Matt Berry: Barock-Pop im Großformat

Matt Berry
Ein kurzer Moment der Ruhe: Matt Berry. Foto: Ben Meadows © deutsche presse agentur
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Ein klarer Fall von Multitalent: Der Brite Matt Berry ist nicht nur ein sehr bekannter Schauspieler, sondern auch ein brillanter Songschreiber und Sänger.

Berrys markante Stimme ziert zahlreiche Werbe-Jingles, als Darsteller ist der 42-Jährige zumindest in der Heimat hochberühmt und preisgekrönt für exzentrische, oft komische TV- und Filmrollen. Und damit zurück zur Musik. Denn die ist auf seinem neuen Album "The Small Hours" (Acid Jazz/Pias/Rough Trade) alles andere als "zweite Geige".

Berry hat hier mit einer ansehnlichen Riege von Bandmusikern (The Maypoles) und Gästen ganz bewusst etwas Großes geschaffen. Eine Platte im Bombast-Stil der späten 60er Jahre und frühen 70er Jahre, angelehnt an den Psychedelic-Folk oder Barock-Pop jener Zeit, beeinflusst von Songwritern wie Scott Walker, Bill Fay, Arthur Lee (Love) oder Pete Townshend (The Who).

Da säuseln Chöre, Orgeln wabern, allerorten erklingen folkig-entrückte Flöten und drogige Gitarrensoli, und überhaupt liegt eine schöne Retro-Patina über den Songs. In "Night Terrors", einem zehnminütigen Orchestral-Jazz-Track, zeigt sich, dass Berry viel Miles Davis gehört hat (vermutlich auch dessen legendären Soundtrack "Fahrstuhl zum Schafott"). "Lord Above" verquirlt dagegen - echt schräg! - Motown-Soul und Mariachi-Trompeten.

So ist dieses Album ein Schaufenster für die auch musikalisch zahlreichen Interessen und Talente des Matt Berry, ohne zerfasert und beliebig zu wirken. Eine Überraschung des Pop-Herbstes.


Quelle: DPA
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