Ménage a quatre für Sienna und Keira: "The Egde of Love"

Ménage a quatre für Sienna und Keira: "The Egde of Love"

Von Mihaela Gladovic

Keira Knightley hat sich unzweifelhaft von dem androgynen Kickermädchen ("Kick it like Beckham") und der Degen schwingenden Piratenbraut („Fluch der Karibik“) zu einer der vielversprechendsten Jungschauspielerin Hollywoods entwickelt. Mit „The Edge of Love“ beweist sie nicht nur, dass ihr Kostümfilmchen am besten stehen (wie schon in „Abbitte“ oder „Stolz und Vorurteil“ bewiesen), sondern auch, dass sie es verdient hat, in die Riege der ganz Großen aufgenommen worden zu sein. Auch Sienna Millers Versuche, durch mehr als ihre Männergeschichten einen Platz in den Medien zu finden, sind souverän und niveauvoll, wie sie beispielsweise mit ihrer Rolle in Steve Buscemis „Interview“ und auch in diesem Werk von John Maybury beweist.

"The Edge of Love" erzählt die Liebesgeschichte(n) des walisischen Dichters Dylan Thomas, dessen Werke nicht nur zu seinen Lebzeiten großen Anklang fanden. Allerdings war er absolut unfähig mit Geld umzugehen: Er verschwendete sein Hab und Gut in dreckigen Pubs und trank sich 1953 im Alter von nur 39 Jahren zu Tode. Die ausführende Produzentin des Films, Rebekah Gilbertson, ist niemand Geringeres als Thomas’ Enkelin. Vor einigen Jahren fand sie ein Buch aus der Feder ihres Großvaters, in dem er die komplizierte Liebesgeschichte zwischen ihm, seiner Frau Caitlin, seiner Jugendliebe Vera Phillips und deren Gatten William Killick erzählt. In romantisierenden Bildern zeichnen Regisseur John Maybury und Drehbuchschreiberin Sherman Macdonald (übrigens Keira Knightleys Mutter) diese ménage à quatre nach und fokussieren dabei die Freundschaft zwischen Caitlin Thomas (Sienna Miller) und Vera Phillips (Keira Knightley), die aus ihrer einstigen Rivalität und ihrer beider Liebe zu Dylan entstand.

London 1941. In den U-Bahnhöfen tobt das Leben. Eigentlich zu Luftschutzbunkern umfunktioniert, singen und tanzen die Menschen dort auf provisorisch aufgebauten Bühnen. Mitten unter ihnen ist die talentierte Sängerin Vera, deren sehnsüchtigem, divenhaftem Auftreten der Soldat William (Cillian Murphy) sogleich erliegt und sie nach ihrem ergreifenden Auftritt in eine Schenke in London verfolgt. Dort hatte Vera nach einem ihrer Auftritte zufällig ihre Jugendliebe Dylan (Mathew Rhys) wiedergetroffen und trifft sich seither allabendlich mit ihm und seiner Frau Caitlin (Sienna Miller). Während Caitlin sich mit dem Soldaten anfreundet, lehnt Vera seine Annäherungsversuche ab und widmet sich stattdessen denen ihrer Jugendliebe Dylan, der trotz seiner Ehe keinen Hehl aus seiner Liebe zu anderen Frauen macht – und besonders der zu Vera. Da kommt es gerade gelegen, dass das Ehepaar aus der Wohnung von Caitlins Schwester geflogen ist, weil der volltrunkene Künstler die Toilette nicht gefunden und einfach in die Wohnung gekotzt hat.

Bei Vera untergekommen, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen auf subtilem Wege eine Rivalität, die kaum verbal ausgedrückt wird. Stattdessen finden die beiden, die noch immer in Dylan verliebt sind, eine tiefe Seelenverwandtschaft und ernsthafte Freundschaft, die zunächst nicht unter der gegenseitigen Eifersucht zu leiden scheint. Ganz im Gegenteil pflegen die drei in Veras Bleibe einen Bohème-Lebensstil, schwirren in Rauschwaden selbstgedrehter Zigaretten umeinander her. Die Szenen harmonischer und doch komplizierter Dreisamkeit werden untermalt durch die lyrische Verbalisierung von Dylans Innenwelt, die sich dem Zuschauer aus dem Off präsentiert.

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Allerdings kommen sich auch William und Vera, trotz ihrer Angst im Krieg von ihm zurückgelassen zu werden, näher. Nach einem Luftangriff auf London gibt Vera ihre Ablehnung auf und entwickelt auch zu dem jungen Soldaten eine innige und tiefe Liebe, obgleich sie noch immer an Dylan hängt. Als Vera von William schwanger wird, beschließt sie zurück nach Wales zu ziehen und nimmt das Ehepaar Thomas gleich mit. William, den sie mittlerweile geheiratet hat, muss zurück in den Krieg.

Doch auch in Wales kann das Trio seinen Problemen nicht entrinnen. Vera fühlt sich auf dem Land einsam und wieder stärker zu Dylan hingezogen. Dylan selbst verbringt seine Zeit erfolglos mit Schreiben und erfolgreich mit Trinken und Geld verschwenden. Caitlin fühlt sich von ihm alleingelassen und sucht zumindest körperliche Liebe bei anderen. Die Situation eskaliert, als William aus dem Krieg zurückkehrt.

Regisseur John Maybury erzählt diese Geschichte um Freundschaft, Liebe und Eifersucht auf unkonventionelle Wiese und verwebt viele Konstellationen und Konflikte zu einer in sich stimmigen Geschichte, selbst wenn er dabei manchmal droht den Faden zu verlieren. Leider kann er der Beziehung zwischen Vera und William nicht die Atmosphäre verleihen, die er zwischen den anderen dreien erzeugt. Dadurch geht Cillian Murphys hervorragendes Spiel zeitweise unter, dafür wird ihm aber zum Höhepunkt des Filmes hin genügend Zeit eingeräumt, zu zeigen, dass diese Rolle mit ihm fabelhaft besetzt wurde.

Wenn man es denn Höhepunkt nennen kann. Denn auch das ist ein weiteres Manko des Films: Vor allem ab dem Ortswechsel plätschert „The Edge of Love“ ein bisschen vor sich hin und kann den Spannungsbogen nicht so recht halten. Erst zum Ende hin kommt mit einem Wendepunkt wieder Fahrt auf. Getragen wird der Film allerdings von den fantastischen darstellerischen Leistungen aller vier Protagonisten, die ihm den nötigen Charakter verleihen, um sich als Zuschauer auf diese Liebesgeschichte einzulassen. Vor allem aber die Bilder sind – wenn auch teilweise unsauber geschnitten – wunderschön und romantisch fotografiert. Für Liebhaber sensibel und lyrisch erzählter Filme ist „The Edge of Love“ ein Gedicht.

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