Maleficent mit Angelina Jolie und Elle Fanning: Nicht immer märchenhaft

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Angelina Jolie in Maleficent
Die will sich nur rächen: Angelina Jolie als böse Fee in 'Maleficent'.

3 von 5 Punkten

Mit Neuverfilmungen ist es ein bisschen wie mit der Aussprache von 'Maleficent': Es gibt mehrere Möglichkeiten, doch nicht alle liefern das gewünschte Ergebnis. Fangen wir also mit der einfacheren Sache an: An der Kinokasse bestellen Sie am besten Karten für 'Ma-LE –fissent' – die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. Bei der Umsetzung des Stoffes um die böse Fee aus Dornröschens Märchen wird die Sache etwas komplexer. 55 Jahre ist es mittlerweile her, dass Disney zum ersten Mal die Geschichte um eine Prinzessin, die sich an einer Spindel sticht und schließlich in den sprichwörtlichen Schlaf sinkt, via Zeichentrick zum Leben erweckt hat. Den Klassiker kennt auch heute noch jedes Kind, ins Kino dürfte dafür aber wohl kaum noch jemand gehen. Zeit also, das konservative Image ein bisschen aufzupolieren, Märchen möbelt Disney ja ohnehin seit einigen Jahren auf (Die Eiskönigin; Rapunzel neu verföhnt).

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Von Timo Steinhaus

'Maleficent' bietet prinzipiell einen prima Ansatz: Allein der Anblick von Angelina Jolie als dunkle Fee mit Hörnern, messerscharfen Wangenknochen und funkelnd grünen Augen im Trailer und auf den Plakaten macht ordentlich was her. Das kommt nicht von ungefähr: Regie führte Robert Stromberg, der für sein Produktionsdesign in 'Avatar' einen Oscar bekam. In seiner Version der Geschichte gibt es zwei Reiche: Über die Menschen herrscht ein König (Kenneth Craham, 'The Legend of Hercules'), der die aus Wäldern und Mooren bestehende Nachbarwelt erobern will. Dort haben sich Feen, Rüsseltiere und allerhand andere Fabelwesen angesiedelt, die in perfekter Harmonie leben und über die Maleficent (in ihren jungen Jahren von Newcomerin Isobelle Molloy verkörpert) als eine Art guter Geist wacht.

Als sich der Menschenjunge Stefan (Michael Higgins) dort hinein verirrt, verlieben sich die beiden. Klar, dass das nicht lange gut geht: Nachdem er ins Menschenreich zurückgekehrt ist, wächst in Stefan die Gier nach Macht heran. Der Schlüssel zum Erfolg sind Maleficents Flügel, die ihm den Weg auf den Königsthron ebnen. Emotionaler Höhepunkt: Angelina Jolie wacht betäubt auf und stellt fest, dass sowohl Stefan als auch ihre Flügel verschwunden sind. Sie setzt sich auf. Sie schreit, sie weint, sie schluchzt. Jolie in Hochform. Doch die Szene zeigt auch, dass die Fee nicht von Grund auf böse, sondern verbittert ist. Ihr Frust entlädt sich zunächst in der Natur. Der Märchenwald trocknet aus und wird von Dornen umrankt. Als dann aber der Verräter Stefan König wird und mit einer anderen Frau ein Kind zeugt, verflucht Maleficent das Baby namens Aurora. Das Mädchen soll sich an seinem 16. Geburtstag an einer Spindel stechen und nur von einem Kuss aus wahrer Liebe erweckt werden können. Ein unmögliches Unterfangen, glaubt die enttäuschte Fee und beobachtet Auroras Entwicklung aufmerksam.

Märchenhafte Darstellerinnen, uneinheitliche Umsetzung

Maleficent: Elle Fanning im Dornröschenschlaf
Der Dornröschenschlaf von Elle Fanning kommt leider zu kurz.

Der Film beeindruckt durch die schauspielerische Leistung von Jolie auf der einen und wunderschönen Bildern auf der anderen Seite. Stromberg inszeniert tolle Panoramen, rasante Kamerafahren und kunterbunte Märchenwesen, wobei letztere mitunter leider arg projiziert und ohne Tiefe wirken. Auch Elle Fanning ('Young Ones'), die sich als junge Aurora unbedarft durchs Märchenreich strahlt und staunt, bringt frischen Wind in die Geschichte.

Gänzlich märchenhaft erzählt ist diese aber leider bedingt durch das enge Disney-Korsett nicht: Zu düster darf es wegen der jungen Zielgruppe nicht werden (die deutsche Version wurde sogar wegen der FSK-6-Freigabe um 40 Sekunden gekürzt), andererseits soll aber das Franchise ein möglichst breites Publikum in die Kinos locken. Wie zerrissen der Film ist, zeigen schon die harmlosen und absolut überflüssigen Schlachtsequenzen und der unvermeidliche Drachenkampf. Ein Schlüsselelement des Märchens, nämlich der ewige Dornröschenschlaf, wirkt dagegen etwas lieblos inszeniert und auf ein Minimum heruntergebrochen. Heraus kommt ein oft schematisch verlaufendes Gemisch aus bildgewaltiger Fantasy, hysterischem Feen-Hokuspokus und uneinheitlichem Drama mit tollen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen.

Kinostart: 29.5.2014

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