Maxim im Interview: "Sch*** drauf, ob ich Geld verdiene"

Maxim Richarz
Sänger Maxim musste sich erst einmal eingestehen, dass er NUR Musik machen möchte.

'Meine Soldaten'-Sänger kann von der Musik ordentlich leben

Auf dem Boden geblieben, locker und mit dem Herzen dabei: Singer-Songwriter Maxim weiß mittlerweile genau, was und wohin er will. Mit dem ruhigen Ohrwurm 'Meine Soldaten' gelang ihm 2013 der Durchbruch und sein Album 'Staub' kletterte bis auf Platz 10 der deutschen Album-Charts. Im RTL-Interview sprach er über seine Karriere-Anfänge, was ihn beeinflusst und was hinter seinem neuen Song 'Haus aus Schrott' steckt - oder eben auch nicht.

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von Alexandra Hinske

Nach einem aufregenden Jahr 2013 hast du dir im Januar erst einmal eine Auszeit genommen und bist nach Vietnam geflogen. Bist du denn jetzt wieder fit, um durchzustarten?

Maxim: Leider bin ich im Flugzeug erst einmal krank geworden. Ich hatte nämlich so eine schöne Reise mit kreischenden Kindern um mich herum, die alle krank waren. Aber jetzt bin ich wieder fit, erholt und kann durchstarten (lacht).

Apropos Durchstarten: 'Meine Soldaten' war 2013 dein Durchbruch in den Charts. Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Maxim: Eigentlich hat sich mein Leben gar nicht verändert. Allerdings lohnt sich alles, was ich vorher gemacht habe, jetzt auch.

Hat es das vorher nicht?

Maxim: (lacht) Nein, vorher bin ich immer gerade so über die Runden gekommen und musste das vor mir selbst rechtfertigen: "Ja, ein Jahr, ein Jahr, ein Album mach ich noch. Dann mal gucken." Jetzt hat es geklappt und da fällt viel Last von einem ab. Aber das Leben an sich … ich wohne immer noch in derselben Wohnung, habe immer noch dieselben Freunde, dieselben Eltern. Insofern (lacht).

Kannst du denn mittlerweile von der Musik leben?

Maxim: Ja, jetzt kann ich ordentlich davon leben.

Dabei bist du ja schon über Umwege zur Musik als Beruf gekommen, hast zunächst studiert und eine Ausbildung angefangen …

Maxim: Ich habe aber schon immer Musik gemacht und bin zweigleisig gefahren. Ich wollte schon immer Musiker werden. Am Anfang habe ich mich aber nicht getraut zu sagen: "Hey, ich will nur noch Musik machen. Scheiß drauf, ob ich Geld verdiene oder nicht." Das hat etwas gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass das einfach notwendig ist.

Deine Songs sind eher ruhig und neigen zur Melancholie. Bist du privat auch ein ruhiger und nachdenklicher Typ?

Maxim: Sicherlich bin ich ein nachdenklicher Mensch. Ich bin auch albern und alles, was andere Menschen auch sind. Der Unterschied ist aber, dass ich sehr viel Zeit dafür brauche, einen Song zu schreiben. Dann sitze ich alleine im Zimmer und denke nach. Denken ist nicht immer etwas, das einen zur großen Party verleitet. Desto länger man nachdenkt, desto dunkler und melancholischer erscheinen Dinge teilweise. Wenn man darüber schreiben will, dass man mit Freunden saufen geht, dann müsste man wohl mit Freunden saufen gehen und gleichzeitig schreiben (lacht). Mir selbst gefällt fröhliche Musik aber auch nur selten.

"Am Ende ist man immer noch genauso schlau wie davor"

Redakteurin mit Sänger Maxim
Stand Redakteurin Alexandra Hinske Rede und Antwort: 'Meine Soldaten'-Sänger Maxim

Du hast zunächst eher Reggae-Musik gemacht, bevor du mehr ins Pop-Genre gewechselt bist.

Maxim: Ja, das war einfach eine Lebensphase. Vorher habe ich viel Hip-Hop gehört und war Breakdancer. Während eines Aufenthalts in der Karibik habe ich mich total in die Reggae-Musik verliebt und dachte mir, das kann man auch auf Deutsch machen. Trotzdem habe ich relativ früh gemerkt, dass ich nicht für immer Reggae machen werde. Schritt für Schritt hat sich meine Musik davon wegentwickelt und irgendwann musste ich mich entscheiden: will ich Reggae noch mit reinbringen oder mache ich wirklich einen Cut? Leider ist es so, dass die Welt irgendwie immer in Sparten funktioniert. Wenn du also nicht nur als Reggae-Künstler wahrgenommen werden willst, musst du einen harten Cut machen. Das haben wir getan und das war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Für dein aktuelles Album 'Staub' hast du auch mit Judith Holofernes zusammengearbeitet. Wie kam es denn zu dieser Kombination?

Maxim: Ich habe mir gewünscht, jemanden zu haben, der noch einmal über die Songs drüber schaut. Beim Schreiben ist man schnell in einer Art Tunnel gefangen und sieht bestimmte Sachen nicht mehr. Manche Songs schreibt man einfach so runter, das dauert einen Tag und man weiß, da will ich nichts mehr ändern. Dann gibt es aber auch welche, an denen sitze ich wochenlang, aber irgendwie werden die nicht fertig. Da ist es gut, eine andere Perspektive zu bekommen. Allerdings sollte das jemand sein, dem ich auch zuhören würde. Für mich ist das Vertrauenssache. Deswegen ist jemand gut, der oder die selbst tolle Lieder geschrieben hat und wirklich eine Künstlerin der Worte ist. Der vertraue ich auch, wenn sie sagt: "Mach das mal so."

'Meine Soldaten' handelt für viele von der Zeit nach einer Trennung …

Maxim: Das sagst du (grinst). Grundsätzlich ist das auch richtig, aber es passt zum Beispiel genauso, wenn jemand gestorben ist. Zudem habe ich viele unterschiedliche Nachrichten von Leuten bekommen, die das teilweise auch ganz anders sehen. Da sind Geschichten bei, bei denen ich selbst auch sehr überrascht war. Einigen hat der Song wegen ihrer Drogensucht aus der Seele gesprochen, zum Beispiel Alkoholikern. Dass der Song auch zu diesen Situationen passt, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Aber es passt perfekt.

Deine neue Single 'Haus aus Schrott' ist im Vergleich zu 'Meine Soldaten' etwas fröhlicher, aber auch noch philosophisch interpretierbar. Welche Message möchtest du deinen Fans damit nahelegen?

Maxim: Der Song ist eines meiner Lieblingslieder auf dem Album. 'Haus aus Schrott' spricht komplett in Bildern und erklärt nichts (lacht). Genau das möchte ich auch in Zukunft schaffen, denn ich finde es toll, wenn man es schafft, so etwas durchzuziehen. Grundsätzlich geht es in dem Song um die Wahrnehmung. Wie man die Dinge, die man hat, wahrnimmt. Es kommt von innen wie man etwas findet, hat etwas mit der Einstellung zu tun oder mit den Hormonen. Deswegen habe ich den Song auch geteilt. In der zweiten Hälfte wird zwar das Gleiche beschrieben wie in der ersten Hälfte, während es dort aber total schön und toll klingt, klingt es in der zweiten Hälfte ganz furchtbar. Manchmal muss man nicht die äußere Welt ändern, wenn man unglücklich ist, sondern die innere.

Das sagt sich so leicht "Es muss von innen kommen". Hast du ein paar Tipps wie dir das immer gelingt?

Maxim: Nein, überhaupt nicht (lacht). Am Ende des Songs ist man immer noch genauso schlau wie vor dem Song.

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