Mario Adorf: Der Makel unserer Geschichte

Mario Adorf (83) plädiert dafür, die Vergangenheit nicht zu vergessen.

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Gegen das Vergessen!

Für seinen neuesten Film schlüpfte der berühmte Schauspieler ('Gegengerade') in die Rolle eines jüdischen KZ-Überlebenden, der als Überlebensstrategie jahrzehntelang seine Vergangenheit verdrängte. Jetzt, an seinem Lebensende, scheint er bereit für die Konfrontation mit der Vergangenheit. Für Adorf ist es unerlässlich, Filme über die Vergangenheit zu drehen, damit diese nicht in Vergessenheit gerät: "Wir dürfen diese Zeit weder vergessen, noch verdrängen. Es ist ein Makel unserer Geschichte, der uns anhaftet", berichtete er in einem Interview mit 'filmreporter.de'.

Menachem Teitelbaum, die Hauptfigur des Films, ist ein komplexer Charakter, der in ein komplexes Thema eingebunden ist. Vor der komplizierten Rolle und dem schweren Stoff hatte Adorf jedoch keine Scheu: "Nein, meine Annäherung an die Rolle war nicht von der Verantwortung gegenüber der großen Thematik bestimmt. In dem Moment, in dem eine Rolle auf mich zukommt, handelt es sich um eine konkrete Sache. Das heißt, ich lese das Drehbuch und überlege, wie ich die Rolle spielen soll. Schauspielerei ist kein großes Geheimnis. Ich hatte eine ganz klare Aufgabe, und zwar eine Figur zu spielen. Was den Stoff angeht, so handelt es sich um Dinge, die ich auch erfahren habe und die Teil von mir sind", erläuterte er.

Adorf selbst erlebte als Kind während des zweiten Weltkrieges die Bombenangriffe der Alliierten. Mit 13 Jahren stand er in einer NS-Führerschule und sollte sich im Zuge des Hitler-Attentats freiwillig zum Dienst an der Waffe melden. Er gestand, dass er sich - statt einer Weigerung - zur Marine meldete. Als Junge habe er damals kein politisches Bewusstsein gehabt. Die Entscheidung war lediglich von der "kindlichen und romantischen Vorstellung vom Leben auf See" bedingt.

Trotz der Gefahr des Überdrusses sei es laut des Schauspielers unabdinglich, dass Filme wie 'Der letzte Mensch' gezeigt würden, erklärte er bereits in einem früheren Interview mit 'kurier.at'. Die Erinnerung an die Vergangenheit beuge einer Wiederholung vor: "Es gab sicher eine Zeit, wo etwa beim Fernsehpublikum eine gewisse Müdigkeit eintrat und die Leute fanden, dass sie schon genug über dieses Thema wissen und es nicht mehr sehen wollen. Umgekehrt wurde in den ersten zehn Jahren nach dem Krieg der Holocaust komplett tot geschwiegen. Meines Erachtens liegt die Berechtigung für 'Der letzte Mensch' darin, zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert", plädierte Mario Adorf.

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