Max Raabe im exklusiven Interview

Max Raabe im Interview über seine neue CD "Für Frauen ist das kein Problem"
Max Raabe im Interview: "Wir nehmen die Musik ernst, uns hingegen weniger" © Moritz Künster

"Wir nehmen die Musik ernst, uns hingegen weniger"

Sie feiern große Erfolge im Ausland, vor allem in USA und Asien. Erklären Sie sich diesen Erfolg durch die Musik an sich – oder durch das Palast Orchester und Sie als Gesamtkunstwerk?

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Alles drei zusammen. Das Orchester ist sehr genau, wir feilen an jeder Phrase. Die Kompositionen sind gut. Wir haben vielleicht auch den guten Geschmack, die richtigen Stücke auszusuchen, die in Deutschland und Amerika funktionieren. Unser Erfolg hat vor allem mit den Kompositionen und den guten Arrangements zu tun. Und damit, dass wir die Stücke sehr ernst, uns hingegen weniger ernst nehmen. Dann kommt noch die Musikalität dazu und wie ich das singe, all das sind kleine Bausteine.

Reagiert das Publikum je nach Nation unterschiedlich?

Die Amerikaner reagieren unglaublich deutlich, als würde jemand bei einer Sitcom die Lacher hochdrehen. In Italien und England auch. In Deutschland reagieren die Leute viel verhaltener. So bin ich auch, ich amüsiere mich wie Bolle auf einem Konzert, weiß aber, dass ich nicht einen Lacher von mir gegeben habe. Wäre das Publikum nur mit Leuten wie mir besetzt, wäre das vermutlich der Suizid für jeden Künstler.

Sie haben in Israel gespielt, vor deutschstämmigen Juden. In der Filmdokumentation zu Ihrer Tournee sagten Sie, dass die Musik, die Sie spielen, nicht „unschuldig“ sei, weil sie aus einer sehr dunklen Zeit in Deutschland stammt. Hat es besondere Überwindung gekostet, in Israel vor diesem doch sehr besonderen Publikum zu spielen?

Vielleicht wäre es besser gewesen zu sagen, dass die Musik an sich unschuldig ist, sie hat nur ihre Unschuld für uns verloren. Das ist ein verflixt deutsches Thema. Da haben es die Engländer und Franzosen leichter, die können ihr ganzes Repertoire ausschöpfen. Bei uns ist selbst in der Zeit zwischen 1933 und 1945 gute Musik geschrieben worden, aber sie hat immer einen Beigeschmack.

Haben Sie sich in Israel als Botschafter gesehen?

Botschafter ist zu viel. Ich bin Musiker, der dieses Repertoire spielt und nachdem viele Leute zu mir gesagt haben, fahr damit doch mal nach Israel, habe ich das getan. Eigentlich hätte man zehn Jahre früher fahren sollen, dann hätte man noch mehr Zeitgenossen gefunden. Aber es war immer noch früh genug, es waren viele da. Auch viele junge Leute, die gerade wiederentdecken, dass sie ihre Wurzeln in Deutschland und Österreich haben. Sie hatten immer so eine Sehnsucht in sich, die sie aber gar nicht so genau definieren konnten - und auf einmal waren sie ganz berührt davon, uns dort auf der Bühne zu sehen.

Wie kommt ein Junge aus Lünen aus einer Bauernfamilie auf die große Bühne?

Ich war Messdiener und habe auf bunten Abenden gesungen, dabei den Hochzeitszylinder meines Vaters aufgesetzt und „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“ gesungen. Später bin ich nach Berlin gegangen und habe mein Studium damit finanziert, dass ich Lieder der 20er-Jahre gesungen habe. Damit war ich so erfolgreich, dass ich nicht an die Oper gegangen bin, sondern mit dem damals schon gegründeten „Palast Orchester“ Musik gemacht habe.

Haben Sie als Jugendlicher auch Popmusik gehört?

Mein Bruder ist vier Jahre älter und hat alles gehört, von Jethro Tull bis Kraftwerk. Ich fand das auch alles immer klasse und habe mitgehört, ich habe mir aber nie eigene Musik gekauft. Ich hatte nebenbei immer mein privates Vergnügen mit Schellackplatten, die ich mir nach und nach gekauft hatte. Ich war irgendwie von der Atmosphäre darauf merkwürdig berührt.

Sie gehen ab Februar wieder mit dem „Palast Orchester“ auf Tour. Wie bereiten Sie sich darauf vor und was können wir auf der Tour erwarten?

Ich bereite mich vor, indem ich mir Moderationstexte ausdenke. Es werden Stücke der neuen Platte „Für Frauen ist das kein Problem“ ins Programm eingebaut, zusammen mit dem Repertoire der Zwanziger Jahre.

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