"Monsieur Chocolat": Omar Sy als Clown

Monsieur Chocolat
Vom armen Schlucker zum vermögenden Dandy: Monsieur Chocolat (Omar Sy). Foto: Julian Torres/DCM © DPA

Vom französischen Maler Toulouse Lautrec wurde er gezeichnet, von Edmond Heuzé aquarelliert: Chocolat war der erste dunkelhäutige Clown in Frankreich - und eine Sensation. Zusammen mit seinem weißen Gegenpart, dem Clown George Foottit, eroberte er Ende des 19. Jahrhunderts die Zirkuswelt.

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Das Pariser Bohème-Publikum war von dem exotischen Künstler fasziniert. Doch als Chocolat auch der erste schwarze Othello auf der Theaterbühne werden wollte, scheiterte er. Seine Hautfarbe war sein Verhängnis.

"Monsieur Chocolat" beruht auf der wahren Lebensgeschichte des Sklavenjungen Rafael Padilla. Auf Kuba zwischen 1865 und 1868 geboren, flieht er als Jugendlicher aus der Knechtschaft nach Frankreich, wo er sein Geld als Tänzer und Schausteller verdient. Dann wird er von einem Zirkus in der Provinz angeheuert. George Foottit, der dort als Clown arbeitet, spielt mit ihm eine Nummer ein, die bald bekannt wird. Als Duo werden sie von dem prestigeträchtigen Pariser Cirque Nouveau engagiert.

Aus Rafael Padilla wird "Monsieur Chocolat", aus dem ehemaligen Sklavenkind ein wohlhabender Dandy, der sein Geld verspielt und vertrinkt. Er will aus seinem Klischee der Opferrolle des dummen, tölpelhaften August heraus, der dem besserwisserischen Weißclown untersteht. Er will die Welt des Theaters als erster schwarzer Othello in einer Shakespeare-Tragödie erobern, doch das Pariser Premiere-Publikum buht und pfeift ihn aus. Nicht wegen seiner Leistung - als schwarzer Clown konnte man ihn akzeptieren, als Feldherr jedoch nicht. Die Gesellschaft sei für einen schwarzen Schauspieler noch nicht reif, hatte ihn Foottit gewarnt. Krank und dem Alkohol verfallen stirbt Chocolat 1917.

Die Hauptrolle in der Komödie des französischen Regisseurs Roschdy Zem spielt Omar Sy. Der 38-jährige Komödiant hatte seinen filmischen Durchbruch mit dem Kassenhit "Ziemlich beste Freunde" geschafft. Sy ist außerdem der erste schwarze Schauspieler, der für seine Leistung in der Sozialkomödie mit François Cluzet 2012 mit dem begehrten französischen Filmpreis César als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde.

Eine politische Botschaft will der Filmemacher marokkanischen Ursprungs darin nicht sehen. Er habe mit Sy wegen seines Talents als Komödiant gedreht und nicht wegen seiner Hautfarbe, wie er kürzlich einem französischen Radiosender sagte. Für ihn sei die Rolle eine Herausforderung gewesen, erklärte auch Sy. Er sei in erster Linie Schauspieler. "Ich dachte, ich sei ein Clown, doch diese Komödie hat mich eines Besseren belehrt. Ich habe viel gelernt", gestand Sy.

Sy lehnte in dem Interview einen Vergleich zwischen den Lebensbedingungen der Schwarzen heute und damals ab. Im 19. Jahrhundert fragten sich die Weißen noch, ob die Schwarzen Menschen seien, meinte er. Dennoch räumte der Darsteller ein, dass die Welt der Kultur und Kunst nicht die kulturelle Vielfalt der Länder repräsentiere.

James Thiérrée verkörpert den Clown Foottit. Mit dem Enkel von Charlie Chaplin bildet Sy ein überzeugendes Duo. Aus der dramatischen Lebensgeschichte von Chocolat hat Zem so ein Biografie-Drama gedreht, das noch im 21. Jahrhundert nachdenklich macht.

(Monsieur Chocolat, Frankreich 2016, 110 Min., FSK ab 12, von Roschdy Zem, mit Omar Sy, James Thiérréé, Clotilde Hesme)


dpa
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