Maria Mena im exklusiven Interview

Maria Mena im Interview
Häufiger Gast in Köln. Maria Mena kennt sich in der Dom-Stadt schon ziemlich gut aus.

"Musste erst lernen, Nein zu sagen"

Bereits im zarten Alter von 15 Jahren hatte sie ihren großen Durchbruch: Maria Mena kann mit ihren 27 Jahren auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Mit „Weapon In Mind“ liegt ab sofort ihr sechstes Studioalbum in den Regalen, mit dem sie sich stilistisch auf neues Terrain wagt. Wir haben die bodenständige Norwegerin in Köln getroffen und in einem sehr persönlichen Interview erfahren, wie es ist, ein Leben als Popstar zu führen, obwohl man keiner sein will.

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Von Nicole Feybert

Hi Maria, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst. Bist du sehr im Promo-Stress?

Maria Mena: Ich bin um halb vier aufgestanden, aber ich fühle mich prima. Im Moment macht das Ganze noch Spaß. Ich bin ja auch noch am Anfang der Promo-Tour – frag mich in ein paar Monaten nochmal, dann antworte ich dir wahrscheinlich ganz anders ... (lacht)

Du warst vorhin noch hier in Köln shoppen, kennst du dich aus in der Stadt?

Maria: Ja, ich habe sehr coole Sachen eingekauft (zeigt uns spontan Handyfotos ihrer Shoppingbeute). Ich war schon so viele Male hier. Wenn ich durch die Stadt laufe, weiß ich inzwischen, wo ich welche Straßen nehmen muss.

Wirst du erkannt, wenn du auf eigene Faust durch die Straßen bummelst?

Maria: Ich achte nicht wirklich darauf, aber von irgendjemandem werde ich immer erkannt. An den verrücktesten Orten. Ich merke zwar, dass ich auch gerade durch das Internet viel erreichbarer bin, aber ich realisiere oft nicht, dass dich die ganze Welt dort sieht. Es ist mir nicht klar, wo überall auf der Welt die Leute wissen, wer ich bin. Man sagt mir zum Beispiel: ‚Komm nach Mexico!‘ Aber ich denke dann: ‚Sollte ich das wirklich tun? Wenn ja, wer kommt dann außer dir?‘ (lacht) Aber heute konnte ich mal unerkannt shoppen gehen, das tat sehr gut.

Nun, das können viele andere Künstler nicht …

Maria: Ich kann mir nicht vorstellen, wie so etwas ist. Bis zu einem gewissen Grad ist das aber selbst gewählt. Selbst die größten Stars der Welt könnten, wenn sie es wirklich wollten, ihr Privatleben privat halten. Das ist möglich.

Wie ist das denn in Norwegen so - sind dort viele Paparazzi auf der Lauer?

Maria: Nein, wir haben das Problem nicht so wie z.B. in den USA. Ich war kürzlich in Los Angeles, und ich glaube nicht, dass ich dort leben könnte. Es ist eine spannende Stadt, man kann viel Spaß haben, aber dort leben? Niemals! Wenn du nach L.A. gehst, um es dort zu schaffen, also ich würde verrückt werden. Ich brauche diesen Hype um meine Person nicht.

Hast du keine Angst, einige Fans damit zu vergraulen?

Maria Mena im exklusiven Interview
Mit ihrem südländischen Teint und den langen dunklen Haaren entspricht Maria Mena optisch so gar nicht dem Skandinavien-Klischee.

Dein neues Album „Weapon In Mind“ unterscheidet sich ja stilistisch erheblich von den Vorgängern. Wie kam es dazu?

Maria: Ich hatte ein Projekt im Kopf, so etwas wie ein Winteralbum, und ich wusste genau, mit wem ich arbeiten wollte. Aber Martin, mein Produzent, war gerade Vater geworden; er hatte einfach zu viel um die Ohren. Also habe ich dieses Projekt erst mal zur Seite gelegt. Ich entschloss mich, etwas völlig anderes zu machen, etwas, das mir selbst ein wenig Angst macht, mich aus meiner eigenen Komfortzone wirft. Etwas, das ich vorher noch nie versucht habe. Wenn ich dafür einen Produzenten hätte, der genauso arbeitet wie Martin, würde ich mich jedoch wiederholen und in meinem eigenen Weiterkommen stehenbleiben. Aber das wollte ich nicht, ich wollte meine Grenzen austesten. Meine Stimme ist sehr charakteristisch, du erkennst sie, wenn du sie hörst. Meine Texte sind und bleiben meine Texte. Ich dachte, wenn ich also diese Songs an jemanden gebe, der damit was komplett anderes macht als das, was du gewohnt bist – vielleicht ist das eine gute Sache. Das könnte meinem Songwriting auch mal eine andere Richtung geben.

Hast du keine Angst, einige Fans damit zu vergraulen?

Maria: Doch, habe ich. Ich bin sicher, dass ich das werde. Aber auch, dass ich neue hinzugewinne. Das Wichtige ist, dass ich mich weiterentwickle und auch einmal etwas Neues wage. Ich finde, das ist eine gute Sache. Wenn z.B. dein Lieblingskünstler so etwas macht, solltest du das eigentlich als ein Kompliment sehen, denn es ist die Art des Künstlers, dir zu sagen: ‚Ich stehe nicht still‘. Es muss nicht heißen, dass ich nicht zurückkehre zum Stil meiner vorigen Alben. Aber jetzt, um zu wachsen, muss ich etwas Neues wagen.

Wenn es um die Texte geht, ist es so persönlich wie deine früheren Alben?

Maria: Die Texte der neuen Songs erzählen davon, wer ich heute bin und wie viel selbstsicherer ich geworden bin. Sie werden bei mir immer sehr persönlich sein. Aber ich denke, dass sie nicht so direkt sind wie in meinen früheren Alben. Manchmal schleudere ich dem Zuhörer die Texte quasi ins Gesicht, so dass er gar keine Chance hat, es auf seine eigene Weise interpretieren zu können. Dieses Mal gibt es mehr Freiraum, sie zu deinem eigenen Song zu machen. Es handelt immer noch von meinen Gedanken, meinem Leben und dem meiner Freunde und Familie, aber es gibt auch Songs, die allgemeiner sind.

In deiner neuen Single „I Always Liked That“ kommt im Text „Weapon In Mind“ vor – was hat dich bewogen, das zum Albumtitel zu machen?

Maria: Der Song repräsentiert ein wenig, worum es in dem ganzen Album geht: Das Wissen, dass du so viel mehr bist, als nur das, was dein Äußeres ausmacht. Das, was wirklich zählt ist, wer du in deinem Inneren wirklich bist. Der Titel bezieht sich direkt auf den Song, und wenn man wissen will, was er bedeutet – hör dir einfach den Song an: Es geht ums Nicht-Aufgeben, auch wenn die Umstände sehr schwierig sind, und das Wissen, wer du bist. Ich weiß, das klingt nach Klischee. Aber ich denke, dass Klischees nicht umsonst existieren. Ich wollte herausfinden, was das für mich bedeutet. Wenn du sagst: ‚Nur die inneren Werte zählen.‘ Kann ich darauf zurückgreifen an einem Tag, an dem ich mich nicht gut fühle und total unsicher bin? Für mich bedeutet das, ich ziehe mich in mich selbst zurück und sage mir: ‘Ich bin gut, so wie ich bin.‘

Wie schwierig war es für dich, an diesen Punkt zu kommen?

Maria: Ich habe in diesem Business mit 15 begonnen. Zu dem Zeitpunkt habe ich darüber nicht viel nachgedacht. Viele haben mich gefragt: ‚Du bist so jung in diesem Musikgeschäft, wie fühlt sich das an?‘ Und ich habe geantwortet: ‚Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht, wie das Leben sich sonst anfühlen würde.‘ Das war doch das Einzige, was ich kannte. Es war okay. Wenn ich heute zurückblicke und mir vorstelle, ich hätte eine 15-jährige Tochter, die plötzlich berühmt würde – mir würde das Angst machen. Besonders heutzutage, wo man den ganzen Sozialen Medien ausgesetzt ist. Du lädst ein Bild hoch und wartest darauf, dass es anderen gefällt. Das macht sehr verletzlich. Ich bin froh, dass es Facebook damals noch nicht gab. Ich schreibe Musik über meine eigenen Dinge, und mein Song sagt dir: Am Ende des Tages zählt, wer du wirklich bist. Und das ist nicht dein Schnappschuss von dir selbst im Internet.

Dann fragen wir mal passend zur Single “I Always Liked That”: Was magst du an dir?

Maria: Ich bin schlau – nicht supergebildet, aber emotional klug. Ich dränge anderen nicht meine eigene Meinung auf, und ich bin sehr ehrlich. Ich fordere gerne die Leute um mich herum heraus. Und ich bin stark. Wann immer es eine schwierige Situation gibt, bin ich diejenige, die sie in die Hand nimmt und eine Lösung sucht. Ich kann nett sein und ziemlich lustig (lacht). Ich habe so viel Zeit damit verbracht, Songs darüber zu schreiben, was ich nicht an mir mag. Elf Jahre! Es fühlt sich gut an, einmal darüber geschrieben zu haben, was ich an mir gut finde.

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