Milow: Partymusik? Das bin ich nicht!

Milow: Partymusik? Das bin ich nicht!

Interview mit Milow

Der belgische Singer/Songwriter Milow avancierte 2008 mit seiner Coverversion von "Ayo Technology" im Nullkommanichts vom Geheimtipp zum Chartbreaker. Jetzt hat Milow ein neues Album am Start. Warum es den Titel "North and South" trägt, was den typischen Milow-Sound ausmacht und ob er eine Freundin hat, verriert er im Interview.

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Von Christina Rings

Dein neues Album "North and South" ist insgesamt sehr ruhig und nachdenklich. Hattest du keine Lust auf Partysongs?

Milow: Das ist witzig, vor drei Tagen hat mich ein Journalist gefragt, ob ich mir nicht vorstellen kann, mal zu rappen oder R’n'B zu machen. Aber das bin nicht ich. Milow steht nicht für Partymusik, oder Reggae oder Rap. Das ist nicht mein Stil und dazu stehe ich auch. Wenn ich meinen Stil ändern würde, dann würde ich mich verbiegen und das will ich nicht. Auf dem Album sind viele ruhige Lieder, aber auch ein paar fröhliche. Mir wurde gesagt, dass die Übergänge von den fröhlichen zu den ernsten Liedern auf „North and South“ zu hart sind, aber ich sehe das so: Ich wollte mich bei dem Album mit Extremen und Widersprüchen auseinandersetzen – also Dingen, die unser Leben eben prägen. Licht und Schatten liegen oft nahe beieinander. An einem Tag ist alles toll und am nächsten geht alles den Bach runter. Darum habe ich überhaupt kein Problem damit, dass auch die Stimmung der Lieder auf dem Album wechselt.

Die erste Singleauskopplung „You and Me (in my Pocket)“ ist ein lustiger Song. Kannst du mal kurz beschreiben, worum es geht?

Milow: Ja, es geht darum, dass man jemanden so sehr liebt, dass man ihn am liebsten ganz für sich hätte. Dass man sich wünscht, der andere wäre ganz klein, so dass man ihn immer in seiner Tasche überall mit hinnehmen kann. Oder unglaublich dick, so dass er die Wohnung nicht mehr verlassen kann (lacht). Aber das Ganze ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint. Ich wollte mal ein lustiges Lied machen und das ist dann dabei herausgekommen. Irgendwie geht es auch darum, dass man Angst hat, jemanden zu verlieren, sich diese Angst aber nicht eingestehen will – vielleicht weil man zu stolz ist. Und es handelt davon, unsicher zu sein und vielleicht auch ein bisschen von Eifersucht. Mir kam diese Idee irgendwann, und weil ich sie total überzogen und verträumt fand, habe ich ein Lied draus gemacht.

Der Clip zu „You and Me“ ist ein cooles und innovatives One-Shot-Video. Wie viele Anläufe habt ihr gebraucht?

Milow: Genau! Wir haben so lange davon gesprochen, ein One-Shot-Video zu machen – das war ein großer Wunsch von mir. Und jetzt haben wir das endlich in die Tat umgesetzt. Aber der Dreh war natürlich sehr aufwändig. Bis es endlich losgehen konnte, mussten die Techniker die Abläufe und die Bühnenbilder zig Mal durchgehen, damit dann beim Dreh alles glatt läuft. Am Ende haben wir drei Stunden gebraucht, bis das Ding im Kasten war. Das klingt vielleicht wenig, aber wenn man bedenkt, dass das Endprodukt nur drei Minuten lang ist, kommt man schon auf eine Menge Anläufe. Auf das Ergebnis bin ich echt stolz. Ich wollte zum ersten Mal eine starke Bildsprache verwenden, die meinen Text untermalt und ich wollte, dass Szenen dabei sind, an die sich die Leute später erinnern können.

Wie kam es eigentlich zu dem Titel „North and South“?

Milow: Es geht um die politischen Umwälzungen in meinem Land. Belgien ist gespalten, der Norden und der Süden kämpfen gegeneinander und das ist ein Thema, das mich und meine Landsleute sehr beschäftigt. Als ich angefangen habe, den Song „Kingdom“ zu schreiben, der sich auch mit dem Thema beschäftigt, dachte ich: 'Wenn ich fertig bin, dann ist das wahrscheinlich gar nicht mehr aktuell'. Aber Fakt ist: Die Probleme dauern bis heute an, die Fronten sind verhärtet und keiner will nachgeben.

Es soll ja dein persönlichstes Album sein. Welche persönlichen Erlebnisse hast du in der Musik verarbeitet?

Milow: Ich würde eigentlich gar nicht sagen, dass es mein persönlichstes Album ist. Alle meine Lieder, die ich je geschrieben habe, basieren auf persönlichen Erfahrungen. Anders könnte ich das auch gar nicht machen, denn das ist es ja gerade, was den Songs ihre Seele gibt. Wenn ich mir einfach nur etwas ausdenken würde, dann könnte mich auch nicht hinstellen und sie singen – ich würde den Song einfach nicht spüren und könnte die Emotionen mit meiner Stimme nicht rüberbringen. Das Album handelt ja überwiegend von Liebe, Einsamkeit und Trennungsschmerz – und das sind Themen, die mich auch privat beschäftigt haben.

Trennungsschmerz? Bist du denn aktuell Single?

Milow: Wow, das ist eine sehr direkte Frage (lacht). Nein, ich habe eine Freundin (grinst).

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