Milow: "Ich wollte wieder bei Null anfangen"

Milow: "Ich wollte wieder bei Null anfangen"

Milow im exklusiven Interview

In den letzten Jahren ist es ruhig um Milow ('Ayo Technology') geworden. Das war allerdings eine ganz bewusste Entscheidung des Sängers. Die letzten zwei Jahre verbrachte der Belgier in Los Angeles, um an seinem neuen Album 'Silver Linings' (VÖ: 28.3.) zu arbeiten. Warum er den Abstand brauchte und er nochmal bei Null anfangen wollte, verriet er uns im exklusiven Interview.

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Von Mariana Jang

Du hast die letzten zwei Jahre in Los Angeles gelebt. Warum hast du dich dazu entschieden, deiner Heimat Belgien den Rücken zu kehren?

Milow: Ich wollt Abstand von den Leuten, die mich und meine Musik kennen. Außerdem wollte ich auch ein bisschen entspannen, weil ich mir in den letzten Jahren nie wirklich die Zeit für Urlaub genommen habe. Es ging mir richtig gut, weil niemand mich und meine Vergangenheit kannte. Ich konnte mir viele Gedanken darüber machen, warum ich überhaupt mit dem Songschreiben angefangen habe und was ich damit ausdrücken will. Ich war gerne der Außenseiter - ein Underdog - in L.A. Das hat mich auch inspiriert, neue Songs zu schreiben.

Denkst du darüber nach, wieder nach L.A. zurückzukehren?

Milow: Im Moment ist Belgien wieder meine Homebase. Aber ich würde gerne wieder zurück, weil es so ein kreativer Ort ist, um zu relaxen und Songs zu schreiben.

Du hattest 2008 deinen großen Durchbruch mit einer Coverversion von 'Ayo Technology'. Was bedeutet dir der Song heute?

Milow: Ich spiele das Lied immer noch sehr gerne auf der Bühne. Ich bin sehr stolz darauf, was ich aus der Nummer gemacht habe. Der Erfolg des Covers hat mir viele Türen geöffnet, deshalb verdanke ich dem Lied sehr viel.

'Silver Linings' ist das dritte Album, das du in Deutschland veröffentlicht hast. Wie hat sich deine Musik über die Jahre verändert?

Milow: Jedes Album hat seinen eigenen Sound. Aber ich würde sagen die wesentlichen Dinge - meine Stimme, meine Melodien und meine Akustik-Gitarre - sind in all meinen Alben gleich geblieben. Ich hoffe natürlich, dass ich mich als Songwriter weiterentwickelt habe.

Milow: Ich will die Menschen inspirieren

Dein neuer Song heißt 'We Must Be Crazy'. Was genau meinst du damit? Wer und was ist verrückt?

Milow: Es geht darum, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken, aber auch nach vorne zu schauen. Das Leben ist eine lange Verkettung von kleinen und großen Entscheidungen - wenn man zum Beispiel einen neuen Job hat, eine neue Beziehung anfängt oder eine Trennung hinter sich hat. Es gibt viele Gründe sich gegen all diese Dinge zu entscheiden. In 'We Must Be Crazy' geht es darum, es trotzdem zu riskieren. Aber jeder kann das Lied für sich selbst interpretieren, das macht es noch persönlicher.

Was war denn für dich die schwerste Entscheidung, die du in deinem Leben treffen musstest?

Milow: Ich würde sagen die Entscheidung, ein Musiker zu werden. Bevor ich Erfolg hatte, gab es mehr Gründe aufzugeben als weiterzumachen. Aber ich bin meinem Instinkt gefolgt. Deswegen hoffe ich, dass die Musik eine Inspiration für die Leute sein kann und dass sie ihr Leben auskosten.

Dachtest du manchmal darüber nach aufzuhören?

Milow: Nein, das nicht. Ich begann das Songschreiben mit 15 Jahren. Nach meinem Schulabschluss habe ich fast jeden Tag mit meiner Band geprobt, aber nichts ist passiert. Und sogar als ich 2006 mein erstes Album in Belgien veröffentlicht habe, konnte ich davon nicht leben. Ich habe trotzdem weitergemacht, weil ich die Hoffnung nicht aufgegeben habe. 2007 hatte ich dann in Belgien meinen Durchbruch mit 'You Don’t Know'. Zwei Jahre später in Europa mit 'Ayo Technology'. Da hat sich all die harte Arbeit ausgezahlt.

Du hast mal gesagt, dass du lieber traurige Musik machst. Wie kommt das?

Milow: Das wurde damals aus dem Zusammenhang gerissen. Ich finde einfach, dass fröhliche Musik oft nicht so bedeutungsvoll und tiefgründig ist. Ich mag Kunst, die einen bewegt und Emotionen hervorruft. Melancholie heißt aber nicht gleich Trauer. Das Leben ist nicht schwarz oder weiß, es gibt viele Grautöne dazwischen.

Welche Musiker hörst du denn persönlich gerne?

Milow: Gestern erst habe ich Paolo Nutinis neues Album gehört: 'Caustic Love'. Jedes Album von ihm zeigt eine große Entwicklung. Ray LaMontagne, Vance Joy, Jake Bugg mag ich auch sehr gerne. Aber da gibt es noch so viele mehr...

Vielen Dank für das Gespräch!

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