'Money Monster': George Clooney macht sich in Jodie Fosters erstem Thriller zum Löffel

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3,5 von 5 Punkten

Als Schauspielerin hat sich Jodie Foster rar gemacht in Hollywood, gab zuletzt 2013 den Bösewicht in 'Elysium'. Stattdessen hat sie sich wieder der Regie zugewandt - nach ihren drei familienzentrierten Filmen mit einem für sie ungewöhnlichen Genre: einem Thriller. Aber sie wäre nicht Jodie Foster, wenn sie nicht ein paar Dinge anders machen würde als viele Regisseure, die sonst mit so einer Story beauftragt würden.

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So macht sich George Clooney auf seinen eigenen Wunsch hin für seine Chefin auf dem Regie-Stuhl zum Löffel und legt als zynischer und selbstgefälliger Showmaster Lee Gates alberne Hip-Hop-Dance-Moves aufs Parkett. Und er sorgte auch dafür, dass er wieder zusammen mit seiner alten Freundin Julia Roberts vor der Kamera stehen konnte. Die mimt die toughe Regisseurin Patty Fenn, die mit mildem Amüsement die schludrigen Anmoderationen und windigen Finanztipps ihres Moderators weglächelt.

Die beiden machen eine Sendung, in der Lee Gates mit seinem angeblichen Insider-Wissen von der Wall Street Anlagetipps gibt. Doch eine seiner Aktien-Kaufempfehlung geht nach hinten los. Da stürmt ein Zuschauer (Jack O’Connell aus Angelina Jolies ‚Unbroken‘), der wegen Lee sein ganzes Geld verloren hat, in die Live-Show und nimmt den Showmaster kurzerhand als Geisel.

George Clooney tanzt in 'Money Monster' von Jodie Foster
George Clooney hat sichtlich Spaß bei seinen Tanzeinlagen

Obwohl die in Echtzeit erzählte Geschichte sich relativ erwartbar entwickelt und Jodie Foster nicht auf Action und Suspense um jeden Preis setzt, bleibt man doch gern bei der Sache. Das liegt zum einen daran, dass die Chemie zwischen George Clooney und Julia Roberts sogar stimmt, obwohl die beiden so gut wie nie zusammen im Bild sind und nur über einen Knopf in Lees Ohr kommunizieren. Patty sitzt während der Geiselnahme im Schaltraum und ist von Lees Studio durch eine schalldichte Glasscheibe getrennt.

Zum anderen konzentriert sich Jodie Foster, die ja selbst als Schauspielerin startete, auf die Figuren und gibt ihren Akteuren Raum, sich zu entfalten. So kann sich auch Newcomer Jack O’Connell richtig austoben und seinen leicht labilen Psychopathen vielschichtig anlegen. Das ist ein echter Gewinn. Anders als so manchem Durchschnittsthriller, in dem die Ladys oft in Bleistiftrock und High Heels in eine Falle stöckeln müssen, aus der sie der Held mit brachialer Gewalt errettet, lösen hier starke Frauen das Problem – und zwar gemeinsam.

Die Männer in ‚Money Monster‘ sind alle auf eine Weise Schwächlinge. Weil sie sich nicht nur auf die Themenkomplexe Finanzwelt und Medienbranche konzentriert, zeichnet Jodie Foster in ihren straffen 98 Minuten ein umfassendes Bild von unserer Gesellschaft. Wenn man nicht zu lange über ein paar kleine Unglaubwürdigkeiten im Drehbuch nachdenkt, wird man von diesem sauber inszenierten und angenehm unaufgeregten Thriller mit hochkarätiger und überzeugender Besetzung prima unterhalten.

Kinostart: 26. Mai 2016

Genre: Thriller

Originaltitel: Money Monster

Filmlänge: 98 Minuten

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