'Marie Curie'-Regisseurin Marie Noëlle im Interview über ihre Faszination für die Forscherin

Marie Noëlle
Marie Curie hat Marie Noëlle schon als junges Mädchen beeidndruckt. Foto: Ursula Düren © deutsche presse agentur
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Die Regisseurin Marie Noëlle zeigt in ihrem neuen Werk die Wissenschaftlerin Marie Curie von einer unbekannteren, privaten Seite. "Ich bin restlos beeindruckt von ihrer Aufrichtigkeit", erklärte Noëlle im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Darin erläutert sie auch, warum Curie (1867-1934) ihrer Zeit auch auf anderen Gebieten voraus war. Im Film verkörpert Karolina Gruszka die Forscherin polnischer Herkunft, die 1903 den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung der natürlichen Radioaktivität zusammen mit Antoine Henri Becquerel und Pierre Curie sowie 1911 den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung des Radiums gewann.

Frage: Marie Curie ist eine legendäre Wissenschaftlerin, die mit ihren Radioaktivitätsstudien weltberühmt wurde. Was hat Sie persönlich an Marie Curie fasziniert?

Antwort: Die legendäre Forscherin Marie Curie hat mich als junges Mädchen fasziniert. Sie hatte es geschafft, durch ihre Intelligenz und ihr Können die fast rein-männliche Welt der Wissenschaft zu überzeugen. Sogar der für seine frauenfeindlichen Sprüche bekannte Albert Einstein bekundete seine Bewunderung für ihr Genie. Heute bewundere ich die Freiheit ihres Geistes. Sie ließ sich weder von den Konventionen ihrer Zeit noch von irgendeiner Art von Vorteilsdenken beeinflussen. Ich bin restlos beeindruckt von ihrer Aufrichtigkeit, ihrem Arbeitsethos, ihrem Wertekompass und ihrer konsequenten Weigerung, ihre wissenschaftlichen Entdeckungen kommerziell auszuschlachten. Sie war eine liebende Frau, eine leidenschaftliche Forscherin und eine liebevolle Mutter.

Frage: Sie zeigen nun aber nicht nur die Forscherin Curie, sondern auch andere Facetten. Warum?

Antwort: Obwohl Marie Curie heute eine Ikone der Wissenschaft ist, hat sie es in ihrem Leben nie einfach gehabt. Diese Kämpfe zu beleuchten, auch ihre Schwächen zu zeigen, macht sie uns näher. Sie als kämpferischen und stets aufrechten Menschen zu zeigen, ist eine große Inspiration für uns alle. Unsere Zeit braucht nach wie vor starke Frauen als Vorbild.

Frage: Es ist der erste große Film über Marie Curie seit vielen Jahrzehnten. Wieso haben bislang keine anderen Filmemacher ihre Geschichte aufgegriffen?

Antwort: Das müssen Sie die anderen Filmemacher fragen! (...) Mich hat sie sehr berührt, und mir hat imponiert, wie Marie Curie ohne Kompromisse durch ihr Leben gegangen ist und sich ihres Handelns immer bewusst war.

Frage: Inwiefern war Marie Curie ihrer Zeit voraus - auch, aber nicht nur als Forscherin?

Antwort: Marie Curie war in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus: Sie war nicht nur in ihrer Arbeit Visionärin. Sie hatte zum Beispiel eine sehr präzise Auffassung, wie man Kinder erziehen sollte. Sie wollte sie zu freiem Denken erziehen und es war ihr wichtig, ihnen eine humanistische Bildung zu vermitteln. So stellte sie eine Art "Schul-Kooperative" auf die Beine, mit Theorien, die bis heute gültig sind: Vor allem kein Nachplappern von auswendig gelernten Theorien, sondern Förderung der Kreativität.

Frage: Wie aktuell ist das Thema Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau noch heute?

Antwort: Egal, in welcher Branche, ist die Führungsetage immer noch Männersache. Egal, in welcher Branche, werden Frauen weniger bezahlt als Männer. Auch in der Kunst. Wie viele Malerinnen haben unter männlichen Pseudonymen gearbeitet? Die Zahlen sprechen für sich und waren auch für mich eine Ernüchterung. Deshalb bin ich auch Pro-Quote Regie beigetreten. Die Notwendigkeit der Einführung von Quoten zeigt, wie aktuell das Thema ist.

ZUR PERSON: Marie Noëlle wuchs in Frankreich als Tochter einer spanischen Mutter und eines französischen Vaters auf. Sie absolvierte zunächst ein Mathematik-Studium, bevor sie als Drehbuchautorin und Filmemacherin zu arbeiten begann. 1988 gründete sie mit Peter Sehr die P'Artisan Filmproduktion GmbH. 1995 erschien ihr Film "Ich erzähle mir einen Mann" mit Bruno Ganz, es folgten "Die Frau des Anarchisten" und das Historiendrama "Ludwig II.". Noëlle schrieb auch Romane.


Quelle: DPA
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