Mando Diao im Interview: Gustaf Norén und Björn Dixgård rocken auf Socken

Björn Dixgard und Gustaf Noren von Mando Diao
Schon seit der Bandgründung 1999 sind Mando Diao alias Björn Dixgard und Gustaf Noren stets ihrer eigenen künstlerischen Vision gefolgt. © kuenster

Eine abgedunkelte Hotelsuite. An eine Wand wirft ein Projektor geometrische Formen in Neonfarben, Gustaf Norén und Björn Dixgård alias Mando Diao empfangen mich in futuristisch anmutenden Sporttextilien und auf Socken! Okay, ich merke schon, dieses Interview wird eher unter die Kategorie "ungewöhnlich" fallen. Und dies gilt auch für die Antworten, die die beiden Schweden rund um ihr neues Studioalbum 'Aelita' (VÖ: 2.Mai) parat haben ...

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Von Anja Blanuscha

Eins vorweg: Vom klassischen Konzept einer Band haben sich Mando Diao bereits vor einigen Jahren verabschiedet: "Die einzigen Mitglieder von Mando Diao sind Björn und Gustaf, weil wir diejenigen sind, von denen die Ideen kommen. Andererseits ist jeder ein Teil von dem, was wir machen." Wie aktuell ein Synthesizer der russischen Marke Aelita. Das Instrument dominiert nicht nur das gleichnamige siebte Studioalbum von Mando Diao, sondern inspirierte Björn und Gustaf zu einer völlig neuen Herangehensweise an die Musik. "Sobald wir auf Aelita gespielt haben, hat er nicht so reagiert, wie wir es erwartet hatten. 1 + 1 war nicht gleich 2, sondern lila. Ist das noch Technologie oder eventuell Biologie?", meint Gustaf, der aufgrund meines fragenden Gesichtsausdrucks das Ganze näher ausführt: "Wenn ich ein Synthesizer als technisches Gerät betrachte, kann ich es auf eine Weise spielen, aber wenn ich es spiele, als würde ich ein Pferde reiten, spiele ich es anders. Dann bin ich derjenige, der seinen Kopf als Instrument benutzt." Sind die ehemaligen Garagen-Rocker, die mit 'Dance With Somebody' 2009 einen Mega-Hit landeten, etwa unter die Philosophen gegangen? Irgendwie schon. "Für einen Musiker kann diese Denkweise neue Türen öffnen, von denen man bislang dachte, dass sie verschlossen sind", fügt Björn hinzu.

"Unsere Leidenschaft hat etwas Zerstörerisches"

Gustaf Noren über die Musik von Mando Diao
"Wir lassen uns gerne inspirieren von Klamotten oder Styles, die Wurzeln haben. Vor langer, langer Zeit haben sich Menschen schon die Gesichter bemalt oder ihre Haare geblichen, haben Seide und Kniestrümpfe getragen", so Gustaf Noren, der sich ebenfalls die Haare geblichen hat. © kuenster

Teil dieser Philosophie ist übrigens auch der neue Look von Mando Diao. In der glänzenden ultra-leichten Hightech-Mode, in der sie vor mir sitzen, könnten Gustaf und Björn sofort zu einem Casting für einen Science-Fiction-Film gehen. Sie müssten vorher allerdings ihre Schuhe wieder anziehen, denn die beiden Jungs Anfang 30 sitzen in Socken vor mir. Genauer gesagt in Kniestrümpfen, von der Sorte, die Baseball-Spieler tragen, und die bis über die Knie gezogen sind. "Die Sachen, die ich gerade trage sind dafür gemacht, sich darin zu bewegen. Und das ist mein Job. Ich bin zwar kein Athlet, aber ein Tänzer", so Gustaf, der mich sogleich den ultradünnen Waben-Stoff seiner Jacke befühlen lässt. "Wir befinden uns in einem Prozess ständiger Bewegung und das ist das einzige, was für uns wichtig ist", erklärt Björn. Er habe die Klamotten ab und an auch zu Hause an. "Es fühlt sich gut an, Sachen zu tragen, die zu deiner Persönlichkeit und deiner Art zu denken passen. Wir wollen mit der Kleidung der Musik noch einen weiteren Aspekt geben." Es sei eine Möglichkeit, Musik über mehrere Kanäle zu kommunizieren, das hätten sie spätestens durch ihre Arbeit mit dem Künstlernetzwerk 'Caligola' gelernt. "Wenn ich für dich singe, fühlt sich das anders an, als wenn ich für dich singe und tanze. Was ich mache und was ich dabei trage – alles ist ein Teil der Musik."

Dass das was tun, auf andere Menschen teilweies extrem und abgehoben wirkt, sei ihnen bewusst. "Ich lebe die Musik so sehr, dass ich aufhöre zu denken und es derart übertreibe, dass es fast gefährliche Züge annimmt. Diese Leidenschaft hat etwas Zerstörerisches, aber man lernt auch daraus", meint Gustaf. "Wir können tiefer in Dinge eindringen als andere. Aber wir wissen oft auch nicht, wenn Schluss ist. Wie ein Kind, dem man Süßigkeiten vor die Nase stellt", ergänzt Björn. Und Gustaf hat dazu eine weitere Theorie: "Ich glaube, dass das auch ein Grund ist, warum viele Künstler drogen- oder alkoholabhängig werden. Sie wissen nicht, wenn genug ist, wann sie stoppen müssen. Sie wollen einfach zu viel von der Süße des Lebens. Für uns ist die Musik wie eine Droge. Manchmal zerstört uns das, aber oft nutzt uns das auch und wahrscheinlich macht das unsere Superpower aus."

Vielen Dank für das Interview.

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