Moddis "Unsongs": Protestlieder als Pop verpackt

Moddi
Moddi ohne Norweger-Pulli? Kaum vorstellbar. Foto: Propeller Records © deutsche presse agentur
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"Zwölf verbotene Lieder aus zwölf Ländern" lautet der Untertitel zum neuen Album des norwegischen Indie-Musikers Pal Moddi Knutsen, kurz Moddi. Es ist eine der bemerkenswertesten, auch schönsten Platten mit Protestsongs seit vielen Jahren.

"Unsongs", das heißt Un-Lieder oder auch ungesungene Lieder - so der offizielle Titel des beim Mini-Label Propeller Records erschienenen Albums, mit dem Moddi einigen mal mehr, meist weniger berühmten politisch anstößigen Songs ein Denkmal setzt. Noch am bekanntesten dürften "Strange Fruit" (Billie Holidays Anklage gegen rassistische Morde in den USA) und "Army Dreamers" (Kate Bushs Bestandsaufnahme des Militarismus in Großbritannien) sein. Beide Songs wurden trotz aller Widerstände gegen ihre unbequemen Inhalte zu "Hits" - die Demokratie hielt sie letztlich aus.

"Punk Prayer" brachte die russische Frauenband Pussy Riot hingegen vor einigen Jahren in Putins Gefängnisse - Moddi inszeniert das antiklerikale und staatskritische "Gebet" als zarte Piano-Ballade. Auch das hier zunächst gruselig, dann hymnisch instrumentierte "The Our Worker" vom großen linken Dichter Victor Jara aus Chile dürfte noch einigermaßen populär sein. Jara wurde während des Militärputsches, der den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende stürzte, schließlich hingerichtet.

Weniger bekannt dürften hierzulande die einst verbotenen Lieder aus China, Israel, Algerien, Mexiko, Vietnam oder Palästina sein. Alle standen zumindest zeitweise in ihren Ländern auf dem Index, durften nicht öffentlich aufgeführt, im Radio gespielt oder verkauft werden.

Der 29-jährige Moddi aus dem nördlichen Norwegen war als Mitglied der "Socialist Youth" und "Young Friends of the Earth" selbst Aktivist, bevor er zum Songwriter wurde - sein Studioalbumdebüt "Floriography" erschien dann vor sechs Jahren. Nach zwei weiteren Alben sagte Moddi im Januar 2014 ein Konzert in Tel Aviv ab, um gegen Israels Palästina-Politik zu protestieren. Dies war der Impuls fur "Unsongs". Moddi erkannte, dass unterdrückte Songs selbst lange Zeit nach ihrer "Uraufführung" noch Kraft ausstrahlen, und er begann, nach solchen Liedern zu suchen. Am Ende pickte er aus über 400 Titeln ein Dutzend heraus, fand passende Arrangements und englische Texte dafür.

"Manche sagen, Musiker sollen sich aus der Politik raushalten und nur das machen, was sie können, nämlich unterhalten", sagt Moddi. "Das Argument habe ich auch gehört, als ich die Show in Tel Aviv abgesagt habe. Aber eigentlich dient das nur dazu, Musiker zu manipulieren und kleinzuhalten. Indem man sie von Politik abhält, werden Künstler machtlos gemacht. Unsere größte Waffe liegt doch darin, dass wir Menschen zum Zuhören bringen können."

Bei der Produktion seines Albums habe er "herausgefunden, dass Leute genug haben von diesem ganzen inhaltsleeren Pop", fügt der Norweger hinzu. Dass er die in wunderbar stimmigen Indie-Folk-Arrangements schwelgenden Lieder mit sensibler Stimme in der Manier eines Conor Oberst oder Teitur singt, dürfte ihrer Zugänglichkeit nicht gerade abträglich sein. Schwere politische Kost mit den Mitteln des Pop präsentiert - fast schon wieder subversiv, was Moddi da gemacht hat.

Konzerte: 6.10. Berlin, Silent Green; 7.10. Hamburg, Häkken; 8.10. Darmstadt, Bedroomdisco


Quelle: DPA
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