Maite Kelly im exklusiven Interview

Maite Kelly im exklusiven Interview Teil 2
Maite vermisst ihren Vater Dan Kelly sehr. © Maite Kelly

"Ein Schiff ohne Kapitän fährt nicht“

Du gehst mit deinem Album auch auf Tour - wie werden die Konzerte aussehen?

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Kelly: Für die Tour habe ich eine Aktion geplant: Die heißt 'Upfront - Mach dich stark für deine Freunde' und soll ab Juli über Facebook losgehen. Man kann dabei Freunde empfehlen, die für einen selbst Helden sind und unter denen verlosen wir dann Konzertkarten. Ich bin ja selbst so klein, nur 1,60 Meter und ich finde es furchtbar, wenn ich bei Konzerten nichts sehen kann. Ich würde gerne die kleineren Menschen auf der Bühne sitzen lassen und eben auch diese guten Freunde, (die bei der Aktion gewonnen haben), (Anm. der Redaktion) ganz vorne platzieren. Ich will, dass wirklich alle am Ende der Show eine Familie sind. Dass alle alles mitsingen können und dass wir Aktionen mit dem Publikum einbauen, die einfach wahnsinnig viel Spaß machen. Die Zuschauer sind dann eigentlich mein großer Kelly-Family-Chor. Das ist mir wichtig. Es kann auch sein, dass ich mitten im Publikum auftauche und mit meiner Gitarre singe, aber ich will auch nicht zu viel verraten. Die Fans sollen einfach das Gefühl haben, dass sie während der Show Teil der Show sind. Das wird eine Challenge sein, aber weil wir in kleineren Locations sind, ist das machbar, glaube ich.

Könntest du dir vorstellen, mit deinen Geschwistern nochmal zusammen Musik zu machen?

Kelly: Das Ding ist so: An mir liegt es nicht. Es ist schwierig, alle zusammenzuraufen. Vielleicht ergibt sich anlässlich von 25 Jahren Kelly Family ja mal ein Jubiläumskonzert. Aber ich glaube, wir sind so ein bisschen wie das Dorf von Obelix. Wir haben alle irisches Blut in uns und der irische Mensch streitet sich gern. Mein Vater fehlt - er war nämlich der Lauteste von uns allen und somit hat man am meisten auf ihn gehört. (lacht) Er war das zehnte Mitglied, immer der Chef. Und ein Kapitän. Ein Schiff ohne Kapitän fährt nicht. Es fährt dann falsch.

Wie schaffst du den Spagat zwischen Karriere und Mutterrolle?

Kelly: Mit meinem Mann, wir managen uns ja selber. Bei mir ist das so: Ich hab eher heiße Phasen. Zum Beispiel war ich jetzt drei Monate lang sehr viel zu Hause und habe tagsüber im Studio gearbeitet. Die Kinder sind im Kindergarten und in der Schule und ich hole sie um 16 Uhr ab. Jetzt habe ich die Promotion-Tour und mache 90 Prozent von hier aus. Heute Morgen haben wir gekuschelt und heute Abend sehen wir uns. Wir haben jetzt eine heiße Phase und wissen: Jetzt ist Mama drei Tage lang viel unterwegs, aber dann haben wir das ganze Wochenende und das leben wir auch richtig aus. Dann gibt es Familienfrühstück, Kaffeekränzchen - auch Käsekuchen. (lacht) Man sagt: Work hard, play hard. Ich nehme aber mit Absicht 90 Prozent meiner Projekte in Köln wahr, damit ich einfach morgens und abends meine Kinder sehen kann.

In 'Die Sonne geht auf' singst du vom Konflikt zwischen Kind und Vaterfigur. Dein Vater hat dich als Songwriterin immer ermutigt - was würde er zu deinem neuen Album sagen?

Kelly: Mein Vater hat nicht oft gelobt. Er würde eher sowas sagen wie: "Mach weiter. Mach einfach nur gute Hit-Songs. Hits, Hits, Hits, Hits." Er hat immer gesagt: "Zwei gute Songs reichen nicht, es müssen zehn gute Songs sein. Und einfach, kein großes Tamtam, ein guter Song braucht nur drei Akkorde. Den muss man am Lagerfeuer spielen können." Mein Vater würde mich nicht loben, weil er wollen würde, dass ich weitermache. Er würde einfach sagen: "Weiter, bleib dran." Aber ich glaube, dass er sehr froh darüber wäre, dass ich jetzt wieder schreibe. Denn das wollte er immer für mich.

"Ich würde nicht gern aufs Männerklo gehen"

Maite Kelly im exklusiven Interview Teil 2
Maite Kelly schafft den Spagat zwischen Familie und Karriere mit Bravour. © Maite Kelly

Es gibt auf deinem Album den Song 'Wenn ich ein Mann wär' - was würdest du tun, wenn du mal wirklich für einen Tag ein Mann sein könntest?

Kelly: Um Gottes willen! Das ist ja eine süße Frage. Ich glaube nicht, dass ich so gerne auf das Männerklo gehen würde. Da stinkt‘s. (lacht) Ich glaube, ich würde es genießen, dass ich schweigen kann. Dass man von mir nicht so viel erwartet. Dass die anderen nicht davon ausgehen, dass ich schlecht gelaunt bin, wenn ich mal ruhig bin. Wenn man als Frau ruhig ist, wird man entweder als unsozial, muffelig, zickig oder traurig abgestempelt. Bei Männern ist es so, wenn die ruhig sind, sieht man sie als ganz intelligent und kompetent an, die haben die Übersicht. Deshalb gibt es bei 'Wenn ich ein Mann wär' (Anm. der Redaktion) auch die Zeile: "Dann würde ich endlich schweigen."

Und wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?

Kelly: Wir hatten letztens einen total coolen Tag mit den Kindern. Es war doch so furchtbar kalt. Die Kinder gehen dann ja trotzdem raus. Josephine sagte dann Freitagabend: "Mama, können wir morgen mal nicht rausgehen?" Und dann hab ich gesagt: "Wir machen morgen einen Pyjama-Tag." Wir haben nichts gemacht außer eine Pizza bestellt, uns ein Filmchen zusammen angeguckt, gebastelt, Gesellschaftsspiele gespielt - wir haben den ganzen Tag nur drinnen in Pyjamas rumgehangen. Das war ein perfekter Tag.

Auf deiner Homepage steht, dass du schon immer von einem eigenen Restaurant geträumt hast - willst du dir diesen Traum irgendwann erfüllen?

Kelly: Nein, den Stress tue ich mir nicht an. Ich war immer ein kreativer Mensch und als ich damals dauerhaft für die Familie gekocht habe, dachte ich mir: Wenn ich schon für 18 Mann jeden Tag kochen kann, dann kann ich auch so ein Mini-Restaurant aufmachen, nicht à la carte, sondern einfach mit einem Menü. Aber ich glaube, der Restaurantbetrieb ist echt die Hölle. Ich habe Respekt vor jedem Menschen, der diesen Job macht. Aber ich könnte mir vorstellen, wenn wir älter sind und in Südafrika oder Frankreich vielleicht ein Häuschen haben und ich in Rente bin, dann mache ich ein Internetportal, auf dem man mich sehen kann. Wie ich da stricke und Strickmuster blogge und vielleicht irgendwas koche. So dass ich die Oma von Nebenan für alle bin. Oma Maite. Das kann ich mir vorstellen, das wär cool.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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