Maria, ihm schmeckt`s nicht

Allein unter Italienern

Maria, ihm schmeckt`s nicht

Von Christina Gruber

Der Debut-Roman von Jan Weiler "Maria, ihm schmeckt's nicht" hielt sich sensationelle fünf Jahre in den Bestseller-Listen - es war also nur eine Frage der Zeit, wann die liebenswerten deutsch-italienischen Familiengeschichten auch das Licht der Leinwand erblicken würden. Jungregisseurin Neele Leana Vollmar nahm sich der Aufgabe an und verfilmte die Anekdoten mit einem guten Händchen für Witz und Herz.

Dabei ist die Story nicht neu: Blasser, netter Typ will feurige Freundin heiraten - doch vor dem Ja-Wort steht erst mal das Kennenlernen mit der verrückten Familie der Braut an, so gesehen bereits in "My Big Fat Greek Wedding" oder "Meine Braut, ihr Vater und ich".

Da geht’s unserer Hauptfigur nicht anders: Sachbuchautor Jan will Sarah heiraten, doch der italienische Papa der Schönen, Gastarbeiter Antonio Marcipane, ist von seinem "tedesco" Schwiegersohn in spe nicht über die Maßen angetan. Und eines steht sowieso fest: Wenn schon geheiratet wird, dann auf jeden Fall im italienischen Heimatort der Familie Marcipane, in Campobello.

Natürlich werden sämtliche Klischees über Deutsche und Italiener herausgeholt und nacheinander durch den Kakao gezogen - und das auf so herzerfrischend lustige Art, dass man Regisseurin Vollmar nur gratulieren kann. Der deutsche Bräutigam wird mit allerhand Familienfehden konfrontiert, muss seinen blassen Leib der unbarmherzigen Sonne aussetzen und lernen, was Italiener so alles mit an den Strand nehmen. Jan erleidet nicht zuletzt am Abendbrottisch Höllenqualen, wenn er als Schalentierallergiker mit der guten Meeresfrüchteküche Süditaliens konfrontiert wird. Und sobald er unter den strengen Augen der Sippe im Teller stochert, ertönt der Schreckensschrei "Maria, ihm schmeckt’s nicht".

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Maria, ihm schmeckt`s nicht

Doch auf Jan wartet noch mehr Unbill: Das Standesamt, auf dem man die Hochzeit anmelden muss, hat - ganz italienisch - nie auf, dazu kommen böse Sonnenbrände, Autounfälle und nie enden wollendes Palaver. Und das Schlimmste: Je länger er auf den Hochzeitstermin warten muss, desto italienischer seine Braut! Doch auch die Deutschen bekommen ihr Fett weg: Denn bald reisen auch Jans Eltern zur Hochzeit in Italien an, echte Gutmenschen aus der Toscana-Fraktion, die zunächst fest entschlossen sind, alles "bella" zu finden - bis sie nach wenigen Stunden bereits der Ansicht sind, ihr Sohn werde in "einen Genpool von Wahnsinnigen" einheiraten. Kein Wunder also, dass Bräutigam Jan irgendwann der Kragen platzt.

Ein Glücksgriff war ganz sicher Christian Ulmen als Jan, der den gebeutelten Deutschen so stoisch und resigniert gibt, dass man ihn einfach gern haben muss. Italo-Star Lino Banffi spielt den verrückten Schwiegervater - und sorgt mit seiner abgedreht-chaotischen Performance für die meisten Lacher. Ruhepol der Handlung ist immer wieder Maren Kroymann in der Rolle der Schwiegermutter Ursula, die über die Verrücktheiten der italienischen Sippe ihres Mannes längst hinwegsieht. Einziger Schwachpunkt des Films ist Mina Tander als Braut Sarah. Leider hört sich ihr Text mitunter an wie aufgesagt, was durch die gute Schauspielleistung der anderen Darsteller umso auffälliger ist. Ein besonderes Lob geht an die Ausstattung: So liebevoll kitschig ist Gastarbeiter Antonios Wohnzimmer im Ruhrpott, so wundervoll spießig ist die Einrichtung bei Jans Eltern, so herrlich angegammelt ist die Küche der Marcipanes in Campobello.

Regisseurin Vollmar spielt mit den Klischees, ohne sie zu Zoten verkommen zu lassen. Das Timing der Gags stimmt, ebenso der Einsatz der nachdenklichen Momente. Es ist herzzerreißend mitanzusehen, wie verzweifelt der junge Antonio im Deutschland der 60er- und 70er-Jahre versucht, Fuß zu fassen.

Aus der mehr oder weniger unzusammenhängenden Geschichtensammlung ein sinnvolles Drehbuch mit durchgehender Story zu stricken, war vermutlich nicht leicht, aber der Bestseller-Schreiber Jan Weiler selber arbeitete mit dem versierten Drehbuchautor Daniel Speck ("Meine verrückte türkische Hochzeit") zusammen, sodass hier eine runde Geschichte mit überraschender Pointe gelang. Denn wenn Sie glauben, dass das Happy End ohnehin schon feststünde - niente!

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