Maria Mena: "Ich habe mich 30 Jahre lang selbst bekämpft"

Maria Mena: "Ich habe mich 30 Jahre lang selbst bekämpft"
Maria Mena ist zum ersten Mal in ihrem Leben zufrieden mit sich selbst © Agnete Brun

Maria Mena ist zurück. Das hat die schöne Norwegerin (29, "All This Time") am Wochenende in der Olympiahalle bewiesen. Als Teil der diesjährigen Konzertreihe "Night of the Proms" wurde der Sängerin sogar die Ehre zuteil, die Show zu eröffnen. Ein Gänsehaut-Moment. Mena sang den "Tribute von Panem"-Hit "The Hanging Tree" begleitet vom Frauenchor Scala. Anschließend spielte sie ihre alten Hits "All This Time" und "Just Hold Me", aber auch ihre aktuelle Single "I don't wanna see you with her" aus dem neuen Studioalbum.

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Norwegens schönste Stimme

Dass die Tour mit Kollegen wie Johannes Oerding (33, "Alles brennt") und der US-amerikanischen Kult-Band The Beach Boys ("Surfin' USA") so eine großartige Erfahrung sein würde, hatte die 29-Jährige nicht erwartet. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news gibt sie zu: "Ich war sehr skeptisch. Ich hatte keine Ahnung, wie befriedigend es für mich sein würde, alleine zu reisen. Ich bin an einem Punkt im Leben, wo ich zum ersten Mal alleine bin. Also keine Band, nichts. Ich mache das alleine und es ist eine große Sache."

 

Ihr neues Album entstand "im Schlaf"

 

Über eine andere Art von Alleinsein geht es im neuen Album, das nach Menas zweijähriger Pause am 4. Dezember erschienen ist. In "Growing Pains" verarbeitet sie ihre Scheidung. Dass Sänger ihre Gefühle in ihrer Musik ausdrücken, ist ja nicht ungewöhnlich. Wie das Album zustande kam dagegen schon: "Ich habe es geträumt", erklärt Mena. Natürlich nicht die fertigen Lieder, arbeiten müsse sie schon, sagt sie und lacht. Aber die Melodien wären ihr im Schlaf gekommen. Etwa bei ihrer aktuellen Single "I don't wanna see you with her", da sei sie mit der Melodie zum Refrain aufgewacht. "Ich wusste nicht, ist das meine oder die von jemand anderem? Das ist mir nämlich schon mal passiert. Ich habe so gehofft, dass sie von mir ist."

Generell ist ihre Art ein Album zu kreieren sehr speziell. Die Norwegerin ist Synästhetikerin. Das bedeutet, dass ihre Sinneswahrnehmungen gekoppelt sind. So hat etwa jeder Mensch für sie eine eigene Farbe und auch für ihre Songs spielt das eine große Rolle. Sie schreibt ihre Lieder nach Farben. "Wenn ich ein neues Album mache, muss es für mich alle Regenbogenfarben haben, bevor ich es herausgeben kann." So habe sie zum Beispiel gewusst, dass ihr Titelsong "Growing Pains" kommen würde. "Und dann musste ich nur noch die anderen Lieder malen. Es klingt total komisch, aber so hat es schon immer funktioniert."

 

"Ich beobachte meine Gefühle sehr genau"

 

Doch es gibt noch mehr, das Maria Mena zu einer außergewöhnlichen Frau macht. Sie hat eine ganz eigene Art mit ihren Gefühlen umzugehen. "Wenn ich eine Emotion habe, dann finde ich das so interessant", erklärt sie und versucht es zu verdeutlichen: "Wenn ich etwas fühle, dann ist das für mich wie ,Oh mein Gott, weißt du was ich gerade gefühlt habe? Weißt du, was ich gerade getan habe?' Ich beobachte meine Gefühle sehr genau." Eine große Hilfe, auch wenn es darum geht, andere Menschen zu verstehen. Oder bei schweren Themen wie Scheidung. "Ich will gerade über die Gefühle schreiben, die keiner so wirklich zugeben will."

Die Norwegerin war neun Jahre lang mit ihrem Ex-Mann zusammen, mit dem sie aber immer noch gut befreundet sei. Nach so einer langen Zeit wieder alleine zu sein? Mena genießt es: "Ich mag es sehr, nur für mich zu sein. Ich bin, seit ich 15 Jahre alt war, immer in einer Beziehung gewesen. Ich muss sagen, ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich fast wieder ein Kind bin. Ein Grund, wieso ich diese Tour ["Night of the Proms"] so genieße." Es gibt aber auch Schattenseiten: Das Schubladendenken der Leute ärgere sie: "Ich will in keine Schublade! Leute müssen immer so sein, von wegen ,Aber du brauchst doch jemanden' und ich sage ,Nein, mir geht's gut'. Ich fühle mich einfach nicht danach, jetzt mit jemandem zusammen zu sein."

 

"Dieses Gefühl, dass jeder über dich redet, aber keiner mit dir..."

 

Die Sängerin ist sich sicher: "Wenn ich erst einmal den richtigen Kerl gefunden habe, werde ich froh darüber sein, zu wissen, wer ich alleine bin." Dass andere Menschen meist besser über einen Bescheid wissen wollen, als man selber, ist ein gängiges Phänomen. Ein anderes ist das Gerede. Davon handelt auch Maria Menas neue Single "I don't wanna see you with her". In der gefühlvollen Ballade verarbeitet sie unter anderem das, was sie nach der Trennung so belastete: das viele Gerede hinter ihrem Rücken. "Dieses Gefühl, dass jeder über dich redet, aber keiner mit dir... das war wahrscheinlich das Schlimmste von allem." All diese Gerüchte, das sei der Tiefpunkt gewesen.

Lieder seien natürlich immer individuelle Interpretation, erklärt die Sängerin. "Aber auch wenn es einen gewissen Text gibt, es ist deine Interpretation. Für mich könnte es eine ganz andere Geschichte sein." So war es auch mit ihrer allerersten Single "Lullaby". Seit ihrem Durchbruch 2002 ist sich die Musikwelt sicher, in dem Song ginge es um die Scheidung ihrer Eltern. Dem sei aber nicht so. "Mein Song ,Lullaby' handelt nicht von der Scheidung meiner Eltern. Die Leute behaupten das immer noch. Das haben sie immer getan und ich habe sie gelassen." Es gehe dabei jedoch um ein Mädchen, das versuche seiner Mutter zu sagen, dass es die Lieder aus seiner Kindheit wieder hören möchte, weil es sich gerade unwohl und unsicher fühle.

 

"Ich würde nichts ändern"

 

Mena überlegt kurz und wirkt überrascht: "Das war das erste Mal, dass ich das gesagt habe...und es hat sich gut angefühlt!" Und gut fühlen möchte sich die hübsche Norwegerin auch im kommenden Jahr. Es wird nämlich ein ganz besonderes: Im Februar feiert sie ihren 30. Geburtstag und es jährt sich zum fünfzehnten Mal, dass sie ihren Plattenvertrag unterschrieben hat. Eine lange Zeit im harten Show-Business, doch Mena ist sich rückblickend sicher: "Ich würde nichts ändern." Dabei hatte die Musikerin schon einige schwere Zeiten: die viel diskutierte Scheidung ihrer Eltern, eine Essstörung als Jugendliche, dann das eigene Scheitern ihrer Ehe.

"Ich habe mich 30 Jahre lang selbst bekämpft. Und jetzt ist die Zeit in meinem Leben, in der ich mich zum ersten Mal wohl damit fühle, wer ich bin. Physisch, mental, emotional. Ich habe gelernt, meine eigene beste Freundin zu sein." Was 2016 für sie bedeutet? "Ich denke, es wird das Jahr der Hoffnung. Ich weiß nicht, was es bringen wird. Aber ich bin bereit."

spot on news

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