'Marmaduke': Nach 15 Minuten ist die Luft raus

'Marmaduke' stiftet überall nur Chaos

'Marmaduke': Nach 15 Minuten ist die Luft raus

Eigentlich ist Marmaduke eine gute Partie: Er ist groß, breitschulterig, Surfer-Typ, kann gut tanzen. Außerdem besitzt er einen ausgeprägten Sinn für Mode. Nein, hier geht es nicht um Brad Pitt’s neue Filmrolle, sondern um einen Hund. Genauer gesagt eine Dogge - die Hauptfigur der Comicverfilmung ‚Marmaduke’. Leider stiftet Marmaduke überall nur Chaos. Klar, dass er in der Hundegesellschaft nicht gerade beliebt ist - bei den Kinogängern sieht das nicht anders aus. Denn wer beim bloßen Anblick des sabbernden Vierbeiners nicht in Euphorie verfällt, ist nach 15 Minuten gelangweilt.

Regisseur Tom Dey (‚Zum Ausziehen verführt’, ‚Showtime’) bringt mit ‚Marmaduke’ eine US-Kultfigur in die Kinos. Die tollpatschige Riesen-Dogge unterhielt bereits Leser von 600 Zeitungen in mehr als 20 Ländern. Jetzt erzählt der sprechende Hund (deutsche Synchronstimme Christian Ulmen, englischer Sprecher Owen Wilson) seine Geschichte auf der Leinwand.

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Streckenweise wird die Geduld der Kinogänger auf die Probe gestellt

Alles beginnt mit einem Umzug. Marmadukes Besitzer ziehen von Kansas nach Kalifornien. Während die Kinder der Familie Winslows ihre Freunde vermissen, kämpft Marmaduke mit versnobten Vierbeinern im Hundepark. Die Dogge passt zu ihren kalifornischen Artgenossen ungefähr so gut wie ein Pickelgesicht in die coolste Clique der High-School. Trotzdem will sie nichts mehr als dazugehören.

Überraschenderweise fühlt sich auch ein weniger großer Hundeliebhaber bis hierhin nett unterhalten: Die Dialoge können mit guten Animationsfilmen mithalten, die Gags sind witzig und die Leistung der Schauspiel-Doggen George und Spirit ringt einem Anerkennung für die Tiertrainer ab. Doch dann – die „Überdosis Hund“.

Nachdem sich Marmaduke lange genug mit seiner Outsider-Freundin Lucy (deutsche Sprecherin Nora Tschirner, englische Stimme Emma Stone) abgegeben hat, verschafft er sich mit einer Lüge Anerkennung. Und siehe da – er avanciert zum coolsten Hund der Nachbarschaft. Spätestens jetzt hat man sein Wissen über Hunderassen um ein Vielfaches erweitert. Hundehasser haben mittlerweile fluchtartig den Saal verlassen, und selbst eingefleischte Wauwau-Fans wünschen sich sehnlichst ein menschliches Gesicht auf die Leinwand. So entzückend die Vierbeiner ihre Rollen auch spielen – ein Gesicht ohne Sabber und Haare ist zwischendurch sehr erholsam.

Seinen neugewonnenen Star-Status unterstreicht Marmaduke mit einem Sieg beim lokalen Surf-Wettbewerb für Hunde. Eine Szene, bei der auch schläfrige Kinobesucher wieder wach werden, denn die wellenreitende Riesendogge ist ein Anblick für Götter. Natürlich hält Marmadukes Höhenflug nicht lange an. Seine Lüge fliegt auf, und er hat alle Pfoten voll zu tun, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.

Alles in allem hält ‚Marmaduke’ den einen oder anderen Lacher parat. Wer keine Hunde mag, sollte den Film lieber meiden. Allerdings wird streckenweise selbst die Geduld von Hundefans auf die Probe gestellt. Im Vergleich zur liebevollen Erzählung von ’Marley und ich’ wirkt die Story eher platt, aber wenigstens beeindruckt eine Horde Vierbeiner mit schauspielerischem Talent. Technisches Geschick legen die Macher in der Schlussszene an den Tag. Marmaduke und Co. liefern eine Tanzeinlage, die den Blues Brothers Konkurrenz machen könnte, und Chaos-King Marmaduke beweist: Er ist eben doch ne gute Partie.

Von Leonore von Papp

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