Meadow Walker gegen Porsche: Hat ihre Klage eine Chance?

Meadow Walker gegen Porsche: Hat ihre Klage eine Chance?
Meadow Walker und ihr Vater Paul auf einem alten Schnappschuss © twitter.com/RealPaulWalker

Fast genau ein Jahr und zehn Monate liegt der tragische Unfalltod Paul Walkers nun zurück - und noch immer will keine Ruhe um den "Fast & Furious"-Star einkehren. Nun ist es Walkers Tochter Meadow, die den Fall neu aufrollen lässt: Die 16-Jährige verklagt Porsche, den Hersteller des Sportwagens, in dem Walker und sein Kollege Roger Rodas am 30. November 2013 ums Leben kamen.

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Nach Paul Walkers Tod

"Mit großem Widerwillen" habe Meadow Walker die Klage eingereicht, sagte ihr Anwalt Jeff Milam der Webseite "etonline.com": "Sie ist ein Teenager-Mädchen, das immer noch versucht, den Tod ihres Vaters zu verarbeiten." Ob der Weg vor das Gericht zu diesem Zweck der richtige ist, wird sich zeigen müssen. Vergangenes Jahr hatte bereits Rodas' Witwe Kristine Klage eingereicht - einige Punkte wurde abgewiesen, andere zum Hauptverfahren zugelassen. Ein Prozess kann sich lange ziehen.

 

Was wirft Meadow Walker Porsche vor?

 

Kurz gefasst lautet der Vorwurf: Paul Walker sei aufgrund von Mängeln an seinem Porsche Carrera GT ums Leben gekommen. Schon der Crash als solcher sei möglicherweise Folge schlechter Ausstattung des Modells gewesen, heißt es in den von Walkers Anwalt eingereichten Gerichtsdokumenten: Der Carrera GT habe eine "Historie von Instabilität und Kontrollproblemen" gehabt. Mit einem in vielen anderen Modellen üblichen elektronischen Stabilitätsprogramm wäre der Wagen eventuell nicht verunglückt, meint Meadow Walkers Anwalt.

Noch drastischer fällt die zweite Anschuldigung aus. Walker sei nach dem Crash noch am Leben gewesen, wird in der Klage betont. Aber der Sicherheitsgurt habe den Star mit enormer Kraft in den Sitz gedrückt, ihm Rippen und Becken gebrochen und so eine Flucht aus dem Wrack unmöglich gemacht - obwohl es mehr als eine Minute gedauert habe, bis das Auto Feuer fing und obwohl der Star noch lebte: "Paul Walker hat Ruß in seine Luftröhre geatmet, während der Porsche Carrera GT brannte." Generell wird in der Klage mangelnder Schutz der Insassen gegen Feuer beanstandet.

 

Wo liegen die Unterschiede zu Kristine Rodas Klage?

 

Meadow Walkers Klage kommt spät. Schon vor anderthalb Jahren war Rodas' Witwe vor Gericht gezogen. Ihre Klage lautete allerdings etwas anders. Neben Schäden an der Radaufhängung in Walkers Auto gebe es ein grundlegendes Problem mit dem Porsche Carrera GT: Das Modell sei ein "Rennwagen" - und habe nicht die notwendigen Sicherheitsmerkmale wie eine Crashzelle und einen für den Rennsport optimierten Tank, lautete Rodas Argumentation. Ihre Anwälte zweifelten außerdem die von der Polizei ermittelte überhöhte Geschwindigkeit zum Unfallzeitpunkt an.

 

Was sagt der Polizeibericht?

 

Monatelang, bis zum März 2014 waren Polizeiexperten im Einsatz, um die Unfallursache herauszufinden. Ihr Ergebnis: Hartnäckigen Spekulationen zum Trotz war es kein technischer Defekt, der Rodas die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren ließ. Stattdessen kämen wohl nur überhöhte Geschwindigkeit und abgefahrene Reifen als Unglücksursache in Betracht. Mit 150 Kilometern pro Stunde seien Rodas und Walker unterwegs gewesen - deutlich mehr als erlaubt. An den Systemen des Porsche sein kein Fehler auszumachen gewesen.

 

Was sagt Porsche zu den Vorwürfen?

 

Zu der gerade erst publik gewordenen Klage Meadow Walkers hat sich der Autobauer noch nicht geäußert. Aber bereits vergangenes Jahr reagierte Porsche im Prozess auf die Anschuldigungen Kristine Rodas'. Das Fazit: Eine Mitschuld weist Porsche von sich, er sieht einen Fahrfehler als Unfallursache. Der Carrera GT sei kein Rennwagen - und kein Fahrer könne sinnvollerweise Sicherheitsmerkmale wie bei einem Auto aus dem Rennsport erwarten. Zudem habe Rodas nicht einmal erklären können, welcher vermeintliche Fehler am Auto genau den Unfall verursacht haben sollte und ob die Radaufhängung noch ein Originalteil war.

 

Ein Vorzeichen: Wie steht es um Rodas' Klage?

 

Bereits im September 2014 gab es einen ersten Gerichtsentscheid zur Klage Roger Rodas' Witwe. Komplette Klarheit hat er aber nicht gebracht. Ein Richter wies die Kritik an einer nicht-rennwagen-gerechten Sicherheitsausstattung zwar zurück - Porsche habe die Kunden nicht bezüglich der Sicherheit hinters Licht geführt und auch ein schnelles Auto sei auf der Straße anders zu fahren, als auf einem Rennkurs. Aber er ließ auch einige Klagepunkte zum Hauptverfahren zu. Legitime Ansatzpunkte für einen Prozess sah er mit Blick auf Kritik am Aufbau der Radaufhängung, der Crashzelle und des Tanks. Entschieden ist noch nichts.

 

Fazit: Hat Meadow Walkers Klage eine Chance?

 

Durchaus möglich ist, dass Meadow Walkers Anwälte bereits Schlüsse aus dem Fortgang von Kristine Rodas' Klage gezogen haben und ihren Entwurf optimiert haben. Und in den USA gab es durchaus einige Fälle von erfolgreichen Klagen wegen allgemeinen "Designfehlern" an Autos. So wurde etwa Chrysler im April zur Zahlung von 150 Millionen Dollar an die Familie eines bei einem Auffahrunfall getöteten Kindes verurteilt - wegen eines schlecht platzierten Tanks sei der Autobauer haftbar, hieß es damals. Was die Gerichte in Paul Walkers Fall befinden, scheint aber unklar. Noch im Polizeibericht hieß es immerhin, Walker und Rodas seien wegen eines Fahrfehlers gestorben - nicht wegen eines technischen Defekts.

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