bleibt am Ende aber noch die letzte Tochter, Laure (Elodie Fontan, 'Le Plus Beau Métier du monde'). Als sie ihren Verlobten der Familie jedoch vorstellt, ist das Chaos perfekt – Charles (Noom Diawara, 'Moussa') ist zwar Katholik, kommt aber von der Elfenbeinküste. Nachwuchsdarstellerin Elodie Fontan, schafft es, das Gefühlschaos zwischen den Verpflichtungen ihren Eltern gegenüber und ihrer großen Liebe Charles nachvollziehbar und emotional rüberzubringen. Keine Frage, 'Monsieur Claude und seine Töchter' braucht keine Special Effects oder raffinierte Kameraeinstellungen, um den Zuschauer zu begeistern und ist damit eine gelungene Abwechslung zu den obligatorischen Sommer-Blockbustern à la Hollywood. Und die Botschaft des Films kommt zum Schluss natürlich mehr als deutlich hervor: Es ist egal, welcher Nation oder Rasse man angehört, wichtig ist, was für ein Mensch man ist.

Kinostar 24.Juli 2014

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