'Maps to the Stars': Eine Karrikatur des wahren Hollywoods mit Julianne Moore & Robert Pattinson

Filmkritik und Trailer

Kinostart: 11.09.2014

3,5 von 5 Punkten

Wer in der Stadt der Engel 'Maps to the Stars' verlangt, der erhält einen Stadtplan, der im Labyrinth von Beverly Hills den Weg zu den Anwesen der Stars und Sternchen weist. In seinem gleichnamigen Film wagt Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg ('Die Fliege') einen zynischen Blick hinter die hohen Hecken - und kreiert eine bissige Satire, in der die Traumfabrik schonungslos demontiert wird. Scheinbar ist eben nicht alles Gold, was glänzt …

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Von Laura Hatko

Ein verschachtelt erzählter Film, der hinter die Filmkulissen blickt: Schon in den ersten Minuten erinnert 'Maps to the Stars' stark an Genre-Klassiker wie David Lynchs 'Mulholland Drive' oder Paul Thomas Andersons 'Magnolia'. Dennoch schafft Cronenberg es nicht ganz, seine Handschrift als Meister des 'Body Horror' abzulegen: Seine Protagonisten werden geplagt von Wahnvorstellungen, die ein oder andere blutige Einstellung bleibt ebenfalls nicht aus. Leider wirken einige recht drastische Szenen etwas deplatziert in der ansonsten sehr modernen Bildsprache des Films - womöglich zu viel für Cineasten, aber auch zu wenig für eingefleischte Cronenberg-Fans.

Zu viele 'blutige' Tragödien muss auch Familie Weiss über sich ergehen lassen, die bis zum Hals im ganz 'normalen' Hollywood-Wahnsinn steckt. Kinderstar Benji (Evan Bird, 'The Killing') wird von seiner PR-besessenen Mutter Cristina (Olivia Williams, 'Anna Karenina') von Casting zu Casting getrieben und flüchtete sich schon als Neunjähriger in die bunte Welt von Drogen und Alkohol. Auch um Vater Dr. Stafford Weiss, verkörpert von John Cusack ('Shanghai'), ist es nicht besser gestellt: Der Psychotherapeut der besonderen Art - so müssen sich seine Patienten vor der Sitzung erst mal nackig machen - ist zwar mit allen Stars per Du, sorgt sich aber mehr um seinen Kontostand als um seine Familie.

Die hütet zudem noch ein dunkles Geheimnis: Tochter Agatha (Mia Wasikowska, 'Alice im Wunderland') fackelte im Alter von 12 Jahren die elterliche Villa ab und wird nach einem Mordversuch an Bruder Benji seit Jahren in einer Psychiatrie in Florida versteckt. Mit der trügerischen Ruhe ist Schluss, als sich die mittlerweile volljährige Agatha wieder ins Leben der Familie Weiss drängt: Sie heuert als persönliche Assistentin der alternden Film-Diva Havana Segrand (Julianne Moore, 'Carrie') an, die zu Staffords besten Klienten zählt. Doch ist die verlorene Tochter wirklich auf der Suche nach Versöhnung - oder treiben andere Motive sie zurück nach Hause?

'Maps to the Stars' mit Julianne Moore und John Cusack: Hollywood zeigt sein wahres Gesicht Psychotherapeut Weiss (John Cusack) sorgt sich mehr um seinen Kontostand als um seine Familie.

Satire trifft auf Horror: Cronenberg wagt den Genre-Mix - mit Erfolg?

Mit Leitgedanken ist auch Drehbuchautor Cronenberg nicht sparsam: So kann 'Maps to the Stars' zum Beispiel durch seine durchdachte Feuer-Metapher Pluspunkte sammeln, die als Leitmotiv durch die Geschichte führt - und aufmerksame Zuschauer mit einigen Aha-Momenten belohnt. Nicht besser hätte auf den Punkt gebracht werden können, wie Hollywood seine eigenen Sterne erst erschafft - um sie dann bei lebendigem Leib zu verschlingen, bis kein Lichtlein mehr in ihnen brennt. Hervorzuheben sind außerdem die brillanten schauspielerischen Leistungen, allen voran Julianne Moore, die für ihre Rolle der Havana Segrand als beste Darstellerin bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet wurde. Zu Recht, denn diese hysterische, von ihrer Kindheit geplagte Diva hätte nicht besser verkörpert werden können.

Auch die Nebendarsteller - u.a. 'Twilight'-Star Robert Pattinson als Chauffeur und Möchtegern-Drehbuchautor - können durch die Bank punkten: Ein Ensemble der Extraklasse gibt Figuren, die zwar durchaus intim dargestellt werden, aber nie wirklich für den Zuschauer greifbar sind. Bis zum Schluss lässt uns der mosaikartig erzählte Streifen an den abstrusen Aussagen dieser bizarren Identitäten zweifeln. Bis zum Ende bangen wir mit den traurigen Figuren. Doch Hollywood hat ihr Schicksal längst entschieden: Von der Gesellschaft bis in die Haarspitzen manipuliert, finden die tragischen Marionetten letztlich nur in der Macht über den eigenen Tod ihre ersehnte Selbstbestimmung.

Die Traumfabrik als Quell von Alpträumen - diese Story ist nicht neu, kam aber selten in einem so bunten Genre-Mix daher. Geister, Drogen, Ehekriege, zügelloser Sex, bissige Satire, rohe Gewalt, harte Nahaufnahmen, sanfte Schwenks: Kaum ein Motiv oder Handwerkszeug lässt 'Maps to the Stars' aus, droht dabei aber den Zuschauer auf der Strecke zu lassen. So wirkt David Cronenbergs erster amerikanischer Film etwas überambitioniert. Als Popcorn-Kino gänzlich ungeeignet, vielmehr ein Film für alle, die eh schon überzeugt sind, dass hinter Hollywoods hohen Hecken vor allem Abgründe lauern.

Bildquelle: dpa bildfunk
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