'Mit besten Absichten': Feelgood-Movie mit Susan Sarandon lohnt sich nicht nur für Frauen

Mit besten Absichten
Susan Sarandon (l) als allzu fürsorgliche Mutter Marnie. Foto: Sony Pictures © DPA

Menschen mit Helfersyndrom haben es nicht leicht. Denn sie können es nicht lassen, sich in alles einzumischen – und zwar "Mit besten Absichten". So lautet der Titel eines neuen Films mit Susan Sarandon in der Hauptrolle. Vor allem der grandiose Auftritt der Oscar-Preisträgerin macht diesen Kinobesuch lohnenswert.

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Sarandon spielt die allzu fürsorgliche Mutter Marnie Minervini. Die Rentnerin trauert um ihren verstorbenen Mann Joe. Doch sie will sich nicht lange mit ihrem Schmerz aufhalten. Lieber unterdrückt sie ihn. Übermütig stürzt sich Marnie in ein neues Leben. Sie zieht nach Los Angeles in die Nähe ihrer Tochter Laura, Spitzname: "Lori" (Rose Byrne), die als Drehbuchautorin arbeitet.

Schnell fällt die Mutter der Tochter auf die Nerven: mit ständigen Anrufen, Besuchen und Ratschlägen für deren Berufs- und Liebesleben. Als sich Lori von ihrer Mutter loseist, beginnt Marnie, eben alle anderen Menschen, die ihr begegnen, mit Großzügigkeit zu überschütten – selbst wenn sie sie kaum kennt. Einer Freundin der Tochter finanziert sie für tausende Dollar die Hochzeit.

Ihrem Handy- und Tablet-Verkäufer Freddy (Jerrod Carmichael) hilft sie bei der Ausbildung, indem sie ihn täglich zur Abendschule fährt – schließlich hat er kein Auto. Ihre eigenen Bedürfnisse verliert Marnie dabei aus dem Blick. Auch auf einen neuen Mann mag sie sich nicht einlassen. Bis ihr der einfühlsame Ex-Polizist Zipper (J. K. Simmons) begegnet. Denn der bringt Marnies Gute-Laune-Fassade zum Bröckeln.

Susan Sarandon, die vor nunmehr zwanzig Jahren für das Todesstrafen-Drama "Dead Man Walking – Sein letzter Gang" einen Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, bringt die Rolle dieser übermäßig liebevollen Frau zum Glänzen. Wenn Marnie aus ihrer unterdrückten Einsamkeit heraus wildfremde Menschen bemuttert, dann macht Sarandons Schauspiel aus der nervtötenden Hilfsbereitschaft der Figur eine liebenswerte Marotte. Zum Beispiel in einer Szene, in der sie spontan ein Tütchen Cannabis mampft – damit es Freddy nicht zum Verhängnis wird. So ist es Sarandons Verdienst, dass auch die absurden Szenen des Films vergnüglich anzuschauen sind.

Das Rezept des Drehbuchs ist nicht neu – aber es funktioniert: Es sind die Macken der Figuren, die sie zu sympathischen Charakteren machen. Marnies Verehrer Zipper etwa hat als Rentner begonnen, seinen Hühnern Musik vorzuspielen. Seiner Meinung nach sind sie durch die Beschallung viel glücklicher – und ihre Eier viel leckerer. Das überzeugt auch Marnie, als sie sich eines davon in die Pfanne haut. Sie verspeist es mit einer Inbrunst, wie wohl noch nie ein Spiegelei in Hollywood genossen wurde.

So kann man "Mit besten Absichten" als typisches Feelgood-Movie bezeichnen. Dem Genre getreu bedient sich der Film zwar einiger Klischees, und der weichherzige Blick, mit dem Regisseurin Lorene Scafaria die Figuren zeichnet, dürfte wohl vor allem ein weibliches Publikum berühren. Doch das Drama hält auch eine tröstliche universelle Botschaft parat: die Einsicht, dass es nur allzu menschlich ist, die Sehnsucht nach dem verlorenen Ehepartner zu kompensieren, um den Schmerz zu überwinden. Daher lohnt es sich, auch Männer in den Film mitzuschleppen.

Mit besten Absichten, USA 2015, 104 Min., FSK ab 0, von Lorene Scafaria, mit Susan Sarandon, Rose Byrne, J. K. Simmons


dpa

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