Mehr Penisse und Peinlichkeiten: 'The Hangover Part II'

3.5 von 5 Punkten

Niemand hätte mit diesem Erfolg gerechnet: Mittlerweile hat ‚The Hangover’ (2009) schon fast Kultstatus. Da war es selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis das chaotische Wolfsrudel auf die Leinwand zurückkehrt. Jetzt sind Stu ( Ed Helms), Phil (Bradley Cooper), Alan (Zach Galifianakis) und Doug (Justin Bartha) wieder gemeinsam auf Sauftour und zelebrieren Stus Junggesellenabschied und seinen Hang zu Prostituierten – und das in der wahrscheinlich einzigen Stadt, die es mit Las Vegas aufnehmen kann: Bangkok! Das bietet zwar keine Überraschungen mehr, ist aber dennoch unterhaltsam.

Nachdem Stu seine kontrollsüchtige Zickenfreundin im ersten Teil vor versammelter Mannschaft zum Teufel gejagt hat, steht nun seine Hochzeit mit der thailändischen Schönheit Lauren (Jamie Chung) in ihrer Heimat an. Weil der Vegastrip von einem unvorstellbaren Durcheinander und einem Mordskater überschattet wurde, will Stu seinen Junggesellenabschied einfach beim Brunch mit Pfannkuchen und O-Saft feiern. Schließlich kann der Chaotentrupp ihn doch noch zu einem (!) Bier am thailändischen Strand überreden und schon nimmt das Unglück seinen Lauf…

Die Jungs wachen total verkatert in einem versifften Hostel in Bangkok auf und haben keine Ahnung, wo sie sind und was passiert ist. Alan hat keine Haare mehr auf dem Kopf, dafür prangt ins Stus Gesicht ein Mike-Tyson-Gedächtnistattoo. Neben einem Drogen dealenden, Kette rauchenden Kapuzineräffchen finden die drei noch einen abgehackten Finger und einen alten Bekannten. Bloß der kleine Bruder der künftigen Braut (Mason Lee legt ein souveränes Debüt hin) ist unauffindbar.

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Hangover 2: Zach Galifianakis in Bestform

Sie sehen also schon: Der zweite Teil unterscheidet sich nicht allzu sehr vom ersten. Ganz im Gegenteil: Die Erzählstruktur mitsamt den prägnanten Kameraeinstellungen (z.B. die extreme Totale, bei der im Zeitraffer die Nacht über Bangkok zum Tag wird, oder die Kamerafahrt durch das völlig zerstörte Zimmer der Jungs) ist eigentlich fast 1:1 vom ersten Teil kopiert. Der Tiger wird durch einen (wesentlich witzigeren und putzigeren) Affen ersetzt, statt Zahnlücke hat Stu ein Tattoo und statt eine Stripperin zu heiraten… ach, sehen Sie selbst.

Trotz der etwas geringeren Gagdichte bietet ‚Hangover Part 2’ dennoch dreckige und derbe Momente, die diesmal noch weiter unter die Gürtellinie gehen. Davon bekommt man zwar keinen Bauchmuskelkater, aber Lachen kann man dennoch mehr als bei so manch anderen Hollywoodkomödien. Das liegt vor allem daran, dass die Dialoge und Reaktionen der einzigartigen Charaktere niemals konstruiert wirken oder so, als sei ein Witz lediglich um des Witzes selbst Willen geschrieben worden. Vor allem der wie immer urkomische Zach Galifianakis als realitätsfremder Alan und Ed Helms als herrlich cholerischer Stu stehlen dem Rest des großartigen Casts ganz klar die Show.

Dass Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips (‚Hangover’ ‚Stichtag’) seine Fortsetzung ganz genauso gestrickt hat wie den Vorgänger, ist durch den Hauch Selbstironie, den das Ganze mit sich bringt, eigentlich sogar selbst ein bisschen lustig. Vielleicht war er aber auch einfach nur faul. Denn eine Sache bringt dann doch gewaltig Punktabzug: Wie gern hätten wir diesmal auch Doug (der im ersten Teil verschüttet ging) in Aktion gesehen. Aber nein, das hat Phillips wohl nicht ins Erfolgsrezept gepasst. Oder er hatte keine Lust, die etwas blasse Figur auszuarbeiten, weswegen wir auch diesmal mehr oder weniger auf Justin Bartha verzichten müssen. Schade, denn vielleicht hätten wir dann doch noch etwas Neues zu sehen bekommen.

Von Mihaela Gladovic

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